
Ja, die „Jungle World“ geht mit der deutschen Antifa hart ins Gericht. Die Antifa vernachlässigt demnach ihr „Kerngeschäft“ und läßt sich in die „vielen sich bietenden Problemfelder“, zum Beispiel die Solidarität mit den Kurden, hineinziehen. Gruppen wie die „Interventionistische Linke“ (IL) und das kommunistische Bündnis „Ums Ganze“ kümmern sich um die griechische Schuldenkrise. Doch „alle diese Gruppen haben ihre Wurzeln im organisierten Antifaschismus“. Das heißt: sie haben die Pflicht, sich dezidiert antifaschistisch zu betätigen und nicht bloß gegen den Kapitalismus. „Der Kampf gegen Nazis ist immer mehr ins Hintertreffen geraten“, mahnt Jan Tölva streng.
Der Grund dafür liegt im „Aufstand der Anständigen“, den Gerhard Schröder im Sommer 2000 ausgerufen hatte. Seitdem finden sich autonome Antifaschisten auf Demos zwischen braven Grünen-Wählern und Leuten wie Wolfgang Thierse wieder, und das machte ihnen „verständlicherweise“ keinen Spaß. Die „feindliche Übernahme der Antifa“ durch andere Anliegen fand ihren Höhepunkt 2014, als mit der Antifaschistischen Linken Berlin (ALB) und der Antifaschistischen Revolutionären Linken Berlin (ARAB) gleich zwei prominente Gruppen zu anderen Organisationen übergingen, die den Begriff „Antifa“ nicht mehr im Namen tragen.
Auch als mit Pegida eine ganz neue Herausforderung erschien, kam die verlotterte Antifa nicht aus den Hufen und wirkte „angesichts der schieren Massen, die dort gegen alles Fremde auf die Straße gingen“, ähnlich „rat- und hilflos wie die sogenannte Zivilgesellschaft“. In Freital schließlich schaffte es die Antifa gerade mal 600 Leute zu mobiliseren – eine „nahezu lächerliche Zahl“, wie die „Jungle World“ findet. „Es bringt schlicht gar nichts, wenn man über Antifa als Klassenkampf schwadroniert, während zwei Orte weiter Neonazis den von ihnen proklamierten Rassenkampf in sehr handfester Weise in die Tat umsetzen.“ Wenn also bei der nächsten Demo wieder mehr „Nazis raus“-Rufe ertönen, so hat die Pflicht bei unseren Gegnern noch einmal gesiegt.













