
Direkt gegenüber dem Frankfurter Justizzentrum, in unmittelbarer Nähe zum Oberlandesgericht, befindet sich ein ehemaliges Polizeigefängnis. Heute ist das Klapperfeld ein Zentrum der autonomen linken Szene. Verfassungsschutzberichte, ein Gerichtsurteil und städtische Unterlagen zeigen: Die Nutzung des Gebäudes ist seit Jahren politisch umstritten. Besonders bemerkenswert sind die finanziellen Bedingungen.
Vom Polizeigefängnis zum autonomen Zentrum
Das Klapperfeld wurde 1886 errichtet und bis 2002 als Gefängnis genutzt. Während der nationalsozialistischen Herrschaft diente es unter anderem der Gestapo. Später wurden dort auch Abschiebehäftlinge untergebracht.
2008 besetzte die Initiative „Faites votre jeu!“ ein ehemaliges Jugendzentrum in Frankfurt-Bockenheim. Nach Verhandlungen mit der Stadt zog sie im April 2009 in das leerstehende Polizeigefängnis Klapperfeld. Den Überlassungsvertrag handelte die damalige grüne Bildungsdezernentin Jutta Ebeling aus. Die CDU stimmte innerhalb der damaligen schwarz-grünen Stadtregierung der Lösung ebenfalls zu. Damit erhielt eine Initiative, die zuvor ein Gebäude besetzt hatte, die Möglichkeit, ein rund 5.000 Quadratmeter großes städtisches Objekt als selbstverwaltetes Zentrum zu nutzen. Im Gebäude entstanden Ausstellungen zur Gefängnisgeschichte, zugleich entwickelte es sich zu einem linksextremen Veranstaltungsort mit Konzerten, Gruppentreffen und Versammlungen. [1][2]
Verfassungsschutz, Antifa-Gruppen und ein Gerichtsurteil
Die politische Bedeutung des Klapperfelds ist nicht bloß Gegenstand öffentlicher Spekulationen. In einer Antwort der hessischen Landesregierung auf eine parlamentarische Anfrage aus dem Jahr 2018 wurden nach damaligen Erkenntnissen der Sicherheitsbehörden unter anderem folgende Gruppen als Nutzer genannt: Antifa United Frankfurt, Interventionistische Linke Frankfurt, Siempre Antifa Frankfurt, Antifa Kritik & Klassenkampf, AK.069 Frankfurt-Offenbach und Rote Hilfe, Ortsgruppe Frankfurt.
Die Landesregierung beschrieb das Klapperfeld als bedeutenden Treffpunkt der autonomen Szene. Dort fanden nach ihren Erkenntnissen politische Schulungen, Mobilisierungsveranstaltungen, Aktions- und Blockadetrainings sowie Konzerte statt. Auch im Vorfeld der G20-Proteste in Hamburg 2017 wurden dort Veranstaltungen durchgeführt. [3]
Der hessische Verfassungsschutz bezeichnete das Klapperfeld in seinem Bericht für 2020 als bedeutendsten autonomen Anlaufpunkt Hessens. [4]
Besonders aufschlussreich ist das Urteil des Verwaltungsgerichts Frankfurt vom 1. Juli 2021, Aktenzeichen 5 K 3243/19.F. Das Gericht sah die Zuordnung der Initiative „Faites votre jeu!“ zum linksextremistischen Spektrum und die Bewertung des Klapperfelds als linksextremistisches Szeneobjekt durch den Verfassungsschutz als nachvollziehbar an. Dabei ging es um die Rechtmäßigkeit der Speicherung personenbezogener Informationen durch den Verfassungsschutz – nicht um eine strafrechtliche Verurteilung der Betreiber. [5]
Auch 2026 ist das Zentrum aktiv; im August feierte die Initiative ihr 18-jähriges Bestehen. Laut einem Bericht der Frankfurter Rundschau nutzen wöchentlich ungefähr 250 Menschen die verschiedenen Angebote, darunter Treffen linksextremer Gruppen, kulturelle Veranstaltungen und Werkstätten. [6]
Wer bezahlt das Klapperfeld – und wer trägt die Verantwortung?
Hier liegt der entscheidende kommunalpolitische Konflikt. Das Gebäude gehört der Stadt Frankfurt. Laut einem Bericht der Frankfurter Neuen Presse aus dem Jahr 2018 zahlte die Initiative keine reguläre Miete, sondern lediglich eine monatliche Nebenkostenpauschale von 250 Euro. Für eine Immobilie mit rund 5.000 Quadratmetern ist das ein außergewöhnlicher Nutzungsbeitrag.
2020 berichtete die Frankfurter Rundschau unter Berufung auf Angaben aus einem städtischen Akteneinsichtsausschuss, die jährlichen Nebenkosten beliefen sich auf rund 24.000 Euro. Die Initiative zahlte demnach lediglich 3.000 Euro jährlich. Das ergibt eine rechnerische Differenz von 21.000 Euro pro Jahr.
Die Stadt widersprach allerdings der Einordnung als kulturpolitische Förderung. Sie erklärte, die Kosten dienten der Erhaltung des denkmalgeschützten Gebäudes. Die damaligen Zahlen belegen somit eine erhebliche Differenz zwischen Zahlungen und Objektkosten, aber nicht, dass sämtliche Ausgaben ausschließlich durch die Initiative verursacht wurden. [7][8]
Ein weiterer Kritikpunkt betrifft den Brandschutz. 2020 bestätigte das zuständige Dezernat, dass die Nutzung in dieser Form brandschutzrechtlich nicht genehmigt war. Eine nachträgliche Klärung wurde angekündigt. [8]
Am 27. August 2026 lehnte die Frankfurter Stadtverordnetenversammlung einen FDP-Antrag ab, die vorübergehende Unterbringung obdachloser Menschen im Klapperfeld prüfen zu lassen. Damit wurde keine Entscheidung über die tatsächliche Eignung des Gebäudes als Notunterkunft getroffen. [9]
Die Stadt Frankfurt hat das Gebäude 2009 zur Verfügung gestellt. Der damals dokumentierte Nutzungsbeitrag war äußerst niedrig. Der Verfassungsschutz hat die Bedeutung des Hauses für die autonome Szene über Jahre beschrieben. Und das Verwaltungsgericht hat die behördliche Einordnung 2021 in einem konkreten Verfahren bestätigt.
Die aktuellen Vertragsbedingungen und die genaue Belastung des städtischen Haushalts im Jahr 2026 sind öffentlich bislang nicht ausreichend belegt. Deshalb wäre es falsch, die historischen 21.000 Euro ohne Weiteres als heutigen Jahresbetrag auszugeben.
Konsequenzen statt jahrelanger Duldung
Der hessische Verfassungsschutz ordnete das Klapperfeld als bedeutenden Treffpunkt der autonomen linksextremistischen Szene ein. Das Verwaltungsgericht Frankfurt sah diese behördliche Bewertung in seinem Urteil vom 1. Juli 2021 als nachvollziehbar an.
Damit ist die politische Bedeutung des Gebäudes seit Jahren öffentlich dokumentiert.
Eine Konsequenz wäre, das bestehende Nutzungsverhältnis rechtlich überprüfen zu lassen und bei Vorliegen entsprechender Voraussetzungen umgehend zu beenden. Wer angeblich den Linksextremismus in Hessen konsequent bekämpfen will, muss gewillt sein, die Infrastruktur von Linksextremisten zu zerschlagen. Daher kann es nur heißen: Klapperfeld dicht machen!
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Quellen
[1] Klapperfeld – Geschichte und Initiative
[2] Frankfurter Neue Presse – Klausel rettet das Autonomen-Zentrum Klapperfeld
https://www.fnp.de/frankfurt/klausel-rettet-frankfurter-autonomen-zentrum-klapperfeld-10373074.html
[3] Hessischer Landtag – Drucksache 19/5209
https://starweb.hessen.de/cache/DRS/19/9/05209.pdf
[4] Landesamt für Verfassungsschutz Hessen – Bericht 2020
https://berichte.lfv.hessen.de/2020/Linksextremismus.html
[5] Verwaltungsgericht Frankfurt – Urteil vom 1. Juli 2021, 5 K 3243/19.F
https://recht.nulegal.eu/rechtsprechung/vg-frankfurt-main/2021-07-01/5-k-3243-19-f
[6] Frankfurter Rundschau – Bericht August 2026
https://www.fr.de/frankfurt/gegen-faschismus-mut-schoepfen-im-klapperfeld-94435447.html
[7] Stadt Frankfurt – Etatantrag 2019
https://www.frankfurt-gestalten.de/vorlage/E_186_2019
[8] Frankfurter Rundschau – Kein Brandschutz im Klapperfeld
https://www.fr.de/frankfurt/kein-brandschutz-klapperfeld-11854835.html
[9] Stadt Frankfurt – Beschluss vom 27. August 2026
https://www.frankfurt-gestalten.de/beschluss/PAR_344_2026














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