
„Glücks-Cent“ in Gefahr
Wer in Ländern wie Finnland, Irland, Italien oder Belgien einkaufen geht, erlebt häufig, wie ein krummer Rechnungsbetrag auf- oder abgerundet wird. In Finnland ist gesetzlich geregelt, dass Barzahlungen auf den nächstgelegenen 5-Cent-Betrag gerundet werden. Eine ähnliche Gesetzesänderung könnte wohl auch bald in Deutschland kommen. Das von der Bundesbank initiierte „Nationale Bargeldforum“ hat eine Stellungnahme veröffentlicht, in dem es das Bundesfinanzministerium auffordert, entsprechende Regelungen in die Wege zu leiten. „Das Bundesfinanzministerium wird gebeten, sich für eine gesetzliche Rundungsregelung in Deutschland einzusetzen und diese voranzutreiben“, schreibt die Organisation.
Begründet wird der Vorstoß mit den hohen Kosten für die Herstellung der Münzen. „Insgesamt sind die ökonomischen und ökologischen Kosten für Herstellung, Verpackung und Transport der Ein- und Zwei-Cent-Münzen im Verhältnis zu ihrem Nennwert hoch“, sagt Bundesbank-Vorstand Burkhard Balz. Einer Analyse des Online-Magazin Chip.de zufolge kostet die Herstellung einer Cent-Münze 1,65 Euro. Material, Prägung, Verpackung und Transport sorgen dafür, dass die Kosten für die Münze deutlich über ihrem Nennwert liegen.
Außerdem würden viele Menschen das Kleingeld in ihrem Geldbeutel ohnehin ablehnen. Im jüngsten Eurobarometer, einer Erhebung der Europäischen Kommission, gaben 61 Prozent von 18.600 Befragten an, dass sie die Abschaffung der kleinen Münzen begrüßen würden. Bei den Befragten aus Deutschland waren es 53 Prozent Zustimmung. Die formale Abschaffung des Kleingeldes kann nur auf EU-Ebene erfolgen, deswegen werden in Finnland und anderen Ländern, die auf Kleingeld verzichten, zwar keine Cent-Münzen mehr in Umlauf gebracht, jedoch formal weiterhin als Zahlungsmittel anerkannt.
Kritik an den Plänen entzündet sich vorwiegend an Fragen der praktischen Umsetzung. Wenn die Läden zwar kein Kleingeld mehr rausgeben dürften, die Annahme von Münzen aber fortsetzen müssten, würde das mit einem zusätzlichen Aufwand für die Geschäfte verbunden sein. Daher spricht sich beispielsweise Ulrich Binnebößel vom Handelsverband HDE für die generelle Abschaffung der Ein- und Zwei-Cent-Münzen aus. Gehört der beliebte Glückscent, der Nachfolger des Glückspfennigs, also bald der Vergangenheit an?
Bargeld ist Freiheit
Die Argumentationen für die Abschaffung der Cent-Münzen hören sich zunächst plausibel an. Wozu noch das lange Wühlen im Geldbeutel, wenn es doch auch einfacher geht? Doch die Abschaffung muss auch im Kontext eines schleichenden Weges zur Abschaffung des Bargelds gesehen werden. Bargeld wird von vielen nicht ohne Grund geschätzt, nicht nur von älteren Deutschen. Einerseits ermöglicht das Bargeld eine bessere Übersicht über die eigenen Ausgaben. Andererseits ist das bare Währungsmittel vor allem auch eine Möglichkeit, ohne staatliche Überwachung über das eigene Vermögen zu verfügen. Für den Staat ergeben sich Möglichkeiten, genau nachzuvollziehen, wer beispielsweise welcher politischen Organisation Geld gegeben hat. Personen können so auch perspektivisch generell von der Bank abhängig gemacht werden. Wer kein Konto hat, hat keine Möglichkeit, etwas zu bezahlen. Und wer als politischer Dissident gilt, kann sein Konto womöglich auch schnell verlieren.
Aus diesem Grund ist Bargeld ein wichtiges und notwendiges Stück Autonomie. „Der III. Weg“ spricht sich gemäß seines Parteiprogramms in Punkt 5 entschieden für den Erhalt von Bürger- und Freiheitsrechten aus und lehnt daher auch Teilschritte ab, die langfristig zur Abschaffung des Bargeldes führen sollen.













