Am Donnerstag, 22. Oktober 2026, führte der Stützpunkt Bodensee eine Schulung zum Thema «Volk» durch. Im Rahmen eines Referats wurde die Thematik umfassend beleuchtet und vertieft behandelt. Im Anschluss daran wurden die Fragen der Teilnehmenden aufgegriffen und beantwortet. Die anschliessende Diskussion bot Gelegenheit, die behandelten Inhalte weiter zu vertiefen und offene Fragen im gemeinsamen Austausch zu klären.
Da das Volk im Zentrum unserer nationalrevolutionären Weltanschauung steht, widmete sich die Schulung einer vertieften Auseinandersetzung mit dem Begriff des Volkes und seiner Bedeutung. Dabei werden auch die unterschiedlichen gesellschaftlichen Bezugspunkte anderer Weltanschauungen betrachtet: Während der Kommunismus die Klasse und der Liberalismus das Individuum in den Mittelpunkt stellt, kommt dem Volk in unserer Weltanschauung eine zentrale Bedeutung zu.
Was versteht man unter einem Volk?
Die verschiedenen politischen Weltanschauungen beantworten diese Frage unterschiedlich.
1) Der Volksbegriff im Liberalismus
Der Liberalismus definiert das Volk überwiegend staatsrechtlich. Volk ist in diesem Verständnis das Staatsvolk, also die Gesamtheit der Bürger innerhalb eines bestimmten staatlichen Territoriums.
Der Liberalismus geht dabei vom einzelnen Menschen aus. In dieser Sichtweise besteht ein Volk im Wesentlichen aus einer Vielzahl voneinander unabhängiger Individuen, die innerhalb eines gemeinsamen Staatsgebietes leben. Entscheidend ist weniger ihre Herkunft oder ihre geschichtliche Verbundenheit als vielmehr ihr rechtlicher Status als Bürger. Aufgabe des Staates ist es vor allem, einen Rahmen zu schaffen, innerhalb dessen Leben, Freiheit, Würde und Eigentum des Einzelnen geschützt werden.
Zum besseren Verständnis ein Gleichnis: Der Liberalist betrachtet das Volk sinnbildlich als eine Ansammlung einzelner, voneinander unabhängiger und zusammenhangloser Steine. Woher diese Steine stammen, aus welcher Region der Welt sie kommen oder welche gemeinsame Geschichte sie verbindet, spielt dabei keine entscheidende Rolle. Sie werden zu einem losen Steinhaufen zusammengetragen, ohne dass zwischen ihnen notwendigerweise eine tiefere Verbindung besteht.
Auf diesem Haufen bleibt jeder Stein im Wesentlichen für sich und versucht, den für ihn günstigsten Platz einzunehmen. Die Aufgabe des Minimalstaates besteht lediglich darin, darüber zu wachen, dass kein Stein die Freiheit, die Würde, das Leben oder das Eigentum eines anderen beeinträchtigt.
Der Zusammenhalt entsteht nach Auffassung des Liberalisten nicht aus einer gemeinsamen Herkunft, Geschichte oder Identität, sondern vor allem aus Regeln, die das friedliche Nebeneinander der einzelnen Steine gewährleisten sollen.
2) Klasse und Volk im Marxismus
Der Marxismus betrachtet gesellschaftliche Verhältnisse in erster Linie unter dem Gesichtspunkt sozialer Klassen und ökonomischer Interessen. Das Volk erscheint dadurch vor allem als Gesamtheit unterschiedlicher Klassen und gesellschaftlicher Schichten.
Entscheidend für die gesellschaftliche Stellung eines Menschen ist demnach vor allem seine Position innerhalb der Produktionsverhältnisse, also insbesondere die Frage, ob er über Produktionsmittel verfügt oder seine Arbeitskraft verkaufen muss. Gesellschaften erscheinen deshalb nicht primär als kulturell oder politisch geschlossene Gemeinschaften, sondern als durch unterschiedliche Klassenlagen, materielle Interessen und daraus entstehende Konflikte strukturierte Gebilde.
Im Kapitalismus bildet nach klassisch marxistischer Auffassung der Gegensatz zwischen Bourgeoisie und Proletariat den grundlegenden gesellschaftlichen Konflikt. Die Bourgeoisie besitzt die wesentlichen Produktionsmittel und erzielt Einkommen aus Kapital und Eigentum, während das Proletariat auf den Verkauf seiner Arbeitskraft angewiesen ist. Daneben existieren weitere soziale Gruppen und Zwischenschichten, etwa Kleinbürger, Bauern, Handwerker oder Teile der selbstständigen Mittelschichten, deren Interessen sich nicht immer eindeutig einer der beiden Hauptklassen zuordnen lassen.
Der Begriff des „Volkes“ besitzt innerhalb dieser Sichtweise daher nur eine begrenzte analytische Bedeutung. Was im politischen oder nationalen Sprachgebrauch als ein einheitliches Volk erscheint, besteht aus marxistischer Perspektive tatsächlich aus gesellschaftlichen Gruppen mit teilweise gegensätzlichen materiellen Interessen. Ein Unternehmer und ein Industriearbeiter können beispielsweise derselben Nation angehören, dieselbe Sprache sprechen und sich derselben kulturellen Tradition verbunden fühlen; ihre Stellung innerhalb des Wirtschaftsprozesses und ihre ökonomischen Interessen unterscheiden sich jedoch grundlegend. Die gemeinsame nationale Zugehörigkeit hebt den bestehenden Klassengegensatz aus marxistischer Sicht nicht auf.
Daraus ergibt sich auch eine gewisse Skepsis gegenüber Vorstellungen, die das Volk oder die Nation als grundsätzlich harmonische Gemeinschaft darstellen. Marxistische Theoretiker betonen, dass nationale Gemeinsamkeiten soziale Konflikte überdecken können. Politische Vorstellungen von einer einheitlichen nationalen Interessengemeinschaft können aus dieser Perspektive den Eindruck vermitteln, Arbeitnehmer, Unternehmer und Eigentümer hätten letztlich dieselben gesellschaftlichen Interessen, obwohl sie innerhalb der Produktionsordnung unterschiedliche Positionen einnehmen.
Der Marxismus ersetzt den Begriff des Volkes daher nicht vollständig, ordnet ihn jedoch dem Klassenbegriff unter. Für die Erklärung gesellschaftlicher und politischer Entwicklungen gilt die Zugehörigkeit zu einer sozialen Klasse grundsätzlich als bedeutender als eine abstrakte Zugehörigkeit zum Volk. Entsprechend richtet sich die zentrale marxistische Solidaritätsvorstellung nicht in erster Linie auf die nationale Gemeinschaft, sondern auf Menschen mit vergleichbarer Klassenlage. Besonders deutlich wird dies im marxistischen Internationalismus: Arbeiter verschiedener Nationen sollen sich aufgrund ihrer gemeinsamen Stellung innerhalb des kapitalistischen Produktionssystems stärker miteinander verbunden sehen als mit Angehörigen der besitzenden Klassen ihres eigenen Landes.
Dabei bedeutet dies allerdings nicht, dass Marx und spätere Marxisten nationale, kulturelle oder politische Identitäten grundsätzlich für bedeutungslos hielten. Nationale Bewegungen konnten etwa dann unterstützt werden, wenn sie aus marxistischer Sicht fortschrittliche gesellschaftliche Veränderungen ermöglichten oder bestehende feudale beziehungsweise imperiale Herrschaftsstrukturen aufbrachen. Dennoch bleibt die Klassenstruktur das grundlegende Erklärungsmuster. Das „Volk“ erscheint somit weniger als einheitliches politisches Subjekt denn als eine Gesellschaft, die intern in Klassen und Schichten mit unterschiedlichen ökonomischen Interessen gegliedert ist.
Wichtig ist dabei die letzte Nuance: Marxismus bedeutet nicht einfach „Volk gibt es nicht“, sondern vielmehr, dass die Kategorie Klasse für die Erklärung gesellschaftlicher Konflikte grundsätzlich wichtiger ist als die Vorstellung eines homogenen Volkes.
3) Nationalrevolutionäres Volksverständnis
Unser Verständnis setzt an einem anderen Punkt an und unterscheidet sich grundsätzlichen von liberalen und marxistischen Ansätzen. Wir betrachten ein Volk nicht als zufällige Ansammlung voneinander getrennter Individuen, sondern als organisch gewachsene Gemeinschaft. Bildlich gesprochen ähnelt es einem lebenden Körper: Dieser besteht aus verschiedenen Organen, die unterschiedliche Aufgaben erfüllen und dennoch erst in ihrem Zusammenwirken ein funktionierendes Ganzes bilden. Kein Körperteil kann sinnvoll unabhängig vom gesamten Organismus betrachtet werden. Arm, Bein, Auge oder Ohr unterscheiden sich in ihrer Funktion, ohne dass daraus zwangsläufig eine Rangordnung entstehen müsste.
In diesem Sinne sprechen wir vom Volkskörper. Der Einzelne besitzt seine eigene Persönlichkeit und seinen eigenen Wert, steht jedoch zugleich innerhalb eines größeren geschichtlichen und biologischen Zusammenhangs.
Wir verstehen ein Volk in erster Linie als historisch entstandene Abstammungs- und Fortpflanzungsgemeinschaft beziehungsweise als menschliche Population. Kulturelle Erscheinungen wie Sprache, Tradition, Sitte und gesellschaftliche Verhaltensweisen werden dabei nicht losgelöst von den Menschen betrachtet, die sie hervorbringen und über Generationen weitergeben.
Aus unserer Perspektive besitzt Kultur keine unabhängig vom Menschen existierende Wirklichkeit. Sie entsteht durch konkrete Gemeinschaften und entwickelt sich mit ihnen. Deshalb genügt es nach unserer Auffassung nicht, Völker ausschließlich über kulturelle oder staatsrechtliche Kriterien zu erklären.
Unser politisches Denken versucht daher, gesellschaftliche Ordnung an Erkenntnissen aus Biologie, Evolutionsforschung, Genetik und Verhaltenswissenschaft auszurichten.
Der zweite Teil folgt am Freitag, 30.10.2026.


















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