Deutsch-Österreich: Gedenken für Opfer des Bombenterrors

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In Deutsch-Österreich haben Aktivisten in Tulln der Opfer des alliierten Bombenterrors gedacht und an der dortigen Gedenktafel für die Bombenopfer ein stilles Gedenken abgehalten und Kerzen niedergelegt.

Die Gedenktafel für die Bombenopfer wurde im Auftrag der Stadtgemeinde Tulln anlässlich des fünfzigsten Jahrestages des größten Unglücks, das die Stadt Tulln in ihrer langen Geschichte hinnehmen musste, im Jahre 1994 angefertigt. Nachdem sie zunächst im Bereich des Zentrums der Bombenangriffe beim ehemaligen St. Pöltner-Tor aufgestellt war, wurde sie danach an der Außenfassade der 1967 errichteten Aufbahrungshalle angebracht.

Tulln selbst stellte an sich kein bevorzugtes Angriffsziel dar und wurde bis 1943/44 als nicht besonders luftgefährdet eingestuft. Allerdings war die räumliche Nähe zum Hydrierwerk Moosbierbaum fatal. Dort wurden zeitweilig bis zu 20 % des deutschen Flugzeugbenzins erzeugt, wodurch der Industriekomplex ab Mitte 1944 zu einem Ziel für die Bomber der 15. US-Army Air Force wurde. Seit dem Frühjahr 1942 gab es in Tulln immer wieder Fliegeralarme, über 130 waren es bis Kriegsende. Insgesamt acht Luftangriffe betrafen die Stadtgemeinde mit Gebäude- und Flurschäden sowie Fliegerabstürzen mit zum Teil tödlichen Folgen.

Der 11. Dezember 1944 war dann der Schicksalstag für Tulln: Ab 12 Uhr warfen 90 Flugzeuge in drei Angriffswellen insgesamt fast 300 Spreng- und Zeitzünderbomben über dem Stadtgebiet ab. 41 Häuser wurden dabei völlig zerstört und 89 Menschen verloren ihr Leben. Um 11.21 Uhr wurde Fliegeralarm ausgelöst. Unmittelbar danach traten die Vernebelungsanlagen in Aktion, die man zum Schutz der Industrieanlagen in Moosbierbaum errichtet hatte und es wurde auch die Flak-Abwehr des Tullnerfeldes aktiviert. Das Industriegebiet war den Fliegern zufolge des Flak-Sperrriegels wegen unerreichbar, sodass Tulln als Ersatzziel herhalten musste. Die erste amerikanische Bomberwelle kam um 12 Uhr vom Westen angeflogen. Die etwa 20 bis 30 Flugzeuge warfen Sprengbomben auf die Felder westlich von Tulln und in der Schießstattgasse und verursachten Häuserschäden. Die zweite Welle, erneut mit Sprengbomben, folgte eine Viertelstunde später aus Richtung Süden. Die dritte Welle, einige Minuten später, traf vor allem den Südosten der Stadt. Insgesamt befanden sich 90 Flugzeuge über Tulln. Es fielen zwar mehr als die Hälfte der Bomben auf Felder im Süden, Tulln wurde aber direkt mit zweihundert 550-Pfund-Sprengbomben (227 kg), 87 von den Amerikanern erstmals eingesetzten Zeitzünderbomben desselben Gewichts und 13 Blindgängern getroffen.

Knapp 90 Todesopfer

Das Ausmaß der Katastrophe wird in den Chroniken wie folgt beschrieben: 41 Häuser, – das entsprach 5 % der Gesamtzahl – waren völlig zerstört und unbewohnbar, darunter das Kino (Brüdergasse), der Stadtsaal und das Gebäude des Gendarmeriepostens und Bezirksgendarmeriekommandos. 87 Häuser (10 %) waren schwer und 350 (fast 50 %) leicht beschädigt. Dazu kamen Flurschäden und Bombentrichter. Schwerer als die materiellen Schäden waren die Verluste an Menschenleben: Zwischen 87 und 89 Todesopfer konnten bis 14. Dezember aus den Trümmern geborgen werden. Fast die Hälfte der Opfer lag unter dem zerbombten Haus Hitlerplatz 12/13. Im Luftschutzkeller des dortigen ehemaligen Gasthauses „Zum Landmann“ hatten wie gewöhnlich zahlreiche Menschen eine vermeintlich sichere Zuflucht gesucht.Über ein Viertel der beim Angriff Getöteten waren Kinder, von denen man „nichts weiter als kleine Leichenteile und einige Kleiderfetzen“ fand, wie eine Pfarrchronik berichtete. Erschwert wurden die Rettungseinsätze durch die zahlreichen Blindgänger und die Zeitzünderbomben, die mit einem Verzögerungssatz in unterschiedlichen Intervallen (bis zu 30 Stunden) ausgerüstet waren und die Aufräumarbeiten gezielt stören sollten.

Mit ihrem Gedenken zeigten die Aktivisten, dass auch in Deutsch-Österreich die Opfer des alliierten Bombenterrors nicht vergessen sind.