Feder & Schwert LXXXIII: Perón – Südamerikas vergessener dritter Weg

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Die politischen Realitäten in Südamerika sind aus nationalrevolutionärer Sicht ein Dilemma. Viele der in jüngster Zeit erfolgten rechten Wahlsiege, sei es Bolsonaro in Brasilien, Milei in Argentinien oder Kast Rist in Chile entpuppten sich als libertäre und kapitalistische Mogelpackungen im populistischen Gewand. Auf der anderen Seite des politischen Spektrums finden sich die sogenannten „linksnationalistischen“ Bewegungen, mit denen ebenfalls so manche Patrioten und Nationale in Deutschland, wie zuletzt nach der Entmachtung Nicolás Maduros in Venezuela, symphatisieren.

Dass die Ideen des Freiheitskämpfers Simón Bolívar aber in der „bolivarischen Revolution“ von Hugo Chávez durch die marxistische Doktrin vereinnahmt worden sind und heute von korrupten Drogenbaronen wie eines Maduro gewissenlos missbraucht werden, wird dabei vor lauter antiamerikanischer Reflexe geflissentlich ignoriert. Es scheint im Südamerika der Gegenwart als Alternative zu den liberalen Parteien nur die Wahl zwischen nackter, kapitalistischer Ausbeutungsregime, wie sie durch das System Augusto Pinochets in Chile am extremsten verkörpert wurde, oder den Fall in kommunistische Diktatur und kleptokratischer Staatswillkür zu geben.

 

 

Ein dritter Weg für Argentinien

Dabei kam kurz nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs, als Europa in Trümmern lag und sich die Mächte der Weltplutokratie und des Weltbolschewismus gemeinsam über ihre Beute hermachten, in Argentinien ein Mann zur Macht, der das Beispiel eines dritten politischen Weges, fernab von Kapitalismus und Kommunismus, auch in Südamerika etablieren wollte. Die Rede ist von Juan Domingo Perón, der als Offizier bereits schon in den Jahren zwischen 1938 und 1939 im Deutschen Reich als Militärattaché fungierte und anschließend als Militärbeobachter im faschistischen Italien unter Mussolini verweilte, um den Gebirgskrieg zu studieren.

Bei seiner Rückkehr nach Argentinien im Jahre 1941 gründete der vom Faschismus begeisterte Perón mit anderen Offizieren alsbald die Geheimorganisation Grupo de Oficiales Unidos (GOU), die klar nationalistisch und prodeutsch/profaschistisch ausgerichtet war. Im Juni 1943 putschte die GOU gegen die Regierung Ramón Castillos, der den Achsenmächten nahestehende Militär Pedro Pablo Ramírez kam zur Macht und mit ihm wurde Perón zuerst Arbeits- und 1944 Kriegsminister. Schon im Mai 1943 formulierte Perón seine politischen Pläne. Im Bündnis mit Deutschland und Italien wollte er Argentinien zur Führungsnation auf dem südamerikanischen Kontinent machen und wurde dabei auch vom deutschen Auslandsgeheimdienst des SD unterstützt, mit dem ihm auch die erfolgreiche Unterstützung eines profaschistischen Miltärputsches im Dezember 1943 in Bolivien gelang.

Die ambitionierten Pläne Peróns wurden freilich durch das unglückliche Kriegsende im Jahr 1945 in Europa zunächst zunichte gemacht. Antifaschistische Demonstrationen erschütterten das Land ab der japanischen Kapitulation im August und veranlassten Perón zur Verhängung des Ausnahmezustandes und zum harten Durchgreifen gegen den roten Mob. Um den (womöglich von außen orchestrierten) Demonstrationen Wind aus den Segeln zu nehmen, entließ die Militärjunta Perón im Oktober 1945 und ließ ihn anschließend auf die Insel Martín García verbannen. Doch zu dem Zeitpunkt hat sich Perón im Volk bereits einen Namen als Freund der werkstätigen Arbeitermassen gemacht. Durch seine im Arbeitsministerium durchgeführten sozialen Reformen und seine Gewerkschaftsgründungen, die den Einfluss der üblichen marxistischen Demagogen zurückdrängten, hat Perón das Herz des einfachen Volkes, der sogenannten „Descamisados“ (die „Hemdlosen“) gewonnen, sodass diese zu Massenaufständen und Generalstreiks mobilisierten, um die Freilassung Peróns zu fordern. Tatsächlich wurde Perón nur wenige Tage nach seiner Verbannung am 17. Oktober 1945 freigelassen, nicht zuletzt aufgrund des Einsatzes der argentinischen Schauspiel-Ikone und seiner späteren Ehefrau Maria Eva Duarte, die er nur wenige Tage nach seiner Freilassung heiratete.

 

 

Juan Perón während einer Militärparade 1946 (Quelle: imago images / United Archives International)

 

 

Politischer Durchbruch Peróns

Im Februar 1946 konnte Perón seinem dritten Weg endlich zum politischen Durchbruch durch den Sieg bei den Präsidentschaftswahlen verhelfen. Der deutschenfreundliche Führer der argentinischen Freiheitsbewegung hielt auch nach dem Zweiten Weltkrieg an seiner Symphatie für die niedergeworfenen Achsenmächte fest und bot vielen politisch verfolgten Deutschen und Europäern, die von den zionistischen Häschern fortan über den ganzen Globus gejagt wurden, einen sicheren Hafen. Auch bezeichnete er die Nürnberger Racheprozesse gegen ausgewählte Größen des Dritten Reichs als „Ungeheuerlichkeit“ und „Infamie“. Obwohl der damals amtierende US-amerikanische Präsident Harry Truman versuchte, die öffentliche Meinung gegen Perón aufzubringen, indem er ihn der früheren Kollaboration mit dem Deutschen Reich und des Faschismus bezichtigte, sahen viele Argentinier zu recht eine unbotmäßige Einmischung der USA in die inneren Angelegenheiten des Landes und wählten Perón zu ihrem Präsidenten.

Perón hielt seine Versprechen und setzte seine Sozialpolitik aus der Zeit zwischen 1943 und 1945 mit einer gleichzeitig klar antikommunistischen sowie nationalistischen Haltung fort. Von Anfang an unterschied sich der Peronismus von den europäischen faschistischen Strömungen (mit Ausnahme des deutschen Nationalsozialismus) durch seine entschieden sozialrevolutionäre Ausrichtung, die vor allem durch Peróns Ehefrau Maria Eva Duarte de Perón als Idol der Armen und Arbeiter verkörpert wurde, einerseits und Peróns Auseinandersetzung mit der katholischen Kirche andererseits. Schlüsselindustrien wurden verstaatlicht, die Rechte der Arbeiter gestärkt, Wohltätigkeitskampagnen organisiert, die Zahl der Arbeiter mit Anspruch auf Rentenzahlung von einer halben Million auf 10 Millionen erhöht, eine eigenständige Industrialisierung Argentiniens vorangetrieben und der Einfluss von Großgrundbesitzern auf die Politik zurückgedrängt.

Das brachte dem Paar an der Spitze Argentiniens den Hass des besitzenden Großbürgertums und der geistlichen Kaste ein. Während die mittellosen „Descamisados“ die als „Evita“ verehrte First Lady als Heilige verehrten, wurde sie von den materiellen Eliten des Landes verachtet. Der stets moralisierende, sittenstrenge Klerus arbeitete sich derweil an ihrer unehelichen Herkunft und ihres früheren promisken Lebenswandels ab. Altkonservative Militärs waren erbost darüber, dass eine Frau eine solch aktive Rolle in der argentinischen Politik spielen konnte zu einer Zeit, als Frauen noch nicht wählen durften. Und auch Juan Perón selbst sah sich trotz aller Popularität im Volk mit Widerständen konfrontiert. Der Konflikt mit der Kirche eskalierte bald und Perón ging dazu über, katholische Zeitungen zu verbieten, Religionsunterricht abzuschaffen, eheliche und uneheliche Kinder rechtlich gleichzustellen und Scheidung sowie Prostitution zu legalisieren. Bis heute ist Perón der einzige Präsident lateinamerikanischer Staaten, der sich mit offenem Visier der „schwarzen Internationalen“ entgegenstellte und Front gegen die katholische Kirche mit ihrem Einfluss auf die Politik machte.

Auch war er der einzige Militär und Machthaber, der sich mit seinem nationalen Sozialismus der Sache des argentinischen Volkes verpflichtet fühlte, ohne sich durch marxistische Ideologie vereinnahmen zu lassen, deren Träger er zeitlebens trotzdem weiter bekämpfte. Das argentinische Volk, besonders die arbeitende Klasse, dankte es ihm. Die Mehrheit der Argentinier wollte eher eine eiserne Hand als Anarchie im Land. Die Arbeiter stellten sich geschlossen hinter Perón und waren stolze Peronisten. Auf der anderen Seite formierten sich alsbald die Anti-Peronisten, die in der Hauptsache Kommunisten und Liberale sind. Nachdem Perón bei seiner Wiederwahl 1951 – die erste argentinische Wahl übrigens, bei der Männer und Frauen frei wählen durften – im Volk so beliebt war, dass er seine Stimmen noch einmal bis auf 62 % steigern konnte, setzten bald die Rückschläge ein. Am 26. Juli 1952 starb „Evita“ de Perón im Alter von nur 33 Jahren an Krebs, am 16. Juni 1955 exkommunizierte Papst Pius XII. den argentinischen Präsidenten und im September 1955 wurde Perón schließlich durch die sogenannte „liberale Revolution“, eines Putsches der Anti-Peronisten, entmachtet. Perón landete schließlich in Spanien im Exil.

 

Büste von Eva Perón in La Plata

 

 

Peróns Rückkehr und politisches Vermächtnis

Die Nachfolgeregierungen Peróns waren vor allem von Kurzlebigkeit und dem Unvermögen, die sich verschärfenden Probleme im Land zu lösen, gezeichnet. Wirtschaftliche Stagnation, zunehmende soziale Spannungen und häufige Regierungswechsel kennzeichneten das Argentinien nach der Regierungszeit Peróns. In spanischen Exil lernte Perón derweil die argentinische Nachtklubtänzerin María Estela Martínez kennen und heiratete sie in Madrid 1961; fortan nannte sie sich Isabel Martínez de Perón. In der argentinischen Heimat hat sich während Peróns Abwesenheit ab 1966 eine anti-peronistische Militärdiktatur etabliert, die sich später mit den linksperonistischen Montoneros bürgerkriegsähnliche Auseinandersetzungen lieferte. 1973 endlich erklärte General Lanusse die Rückkehr zur Demokratie und es kam im März zu erneuten Wahlen. Das Volk in Argentinien wollte erneut von einer starken Hand gerettet werden und rief ihren Volkshelden Juan Perón zurück ins Land.

Nachdem ihm zunächst die Präsidentschaftskandidatur verweigert wurde und Héctor José Cámpora als Interimspräsident eingesetzt wurde, fanden nach dessen Rücktritt im September 1973 Neuwahlen statt und Perón wurde mit der überwältigenden Mehrheit von über 60 % der Stimmen zum dritten Mal zum Präsidenten gewählt. Perón versuchte mit eiserner Hand, seine Bewegung wiederzuvereinigen, nachdem sich seine Anhänger in einen linken und rechten Flügel gespaltet haben, die sich mit harten Bandagen bekämpften. Die linksgerichteten Montoneros, die sich begannen, an den politischen Strategien des Marxisten Ernesto Che Guevara auszurichten, unterlagen und wurden im Mai 1974 aus der peronistischen Partei Partido Justicialista (PJ) ausgeschlossen. Perón wollte die Ordnung im Land wiederherstellen und ging mit der neu gegründeten Alianza Anticomunista Argentina (AAA) vor allem gegen kommunistische Aufwiegler und Unruhestifter vor. Doch schon im Juli 1974, nach nicht einmal einem Jahr im Amt, ereilte Juan Perón das Schicksal und der Präsident verstarb an einem Herzinfarkt. Seine Frau Isabel, als Vizepräsidentin vereidigt, übernahm notgedrungen die Regierungsgeschäfte, aber konnte freilich nicht lange das Erbe ihres Mannes auf den Schultern tragen. Schon im Frühjahr 1976 entmachtete ein erneuter Miltärputsch die peronistische Regierung.

Damit war der Peronismus faktisch gestorben, denn auch wenn die PJ bis in die Gegenwart formal weiter exisiert und nach der erzwungenen Abdankung der Witwe Peróns bis 2023 noch fünf weitere Präsidenten der peronistischen Partei ins Amt brachte, so hat der sogenannte Neu-Peronismus nichts mehr mit dem sozialrevolutionären Nationalismus des Argentiniens der 40er und frühen 50er Jahre zu tun. Längst haben internationalistische Linke und Liberale die peronistische Partei infiltriert, übernommen und schmücken sich nur über Lippenbekenntnisse mit dem Vermächtnis des Volksgenerals. Auch war es Perón leider nicht gelungen, seine politischen Ideen über die Grenzen Argentiniens hinaus in die anderen lateinamerikanischen Staaten zu tragen. Lediglich die Regierungen unter Getúlio Dornelles Vargas in Brasilien von 1930-1945 sowie 1950-1954 trugen ebenfalls Züge eines dritten Weges, waren aber stark an einer Kollaboration mit den USA ausgerichtet und führten Brasilien im Zweiten Weltkrieg unter dem Druck Washingtons sogar in den Krieg gegen Deutschland. Überall sonst werden die meist äußerst instabilen politischen Systeme Südamerikas durch die Polarität zwischen Kommunismus und radikalem Wirtschaftsliberalismus, der früher noch durch eine Reihe von despotischen Miltärjuntas gestützt wurde, bestimmt.

Freilich ist ein organischer Nationalismus, der auf Rasse und Ethnie basiert, nicht in Einwanderungsstaaten umzusetzen, deren Bevölkerung durch die Überlagerung einer indianischen Urbevölkerung durch raumfremde europäische Kolonisatoren entstanden ist. Auch Peróns politischer dritter Weg, der die Rassenfrage nicht kannte, unterschied sich in dieser Hinsicht stark vom deutschen Nationalsozialismus. Dennoch spiegelte Peróns politisches System eine Ordnung wider, die an Hierarchie und nationaler Identität einerseits und sozialer Gerechtigkeit andererseits und damit am Modell des dritten politischen Wegs in Europa eng angelehnt war. Der Peronismus und seine überwiegend auch europäischstämmigen Träger waren vom weltanschaulichen und politischen Wesen her dem europäischen Geist unzweifelhaft verwandter, als die mestizischen und sephardischen „Revolutionsführer“, die den sogenannten „linksnationalen“, bolivarischen Kommunismus in den Gestalten von Evo Morales, Chávez oder Maduro verkörpern. Was bleibt, ist die Hoffnung, dass sich in Südamerika authentische nationalistische Kräfte mit europäischer Abkunft und Gesittung eines Tages wieder am revolutionären, frühen Peronismus orientieren und eine neue Bewegung schaffen, um in den von Korruption, sozialer Ungleichheit, Krimialität und Instabilität geprägten Gesellschaften Lateinamerikas Ordnung und Gerechtigkeit zu schaffen.

 

Juan Perón mit dem deutschen Fliegerhelden Hans-Ulrich Rudel (Quelle: metapedia)