Feder und Schwert LXX: Vom Zweifeln und Verzweifeln – Ein Kurzportrait von Karlheinz Deschner

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Karlheinz Deschner ist ein Name, welcher wohl kaum in nationalen Kreisen fällt. Er wird wohl auch nur wenigen von uns ein Begriff sein. Vielmehr werden ihn jene kennen, welche in säkular-humanistischen Wasserkopfmilieus unterwegs sind und in allen möglichen Träumereien von einer aufgeklärten, demokratischen, natürlich auch liberalen, aber bitte keinesfalls religiösen Gesellschaft schwelgen. Einer Gesellschaft, so aufgeklärt, daß in ihr nur Freidenker, alles Individuen selbstverständlich, existieren, und in ihr Freiheit und Gleichheit und natürlich auch die heilige Vernunft – die ist ganz besonders wichtig – das Fundament aller Dinge sind.

Einer Gesellschaft freilich, die ferner der Realität und Lebenstatsächlichkeiten nicht sein könnte. Deshalb wollen wir uns diesen Gestalten auch nicht näher widmen. Doch wir müssen sie kurz erwähnen, da Deschner in eben jenen Kreisen zeitlebens geistig beheimatet war. Dennoch kann dieser Mann – das Lebenswerk dieses Mannes – auch für national denkende Streiter interessant sein. Deschner war der wohl größte und bedeutendste Kritiker des Christentums, insbesondere der katholischen Kirche, des 20. Jahrhunderts, sein Opus magnum die zehnbändige Kriminalgeschichte des Christentums.

Karl Heinrich Leopold Deschner wird 1924 in Bamberg geboren und entstammt einfachen Verhältnissen. Seine Kindheit und Jugend verbringt er in enger Bindung zu kirchlich geprägten Einrichtungen. 1933 besucht er für etwa ein Jahr das Franziskanerseminar in Dettelbach, wo er zeitweise auch im Franziskanerkloster lebt. Ab 1934 besucht er bis 1942 in Bamberg das Gymnasium als Internatsschüler bei Karmelitern und Englischen Fräulein. 1942 dann, als sein Vaterland um das Schicksal der ganzen Welt ficht, meldet er sich – damals noch in keinster Weise so verblendet wie diejenigen, die ihn heuer so sehr als Aufklärer, Humanisten und Freigeist verehren – freiwillig zur Waffe und streitet bis zuletzt bis zur Kapitulation der Wehrmacht 1945 für Deutschland. Bei seinem Waffengang wird er mehrfach verwundet.

Nach dem Krieg studiert Deschner in Bamberg und Würzburg, ab Mitte der 1950er Jahre wird er schriftstellerisch aktiv und beginnt damit sein Lebenswerk als Schriftsteller, was ihm unnachgiebige Feinde, aber auch aufrichtige Freunde bescheren soll. Ein prägendes Ereignis dürfte wohl seine Exkommunikation im Jahre 1951 darstellen, welche der Bischof von Würzburg öffentlich festgestellt hat. Der Grund: Deschner heiratet eine geschiedene Frau, mit welcher er später drei Kinder bekommen soll. Bis zu diesem Zeitpunkt trat Deschner nicht kirchen- oder religionskritisch in Erscheinung. Dies tut er das erste Mal 1957 mit der Herausgabe des Buches Was halten Sie vom Christentum?, welches die Ansichten verschiedener Personen zu eben jener Religion enthält. 1962 erscheint Abermals krähte der Hahn, welches für viele als Standardwerk der Kirchenkritik gilt.

Seit 1970 arbeitete Deschner an der zehnbändigen Kriminalgeschichte des Christentums, ein religionskritisches Mammutwerk, welches zweifelsohne seinesgleichen sucht. Daneben erscheinen noch etliche weitere religions-, aber vor allem auch kirchenkritische Werke, die zu zahlreich sind, als daß man sie hier alle aufzählen könnte. Möglich ist Deschner diese unglaublich zeit- und arbeitsintensive Arbeit durch zwei Männer, welche ihn als Mäzenen unterstützen: Alfred Schwarz, welcher nach Herausgabe des ersten Bandes der Kriminalgeschichte verstarb, und Herbert Steffen, ein Unternehmer, der später die humanistisch ausgerichtete Giordano-Bruno-Stiftung gründet, zu welcher Deschner bis zu seinem Tod engen Kontakt haben wird.

Deschners erstes Werk, der 1956 veröffentlichte Roman Die Nacht steht um mein Haus, steht symptomatisch für all das, was Deschner in seinem Leben auszeichnen soll. Ein sprachgewaltiger Monolog, in dem er mit allem und jedem, sich selbst eingeschlossen, abrechnet. Deschner, in seinem Denken geprägt von den Philosophen Kant, Nietzsche, Schopenhauer, sagte einmal, er habe ein Schafott in sich. Er wird sein Leben lang alles in Zweifel ziehen. Allem Großen – dem tatsächlichen und dem pseudomäßigen – will er die Maske vom Gesicht reißen, ob diese nun existiert oder nicht. Staatskunst gibt es bei Deschner nicht, es gibt nur Mord und Totschlag. Jeder Große der Weltgeschichte wird bei ihm ein großer Schlächter – Menschheitsgeschichte wird zur Aneinanderreihung von abgrundtiefen Verbrechen.

Mit einer gewaltigen Sprachkraft zerreißt Deschner den Menschen. Dabei ist er jedoch keinesfalls, wie ihm seine kirchlichen Kritiker oftmals vorwerfen, „hasserfüllt“. Einer seiner Widersacher sprach einmal von den „hasserfüllten Augen des Herrn Deschner“. Dabei sieht man tatsächlich, wenn man in die Augen dieses Mannes, der seine Zweifel auch in über zweitausend Vorträgen in die Welt stieß, vielmehr eine tiefgehende Traurigkeit. Der Mensch, das Raubtier mit zwei Händen, ist für Deschner ein hoffnungsloses Wesen. Überhaupt findet man in Deschners Werk nur Anklage, Beschuldigung und Kritik. Einzelne liebäugelnde Paragrafen über die „Werte“ der Aufklärung können nicht darüber hinwegtäuschen, daß Deschner letztendlich auch vor allem eines ist – ein Schlächter, der mit Worten schlachtet, nicht mit dem ihm mittlerweile verhassten Messer bzw. Gewehr. Und er schlachtet nicht nur die Kirche, nicht nur die Religion oder die Gesellschaft, sondern den Menschen selbst. Heutige Humanisten und andere Tagträumer mögen gerne und freudig auf die kirchenkritischen Werke Deschners verweisen. Trotz einiger Lippenbekenntnisse zum Humanismus ist und bleibt Deschner dennoch kein humanistischer Leuchtturm. Deschner war ein großer Zweifler, der am meisten wohl an sich selbst gezweifelt hat. In dieser Hinsicht gibt es einen sehr interessanten Aspekt, welcher bei der Betrachtung Deschners häufig unerwähnt bleibt oder in den Hintergrund abgedrängt wird, der aber zum Verständnis seiner Person wohl den Schlüssel stellt.

Der ehemalige Jäger, welcher sogar mehrere Jahre auf einem ehemaligen Jagdsitz der Würzburger Fürstbischöfe gelebt hat, wird überzeugter Vegetarier und vertritt diese Position auch nach außen. Deschner bezeichnete diejenigen, welche die Kirche verlassen, als einen Lichtblick – jene aber, die keine Tiere mehr essen, als Brüder. Was der Mensch dem Tier antut, stellt für Deschner das „schwärzeste aller Verbrechen“ dar. Mehrmals äußert er, daß er, wenn er noch einmal leben könnte, sein ganzes Schaffen in den Dienst der Tiere stellen würde. Der Kampf wider die Grausamkeiten gegen das Tier durch den Menschen – Schlachthäuser, Pelzfarmen, Tierversuche, Vivisektionen – steht für Deschner in seiner Bedeutung noch weit vor dem Kampf gegen die Kirche. Doch was tut der Schriftsteller Deschner, um dem Tiere zu helfen, welches er – und daran besteht kein Zweifel – so sehr liebt?

Von seinen dutzenden Schriften, welche Deschner in seinem Leben veröffentlicht, widmet er sich in genau einem ausschließlich jener Thematik, welche für ihn über allen anderen steht. 1998, zweiundvierzig Jahre nach seinem Erstlingswerk, erscheint mit Für einen Bissen Fleisch ein gerade mal 88 Seiten schwaches Büchlein, welches ein paar Aphorismen und drei Essays Deschners enthält. Finden wir hier möglicherweise den Grund für die echte Traurigkeit, welche wir stets in den Augen von Karlheinz Deschner sehen? Vermutlich war sich Deschner bewußt, daß er sein schriftstellerisches Talent in weiten Teilen an die Kirche wahrlich verschwendet hat. Hätte er sich ab 1970 ausschließlich auf seine Kriminalgeschichte beschränkt und die anderen religionskritischen Titel zugunsten der Tiere fallen gelassen, er wäre ein nicht minder bedeutender Kirchenkritiker – ja, wohl immer noch der bedeutendste des 20. Jahrhunderts – gewesen. Und womöglich wären seine Augen, welche er am 8. April 2014 in seiner Heimatstadt Haßfurt für immer schloß, etwas weniger traurig gewesen.

Doch warum nun als Nationalrevolutionär Deschner lesen? Deschner war kein Freund unserer Weltanschauung, insofern können wir auch den ein oder anderen Humanisten, der ob dieser Zeilen womöglich nervös wird, beruhigen. Vereinnahmen oder gar zu unseren Zwecken „missbrauchen“ werden wir Deschner nicht – das haben wir auch nicht nötig. Deschner war ohnehin ein Unikat, welches sich nur schwerlich in eine Schublade einordnen läßt.
Interessant für uns, aber auch jeden aufrichtig an der Geschichte der europäischen Völker Interessierten, ist seine Kriminalgeschichte des Christentums, insbesondere die ersten Bände. Mittels minutiöser Quellenforschung – meist kirchliche Originalquellen – weist Deschner, nicht als erster, aber bestimmt am ausführlichsten, akribisch das gewaltige Vernichtungswerk der Kirche nach, welche seit der Antike wie die Bolschewisten in Russland unersetzbare Kulturgüter unserer Vorfahren vernichtet und in einem grenzenlosen Hass gegen alle Artbräuche und Artsitten unserer Völker unzählige Menschenleben ausgelöscht hat. Meist hat sie dies mit einem korrupten (oftmals auch erst durch sie korrumpierten) Adel getan, oft genug aber auch selbst durch die Hände von Bischöfen oder Mönchen, zu denen man getrost Parallelen zu den Politkommissaren der Sowjetunion ziehen kann.

Wer sich also ein genaueres und historisch fundiertes Bild zum Verhältnis Europa bzw. Abendland und (katholische) Kirche machen möchte und hierbei detaillierte Quellennachweise wünscht, der kann sich getrost an das Hauptwerk von Karlheinz Deschner wenden. Man sollte sich nur bewußt machen, daß man damit nicht nur dem womöglich größten Kirchenkritiker des 20. Jahrhunderts seine Aufmerksamkeit schenkt, sondern auch einem großen Selbstzweifler, der vermutlich bis zu seinem Tod mit der Welt und sich selbst haderte. Erbauliches sucht man in Deschners Werk vergeblich.

1 Kommentar

  • Der Buchtipp kommt gerade richtig. 👍🏻

    Christian 29.05.2023