
Die freie Marktwirtschaft (Klassische Ökonomie)
Die freie Marktwirtschaft gilt als das wirtschaftliche Idealmodell des klassischen Liberalismus. Der Staat greift dabei nicht unmittelbar in das Wirtschaftsgeschehen ein. Seine Aufgabe besteht vielmehr darin, die grundlegenden Rahmenbedingungen sicherzustellen. Dazu gehören insbesondere ein funktionierendes Rechtssystem, die Gewährleistung der inneren und äußeren Sicherheit sowie eine leistungsfähige Infrastruktur. Aufgrund dieser auf das Notwendigste beschränkten Aufgaben wird der Staat häufig als „Nachtwächterstaat“ bezeichnet.
Die Produktionsmittel befinden sich in privatem Eigentum. Die wirtschaftlichen Entscheidungen werden dezentral von den einzelnen Marktteilnehmern getroffen. Der Anreiz für wirtschaftliches Handeln liegt im Streben nach Gewinn und dem Aufbau beziehungsweise Erhalt von Privateigentum.

Bei einer freien Marktwirtschaft überwiegen die Nachteile gegenüber ihren Vorteilen. Ein möglicher Nachteil ist beispielsweise die häufige Entstehung von Monopolen. Erlangen einzelne Unternehmen eine marktbeherrschende Stellung, können sie den Wettbewerb einschränken und dadurch Preise maßgeblich beeinflussen.
Zudem garantiert eine freie Marktwirtschaft keine soziale Verantwortung. Jeder Marktteilnehmer verfolgt in erster Linie seine eigenen Interessen und seinen persönlichen wirtschaftlichen Erfolg. Individuelle Ziele stehen somit häufig über dem Gemeinwohl.
Das ausgeprägte Konkurrenzdenken und das Streben nach Gewinn führen zu einer Ellenbogengesellschaft, in der die Durchsetzung eigener Interessen im Vordergrund steht. Soziale Spannungen sind daher eine mögliche Folge.
Da staatliche Eingriffe in die Wirtschaft weitgehend ausgeschlossen sind, eröffnet dieses System zudem umfangreiche Handlungsspielräume für internationale Finanzakteure, große Banken und den globalen Freihandel. Multinationale Konzerne können dadurch eine wirtschaftliche Macht entwickeln, die in einzelnen Bereichen die Einflussmöglichkeiten einzelner Staaten übersteigt.
Neoliberalismus (Neoklassische Ökonomie)
Die klassische wirtschaftsliberale Auffassung wurde im Laufe der Zeit vielfach kritisiert. Insbesondere Erfahrungen mit Marktversagen führten zur Entwicklung neuer wirtschaftspolitischer Konzepte, die heute unter dem Sammelbegriff Neoliberalismus zusammengefasst werden.
Im deutschsprachigen Raum entstanden daraus insbesondere zwei einflussreiche Ansätze: die Soziale Marktwirtschaft, die maßgeblich von Alfred Müller-Armack entwickelt wurde, sowie der Ordoliberalismus von Walter Eucken. Beide Konzepte verfolgen das Ziel, die Vorteile der Marktwirtschaft mit einer staatlichen Ordnungspolitik zu verbinden.
Daneben entwickelten sich zwei stärker marktradikale Strömungen des Neoliberalismus. Im öffentlichen Sprachgebrauch wird der Begriff Neoliberalismus heute häufig mit diesen radikaleren Ansätzen verbunden.
Zu ihren bekanntesten Vertretern zählt Milton Friedman. Er sprach sich für eine weitgehende Rücknahme staatlicher Eingriffe sowie für eine umfassende Privatisierung öffentlicher Aufgaben aus. Dies bezog sich nicht nur auf die Wirtschaft, sondern auch auf Bereiche wie die Sozialversicherung sowie das staatliche Gesundheits- und Bildungswesen.
Ein weiterer bedeutender Vertreter dieser Richtung war der österreichische Ökonom Friedrich August von Hayek. Er erhielt 1974 den Nobelpreis für Wirtschaftswissenschaften. Seine Arbeiten zählen zu den wichtigsten theoretischen Grundlagen der Kritik an planwirtschaftlichen Systemen und bilden zugleich eine wesentliche Grundlage für das Verständnis freier Märkte.
Hayek vertrat die Auffassung, dass eine zentral gesteuerte Planwirtschaft zwangsläufig an den Grenzen ihres Wissens scheitere. Staatliche Planungsbehörden könnten niemals über sämtliche Informationen verfügen, die für wirtschaftliche Entscheidungen erforderlich seien. Individuelle Bedürfnisse, regionale Besonderheiten und sich ständig verändernde Marktbedingungen könnten zentral nicht vollständig erfasst werden.
Aus diesem Grund hielt Hayek einen freien Markt für überlegen. Die einzelnen Marktteilnehmer verfügten selbst über das notwendige Wissen hinsichtlich ihrer Ressourcen, ihres Kapitalbedarfs, ihrer Arbeitskraft und ihrer Nachfrage. Durch ihr individuelles Handeln entstehe eine effizientere Koordination wirtschaftlicher Prozesse als durch staatliche Planung.
Diese Überlegungen übertrug Hayek auch auf die politische Ebene. Nach seiner Auffassung führe eine zentral gelenkte Wirtschaft zwangsläufig zu einer stärkeren Kontrolle des gesellschaftlichen Lebens. Eine Planwirtschaft berge deshalb die Gefahr, in autoritäre Staatsformen überzugehen und die Freiheitsrechte der Bürger einzuschränken.
Vor diesem Hintergrund sprach sich Hayek für einen Minimalstaat aus. Die Aufgaben des Staates sollten sich im Wesentlichen auf die Sicherung der Rechtsordnung beschränken. Gesetze, die seiner Ansicht nach die individuelle Freiheit übermäßig einschränkten, betrachtete er kritisch.
Der dritte und letzte Teil des Artikels folgt am Samstag, dem 01. August.





















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