NS-Dokumentationszentrum München vielfach widerlegt

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Bildquelle: https://www.lovelybooks.de/autor/Konrad-L%C3%B6w/M%C3%BCnchen-war-anders-1243961030-w/

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Am 30. April 2015 eröffnete in München das „Dokumentationszentrum“ zur „Hauptstadt der Bewegung“. Auf vier Stockwerken sind in der Brienner Straße, wo früher das „Braune Haus“ stand, Anklagen gegen die Stadt München versammelt, weil angeblich „keine andere Stadt stärker in den Nationalsozialismus verstrickt“ gewesen sei als die bayerische Hauptstadt. Programmatisch beginnt die Ausstellung mit einem Blatt aus der Zeitschrift „Simplicissimus“ der 20er Jahre, wo ein karikaturhaft dargestellter dicker und dummer Bayer im Wirtshaus zu bewundern ist, der statt der Augen zwei Hakenkreuze im Gesicht trägt. In diesem Sinne geht es dann weiter mit Dokumenten, die allesamt belegen sollen: Der Münchner ist quasi von Natur aus Nazi, und das bis heute.

Gegen diese Darstellungsweise sind jetzt zwei Historiker und überzeugte Münchner aufgetreten. In dem Buch „München war anders!“ kritisieren sie die Ausstellung und halten mit anderen Dokumenten dagegen. Sie zeugen davon, daß sich gerade im katholischen und bürgerlichen München eine hartnäckige Stimmung gegen den Nationalsozialismus gehalten hat. So erklären zahlreiche Juden, daß sie sich in der Stadt besonders wohl und akzeptiert fühlten. Auch seien die Wahlergebnisse für die NSDAP hier keineswegs besonders gut gewesen, in anderen Gegenden Deutschlands – etwa in Niedersachsen – war die nationalsozialistische Bewegung in der Bevölkerung viel tiefer und stärker verankert, während München immer kirchlich orientiert blieb. Was die CSU nach dem Krieg wieder aufgreifen konnte.

War München wirklich „anders“? Ist der Ehrentitel eher irreführend? Wer noch zweifelt, sollte im Tagebuch von Joseph Goebbels nachlesen. Noch 1943 schreibt er: „die Stadt (München) muß noch sehr viel lernen und noch sehr viel an Leistung vollbringen,wenn sie sich ihren Ehrentitel einer Stadt der Bewegung (schon gar nicht mehr:"Hauptstadt der Bewegung"!) wirklich verdienen will“. Für Goebbels ist München eher reaktionär und klerikal geblieben.

Ist die Ausstellung mit solchen (verschwiegenen) Dokumenten auch glänzend widerlegt, so fragt sich nun: Wieso finden die Anfänge des NS ausgerechnet in München statt? Liegt es einfach daran, daß Adolf Hitler dort wohnte und infolgedessen auch seine Aktivitäten in dieser Stadt begann? Oder ist es eine gewisse Offenheit der Münchner für das Prophetische, was mit der Kunstbegeisterung im Süden zusammenhängt?

Das sogenannte „Dokumentationszentrum“ jedenfalls ist mit Vorsicht zu genießen, und man sollte vor einem Besuch die kritische Schrift einstecken: Konrad Löw, Felix Dirsch: München war anders! Das NS-Dokumentationszentrum und die dort ausgestellten Dokumente. Lau-Verlag, Reinbek 2016, broschiert, 192 Seiten, 16,90 Euro