Himmelsscheibe von Nebra: Forscher entschlüsseln Herstellungsprozess

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Bildquelle: WFS.Berlin, Himmelsscheibe.Nebra.vorne.P1034154, CC0 1.0

Forscher der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg haben sich mit der Himmelsscheibe von Nebra befasst. Dabei ist es ihnen gelungen, mittels modernster Technologie den Herstellungsprozess der urgermanischen Bronzeplatte nachzustellen. Dabei hat sich herausgestellt, dass die Fertigung durch einen Prozess umgesetzt worden sein muss, der heutigen industriellen Prozessen ähnelt. Die Himmelsscheibe von Nebra ist ein 3700 bis 4100 Jahre altes Artefakt mit Goldapplikationen, dessen genauer Zweck bis heute ungeklärt ist. Gefunden wurde das Objekt im Juli 1999 in der Gemarkung Ziegelroda, westlich von Nebra in Sachsen-Anhalt.

 

Hochkomplex: Herstellung der Himmelsscheibe von Nebra

In der heutigen Geschichtsschreibung werden unsere urgermanischen Vorfahren oftmals als primitive Barbaren dargestellt. Doch zahlreiche Funde aus der Bronzezeit widerlegen das Bild. Ein Beispiel dafür ist die Himmelsscheibe von Nebra. Auf der Bronzeplatte sind Goldapplikationen eingearbeitet, die offenbar Sonne, Mond und Sterne darstellen. Materialforscher der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg sind der Frage nachgegangen, wie das Objekt hergestellt worden ist. Dafür haben sie das Metall mittels „modernster Elektronenrückstreu- und Rasterelektronenmikroskopie“ untersucht, erklärte Thorsten Halle vom Institut für Werkstoffe, Technologien und Mechanik in einer Pressekonferenz. Zusätzlich habe ein Kupferschmied Kopien der Bronzescheibe hergestellt, damit der Herstellungsprozess nachvollzogen werden könne.

Das Ergebnis ist verblüffend: Der Rohling muss in einer Feuerstelle bei über 1200 Grad Celsius gegossen und danach wiederholt auf 700 Grad Celsius erwärmt und umgeformt worden sein. Ein Verfahren, das heutigen industriellen Prozessen sehr ähnlich ist.

Ungeklärt bleiben weiterhin viele Fragen: Wer fertigte die Himmelsscheibe? Wofür wurde sie genau genutzt?

Gefunden wurde die Himmelsscheibe am 04. Juli 1999 von den Raubgräbern Henry Westphal und Mario Renner. Sie hatten das Objekt mit einer Sonde entdeckt und zunächst für den Mittelteil eines Schildes gehalten. Für 31.000 DM verkauften sie den Gegenstand an einen Kölner Händler. Anschließend wechselte die Himmelsscheibe mehrmals den Besitzer. Zuletzt befand er sich in den Händen eines Hehlerpaares. 2002 wurde die Scheibe von der Schweizer Polizei sichergestellt und dem Land Sachsen-Anhalt als rechtmäßigem Eigentümer übergeben. Nun befindet sich die Himmelsscheibe als eine der Hauptattraktionen im Landesmuseum für Vorgeschichte in Halle/Saale. Heute geht man davon aus, dass das Kupfer für die Himmelsscheibe aus Erzminen bei Salzburg und das Gold aus dem Fluss Carnon in Cornwall/ England stammt. Es zeigt sich also, dass Europa bereits schon in der indogermanischen Frühzeit ein Kulturkontinent war, lange bevor unsere Vorfahren nach der etablierten Geschichtsschreibung das „Licht der Kultur“ angeblich aus dem Orient empfangen hätten.