Terrorattacken im Iran: Die verdeckte amerikanisch-israelische Kriegsführung

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Weitgehend unbemerkt von der Weltöffentlichkeit, die ganz im Banne von Corona und „Black-Lives-Matter“-Spektakel steht, kam es innerhalb der vergangenen zwei Wochen zu mehreren rätselhaften Explosionen und Bränden im Iran. Betroffen waren unter anderem eine Atomanlage, ein Stromkraftwerk sowie ein Hospital.

Explosionen und Brände

In den frühen Morgenstunden des 26. Juni kam es zu einer heftigen Explosion östlich von Teheran. In einem offiziellen Statement des iranischen Verteidigungsministeriums wurde von einer kleineren Gasexplosion auf dem Militärstützpunkt bei Parchin gesprochen. Bei einem Unfall sei es zur Detonation eines Gaslagers gekommen. Das dadurch entstandene Feuer sei rasch unter Kontrolle gewesen. Satellitenaufnahmen legen jedoch nahe, dass sich die Explosion auf dem Militärkomplex Khojir ereignete und weitaus größeren Ausmaßes war, als von der iranischen Führung offiziell verlautbart wurde. In Khojir befindet sich eine Raketenproduktionsstätte, die von der „Shahid Hemmat Industrial Group (SHIG)” betrieben wird. Die SHIG produziert ballistische Raketen und Drohnen für das iranische Militär. Die Wucht der Explosion war bis in die iranische Hauptstadt zu spüren, ein gewaltiger Feuerball erleuchtete den Nachthimmel.

Gleichentags kam es 800 Kilometer südlich von Teheran zu einem Blackout eines Kraftwerks in Shiraz, ebenfalls in den frühen Morgenstunden. Nähere Details zu diesem Vorfall wurden nicht öffentlich gemacht. Am 30. Juni ereigneten sich mehrere Explosionen im „Sina-Athar-Hospital“ im Norden Teherans, bei denen 19 Menschen ums Leben kamen. Laut offiziellen Verlautbarungen kam es in dem Spital zu einer verheerenden Explosion mehrerer Sauerstofftanks.

In der Atomanlage Natanz kam es am 2. Juli ebenfalls zu einer Detonation, in deren Folge ein gewaltiges Feuer ausbrach. Laut Angaben der iranischen Regierung habe der Brand erhebliche Schäden verursacht und dabei das iranische Atomprogramm um Monate zurückgeworfen. Nur zwei Tage später geriet in der Provinz Chuzestan im Südwesten des Iran ein Kraftwerk in Brand.

Zum vorerst letzten Vorfall in der Reihe mysteriöser Zwischenfälle kam es in der Nacht von Donnerstag auf Freitag. Am 10. Juli kam es laut Angaben iranischer Medien zu einer heftigen Explosion im Westen Teherans. In mehreren Vierteln der iranischen Hauptstadt kam es in der Folge zu Stromausfällen.

Israelischer Schattenkrieg

Die auffällige Häufung der Vorfälle lässt vermuten, dass es sich hierbei um keine Zufälle handelt. Ein namentlich nicht genannter Geheimdienstmitarbeiter aus dem Nahen Osten erklärte in der „New York Times“, dass Israel eine Bombe in der Atomanlage Natanz gezündet habe, wodurch der Brand ausgelöst worden sei. Die Annahme, dass die Ereignisse Teil einer verdeckten Kriegsführung Israels im Iran sind, ist naheliegend. Offizielle iranische Quellen hielten sich mit Schuldzuweisungen zurück und verwiesen überwiegend auf technische Ursachen der Unglücksfälle. Innen- und außenpolitische Experten ziehen die offiziellen Verlautbarungen jedoch in Zweifel und verdächtigen Israel, Urheber der Vorkommnisse zu sein. ­

Passend dazu äußerte sich der israelische Außenminister Gabi Aschkenasi: „Wir ergreifen Maßnahmen, über die man besser nicht sprechen sollte!“. Benny Gantz, Verteidigungsminister Israels, stellte dagegen eine Verwicklung in die jüngsten Ereignisse in Abrede: Nicht hinter jedem rätselhaften Vorgang im Iran stecke notwendigerweise Israel.

Israelische Verdächtigungen gegen die Islamische Republik

Fakt ist, dass Israel den Iran bzw. dessen nukleares Potenzial ganz oben auf der Tagesordnung hat. Insbesondere der israelische Regierungschef Benjamin Netanjahu scheint vom Iran und den vermeintlich von diesem ausgehende Gefahren geradezu besessen zu sein. Bereits seit 1999 behauptet der israelische Premier, die Fertigstellung einer iranischen Atombombe stehe unmittelbar bevor.

Der bekannte israelische Militärhistoriker Martin van Crefeld äußerte dagegen in einem Interview: „Ich habe auch noch keinen erwähnenswerten Iran-Experten getroffen, der davon ausgeht, dass der Iran einen Atomkrieg gegen Israel plant. Die Gefahr einer iranischen Atombombe wird permanent übertrieben.“

Zionistische Scheinheiligkeit und Doppelmoral

Die iranische Führung hat wiederholt betont, dass deren Nuklearprogramm rein zivilen und friedlichen Zwecken dient. Ohnehin ist es mehr als fragwürdig, dass ausgerechnet Israel vor einem vermeintlichen atomaren Bedrohungspotenzial warnt und den Iran vor der internationalen Öffentlichkeit anklagt. Es gilt als offenes Geheimnis, dass Israel selbst über Atomwaffen verfügt. Das israelische Atomprogramm startete mit französischer Unterstützung in den fünfziger Jahren. Spätestens seit 1967 besitzt Israel Atomwaffen, von denen ein Teil 1975 Südafrika zum Kauf angeboten wurde. Schätzungen gehen von bis zu 400 Atomsprengköpfen aus, die sich in israelischem Besitz befinden.

Asymmetrische Kriegsführung

Der politische Analyst Shayan Arkian, Chefredakteur der Online-Plattform „IranAnders“, erklärte im vergangenen Jahr, dass weder Israel noch die Vereinigten Staaten das Potenzial hätten, die Iranische Republik mit konventionellen Methoden anzugreifen.

Dies könnte der Grund dafür sein, dass Israel mit Billigung oder Unterstützung der USA versucht, die iranische Führung mit Methoden der sogenannten asymmetrischen Kriegsführung zu Fall zu bringen: Hierzu gehören die Aufkündigung internationaler und bilateraler Verträge, die Verhängung von Sanktionen, die gezielte Tötung militärischen und politischen Führungspersonals, Sabotage sowie die Unterstützung oppositioneller Terrorgruppen.

Gezielte Tötungen iranischer Führungskräfte

Bereits in der Vergangenheit kam es wiederholt zu Angriffen, die im Zusammenhang mit dem iranischen Rüstungs- und Atomprogramm stehen. Zwischen 2010 und 2011 wurde eine ganze Reihe führender iranischer Wissenschaftler exekutiert, die für das nationale Atomprogramm des Iran arbeiteten: Im Januar 2010 wurde der iranische Atomphysiker Massud Ali-Mohammadi bei einem Bombenanschlag in Teheran getötet, für welches die iranische Führung Israel und die USA verantwortlich macht. Im November desselben Jahres starb der Atomwissenschaftler Majid Shahriari in der iranischen Hauptstadt bei einem Autobombenattentat. Zeitgleich wurde der Atomphysiker Fereidun Abbassi bei einem Anschlag in Teheran schwer verletzt. Der Physiker Dariush Rezaie wurde schließlich bei einer Attacke im Juli 2011 getötet.

Auch Attacken auf Angehörige des Militärs und Zivilpersonen, die im Nuklearbereich tätig sind, ereigneten sich bereits in der Vergangenheit: Bei einer verheerenden Detonation auf dem Militärstützpunkt Bidganeh bei Malard kam im November 2011 der General Hassan Moghaddam ums Leben, der als „Vater des iranischen Raketenprogramms“ galt. Moghaddam war für die Entwicklung ballistischer Raketen verantwortlich. Im Januar 2012 wurde der Leiter der Atomanlage in Natanz, Mostafa Roshan, bei einem Bombenattentat liquidiert.

Cyberangriffe auf iranische Atomanlagen

Neben den zahlreichen Mordanschlägen kam es wiederholt zu Cyberattacken auf iranische Atomanlagen. Im Jahr 2010 gelang es Hackern, von den Iranern zunächst unbemerkt, einen Virus mit dem Namen „Stuxnet“ in die iranischen Anlagen zur Urananreicherung einzuschleusen. In der Folge kam es zu schwerwiegenden Störungen in der Atomanlage in Natanz sowie im Kernkraftwerk Buschehr. Im Zuge der Enthüllungen des amerikanischen Whistleblowers Edward Snowden wurde aufgedeckt, dass es sich bei „Stuxnet“ um ein gemeinsames Projekt der NSA und des israelischen Geheimdienstes handelte. Der Virus infiltrierte die computergesteuerten Prozessleitsysteme und führte zur Zerstörung einer Vielzahl von Zentrifugen zur Urananreicherung.

Atomabkommen steht vor dem endgültigen Aus

Hintergrund der jüngsten Eskalation dürfte der seit langem schwelende Streit um das internationale Atomabkommen aus dem Jahr 2015 sein. Das Abkommen wurde während der US-Präsidentschaft von Barack Obama zwischen dem Iran und den fünf Vetomächten des UN-Sicherheitsrats (USA, Russland, China, Großbritannien, Frankreich) sowie Deutschland abgeschlossen. Die Vertragsstaaten einigten sich in dem Abkommen auf eine schrittweise Aufhebung der damaligen Sanktionen gegen den Iran, welcher sich im Gegenzug dazu verpflichtete, sein Atomprogramm einzuschränken und die Atomtechnologie ausschließlich für zivile Zwecke zu nutzen.

Die Vereinigten Staaten kündigten im Mai 2018 einseitig das Abkommen und verhängten umfangreiche Sanktionen gegen Teheran. Die offizielle Begründung der Trump-Administration lautete, dass der Iran sich nicht an die Vereinbarungen halten würde. Die von Präsident Trump hierzu vorgelegten „Beweise“ sind international stark umstritten.

Nun drohen zwei Fristen zu verstreichen, die im Ergebnis das endgültige Aus für das Atomabkommen bedeuten könnten. Am 3. Juli löste die iranische Führung offiziell den sogenannten Streitbelegungsmechanismus des Abkommens aus. Teheran beschuldigt den Westen, seinen aus dem Atomabkommen resultierenden Verpflichtungen nicht nachzukommen. Diese Streitfrage muss nun gemäß diesem Mechanismus innerhalb einer Frist von 30 Tagen gelöst werden. Sollte das nicht gelingen, sieht das Atomabkommen vor, dass der Kläger, im konkreten Fall der Iran, berechtigt ist, seinen Verpflichtungen ebenfalls nicht mehr nachzukommen.

Im Oktober laufen gemäß Abkommen internationale Sanktionen aus, die Waffenkäufe des Iran verbieten. Trotz der einseitigen Aufkündigung des Abkommens durch die Vereinigten Staaten wollen diese das Auslaufen des Waffenembargos um jeden Preis verhindern. Hierzu versucht die Trump-Administration den Sicherheitsrat der Vereinten Nationen in Stellung zu bringen, der ein zeitlich unbegrenztes Waffenembargo gegen den Iran beschließen soll. Es gilt jedoch als unwahrscheinlich, dass dieses Vorhaben gelingen wird, da Russland und China als Vetomächte nicht bereit sind, ein solches Embargo zu verhängen.

Ein neuer Krieg am Golf droht

Sollte das Atomabkommen endgültig scheitern, gilt ein offener Krieg am Golf als sehr wahrscheinlich. Die rätselhaften Ereignisse der vergangenen Tage im Iran könnten bereits die ersten Vorboten einer kriegerischen Auseinandersetzung sein.

Leichtes Spiel dürften die USA im Verein mit Israel bei einem kriegerischen Schlagabtausch mit dem Iran allerdings nicht haben. Im Unterschied zu anderen Opfern amerikanischer und israelischer Aggression ist die Islamische Republik durchaus in der Lage, sich zur Wehr zu setzen. Durch sein in den vergangenen Jahren stark ausgebautes Raketenprogramm und ein Netzwerk verbündeter Milizen im Nahen und Mittleren Osten könnte Teheran im Falle eines Angriffs deutlich empfindlicher zurückschlagen als noch vor ein paar Jahren. Auch iranische Cyberangriffe sind nicht mehr undenkbar: Im April dieses Jahres kam es zu einem Angriff auf ein israelisches Wasserkraftwerk, für den der Iran verantwortlich sein soll.

Sollten die verdeckten Militäroperationen gegen den Iran nicht aufhören, wird eine iranische Antwort nicht lange auf sich warten lassen. Teheran wird diese Attacken nicht dauerhaft hinnehmen, sondern könnte schnell die Geduld verlieren. Bereits Anfang 2020 standen die Vereinigten Staaten und die Islamische Republik kurz vor einer totalen Eskalation, nachdem der iranische General Qassem Soleimani von einer US-Drohne im Irak getötet worden war. Als Vergeltung für die Tötung von Soleimani griff das iranische Militär mehrere US-Stützpunkte im Irak mit ballistischen Raketen an.