
Ihr habt sie sicher auch schon mal geseh’n,
Wildblumen die an Wegesrändern steh’n.
Sie haben herrlich blaue Knospen,
lassen Aug’ und Sinne ihre Schönheit kosten.
Selten siehst du sie auch mal in Weiß,
dann erst gibt sie ihre Anmut Preis.
Gerade im Sommer säumen sie Straßen und auch Wege,
auf denen sich Mensch und Fuhrwerk bewege.
Am frühen Morgen öffnet sie ihre Blüte,
und reckt ihr Köpfchen nach der Sonne Güte.
Erst am spät’ren Nachmittage,
lässt sie ihren Kopf hängen zur Klage.
Ehe sie im Scheiding (September) ihren Kampf aufgibt,
und ihre Blütenpracht versiegt.
Um jene Blume rankt sich eine Sage,
die sich uneinheitlich übertrage.
Denn jeder Landstrich klingt mit and’rem Ton,
ähnlich, aber anders in der Definition.
Eine der schönsten will ich wagen,
euch hier schließlich vorzutragen.
Da gab es eine Prinzessin – so morgenschön,
sie zog die Blicke auf sich beim Vorübergeh’n.
Mit ihren herrlich blauen Augen,
konnte sie das Herz dir rauben.
Ihr Wesen so lieblich und rein,
konnte gar nicht schöner sein.
Sie war verlobt mit einem Prinzen ,
aus den benachbarten Provinzen.
Dieser war ein wahrer Edelmann,
der durch Heldenmut ihr Herz gewann.
Als Traumpaar galten sie bereits,
mit besten Wünschen allerseits.
Bis zum Frühsommer war es nicht mehr weit,
da soll sie sein – die Märchenhochzeit.
Doch kurz vor diesem Glück,
warf ein Unheil sie zurück.
Ein schlimmer Krieg brach im Osten aus,
und ihr Traumprinz zog hinaus.
Zu schützen das Volk und Land,
an der Spitze mit seinem Kettengewand.
Der Schmerz war groß, ihr Herz, es blutet,
ein Meer von Tränen ihr Gesicht nun flutet.
„Weh mir, Weh mir welch ein Leid,
hält das Schicksal mir bereit?
Was auch die Götter offenbarten,
ich werde täglich auf dich warten,
denn meine Liebe gehört nur dir,
meinem geliebten Rosenkavalier.“
„Halte aus du liebste mein,
auch mein Herz ist für immer dein.
Wenn die Sonne steigt, so blick’ gen Osten,
bald kannst du meine Wiederkehr verkosten.“
„Auf dich will ich warten in meinem Kleid,
stehe dann zur Hochzeit bereit.“
Nach einem Kuss ritt der Verwegene hinfort,
um einen Kampf zu führen an fernem Ort.
Die Prinzessin hielt zu ihm die Treue,
sie stand wartend jeden Tag aufs Neue,
auf dem Weg wo sie ihn ziehen ließ,
als es zum brennenden Abschied verhieß.
Jeden Morgen stand sie im weißen Brautkleid,
auf ein Ende hoffend von ihrem Leid.
Den Blick immer gen Osten und der Sonne folgend,
bittend mit Tränen im Auge glänzend.
Auch ihre Zofen standen bei ihr,
blau gekleidet als Zier.
Blau wie die Augen der Geliebten,
zur Unterstützung der Verliebten.
Sie warteten von morgens bis zum Nachmittage,
auf den Lippen immerzu dieselbe Frage.
„Wann kommt endlich der Prinz zurück,
wann ist vollendet das Liebesglück?“
Wochen und Monate zogen dahin,
aber ohne Erfolg letzthin.
Viele Sprachen „so gebe doch auf,
denke an deinen Lebensverlauf.“
Die Prinzessin aber hielt fest an der Treu,
und zog hinaus jeden Tag aufs Neu’.
Die Liebe würde es tragen,
nicht nur hoffen sondern auch wagen.
Eine sehr lange Zeit verging,
als dann ein Gott vorüber ging.
Der besah das Fräulein und hatte Mitleid,
wohl wissend von des Prinzen Zeit,
dessen Faden die Nornen durchtrennten,
und Tod beschieden für den Regenten.
Um das Leid zu enden und die Treu zu wahren,
tat er seltsame Gebaren.
Er verwandelte sie zu einer schönen Blume,
die an Wegesrändern reckt die Arme.
Den Kopf stets zur Sonne geneigt,
des Nachmittags in Trauer verzweigt.
Die Prinzessin sei die weiße Güte ,
ihre Zofen sein die blaue Blüte.
So ist ihre Treue geehrt,
mit der sie sich in Liebe verzehrt.
Drum Augen auf! – Viel hat Gewicht,
das faszinierende offenbart die Geschicht’.














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