Schweiz: Selbsternannter „Neonazi-Jäger“ und Denunziant verstorben

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Sich selbst sah er stets als großen Nazijäger, in Wahrheit war er jedoch nichts weiter als ein kleiner Denunziant, der versuchte, seine unbedeutende Existenz auf möglichst billige Art und Weise aufzuwerten: Die Rede ist von Heinz Kaiser aus dem schweizerischen Aargau, der Anfang August einem Krebsleiden erlag.

 

Selbststilisierung als vermeintliche Heldenfigur

Seine vermeintlich große Karriere als „Nazijäger“ begann mit dem Rauswurf eines Schülers aus seiner eigenen Karateschule. Ein belangloses Ereignis, das Kaiser jedoch zur Heldentat überhöhte. Kaiser suchte stets das Rampenlicht, für anständige Arbeit war er sich zu schade. Nach einer Lehre als Bauspengler betätigte er sich als DJ in lokalen Diskotheken und proklamierte mit stolz geschwellter Brust, der erste Profi-DJ der Schweiz und damals ein regelrechter Frauenschwarm gewesen zu sein. Angeblich um sich selbst und seine Angehörigen zu schützen, erwarb Kaiser einen schwarzen Gürtel im Shotokan-Karate und eröffnete eine eigene Karateschule. Vor wem Kaiser sich und sein Umfeld zum damaligen Zeitpunkt schützen musste, blieb stets unklar und gehört wohl zu den zahlreichen Legenden, die Kaiser strickte, um sich als Heldenfigur zu stilisieren. Seine öffentlich zelebrierte Selbstbeweihräucherung lässt einen ausgeprägten Narzissmus vermuten, mit dem Kaiser offenbar tiefsitzende Minderwertigkeitskomplexe zu kaschieren versuchte.

 

Karriere als Denunziant

Nachdem er in seiner Karateschule auf einen national gesinnten Schüler aufmerksam wurde, der nach Darstellung von Kaiser versuchte, Karateschüler für seine Weltanschauung zu begeistern, erfolgte prompt dessen Rauswurf. In diesem Zusammenhang wurde sich Kaiser, der stets auf der Jagd nach Aufmerksamkeit war, erstmals bewusst, dass ihm durch derartiges Verhalten auf recht billige Art Applaus aus einschlägigen Kreisen sicher war. Dies gefiel dem nach Aufmerksamkeit gierenden Kaiser offenbar derart, dass er seine Karateschule aufgab und sich in den Folgejahren ganz der Denunziation und Verfolgung von Personen widmete, die nicht in sein Weltbild passten. Kaiser spionierte Teilnehmer von Demonstrationen und nationalen Veranstaltungen aus und stellte diese öffentlich an den Pranger. Auch das Internet wurde von ihm auf der Suche nach Nationalisten systematisch durchforstet, um Personen zu identifizieren, die nach Kaisers Ansicht zu weit rechts im politischen Spektrum verortet waren. Entdeckte Kaiser hierbei Gesetzesverstöße oder Ordnungswidrigkeiten, schwärzte er die betreffenden Personen bei den Behörden an. Infolgedessen kam es zu einer Reihe von Verurteilungen national gesinnter Personen, was Kaiser als Dienst an der Gesellschaft verstanden wissen wollte.

 

Gegenwehr

Mit Erbitterung stellte Kaiser jedoch alsbald fest, dass die von ihm Denunzierten zur Gegenwehr bereit waren. In seiner Naivität hatte der „große Nazijäger“ offenbar angenommen, weitgehend unentdeckt und unbehelligt seinem Denunziantentum frönen zu können. Dies musste allein schon aufgrund der Tatsache scheitern, dass Kaiser aus eigenem Antrieb das Licht der Öffentlichkeit suchte, um sein Aufmerksamkeitsbedürfnis befriedigen zu können. Ins Reich der selbstgestrickten Legenden gehört, dass Kaiser zwei Nationalisten in Olten krankenhausreif prügelte, die ihn erkannt und angegriffen haben sollen. Zeugen für diesen Vorfall gab es keine, weshalb fragwürdig ist, ob sich die Ereignisse tatsächlich so abgespielt haben, wie später von Kaiser behauptet.

Nach Kaisers Darstellung wurde es zunehmend gefährlich für ihn, weshalb er sich daheim ein Waffenarsenal zulegte, um notfalls auch mit Schusswaffen gegen den politischen Gegner vorgehen zu können. Seine Tochter wurde zeitweise unter Polizeischutz zur Schule gebracht. Doch Kaiser war nicht bereit, seine Aktivitäten, mit denen er seine eigene Person aufzuwerten versuchte, aufzugeben. Die Verlockung, seine Person auf diese billige Art ins Rampenlicht zu rücken, war offenbar zu groß. Selbst seiner Tochter zuliebe war er nicht bereit, sein Denunziantentum aufzugeben. Sein schmutziges Handwerk bescherte ihm 2007 den sogenannten „Schweizer Weltbürger-Preis“, gestiftet von einer ominösen Vereinigung, die sich die Abschaffung der Nationalstaaten auf die Fahne geschrieben hat.

 

Gier nach Aufmerksamkeit bis zuletzt

Nachdem Anfang 2022 Kleinzellenkrebs ohne Aussicht auf eine erfolgreiche Behandlung bei Kaiser diagnostiziert wurde, drängte sich dieser nochmals ins Licht der Öffentlichkeit und nahm Kontakt zu verschiedenen Medien auf. Die selbsternannte Koryphäe der „Nazi-Jagd“ konnte es offenbar nicht ertragen, sich ohne eine seinem Verständnis nach ausreichende Würdigung in der Presse sang- und klanglos zu verabschieden. Berichte in Zeitungen und Fernsehen folgten, in welchen Kaiser nochmals von seiner großen Karriere als Denunziant schwadronieren durfte.
Kaiser verstarb am Morgen des 06. August. Die Trauer der Schweizer Nationalisten dürfte sich stark in Grenzen halten.

1 Kommentar

  • Von der Sorte gibt es noch viele.Stirbt einer kommen zwei nach.

    Heiko 19.08.2022
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