Hof a. d. Saale: Textilfabrik Hoftex schließt Werk

Ein weiterer schwerer Schlag für die seit dem Spätmittelalter produzierende Textilstadt Hof steht wohl im vierten Quartal 2014 ins Haus: Die Hoftex Group AG schließt noch in diesem Jahr den Produktionsstandort Moschendorf und bis zu 250 Arbeitsplätze stehen damit auf der Kippe. Laut Aussage des Unternehmens fährt das Werk in Hof-Moschendorf seit mehr als fünf Jahren nur noch Verluste ein, die angeblich nicht mehr konzernintern auszugleichen sind. Damit sei die Schließung der Produktionsstätte fest beschlossen und die Textilindustrie der Region ist um einen weiteren Standort samt Arbeitsplätzen ärmer. Das Unternehmen besitzt aber neben einigen deutschen Standorten auch noch welche in Liberec (Tschechische Republik), Targu Mures (Rumänien), Lincolnton, North Carolina (USA) und Mumbai (Indien).

Zu Recht reagierten die Hoftex-Arbeiter daher mit Wut und Ratlosigkeit auf das Aus, denn Perspektiven sehen die altgedienten Textiler kaum mehr für sich. Nur ein geringer Teil soll konzernintern im sächsischen Reichenbach untergebracht werden. Doch dies ist für viele kein wirklicher Trost. Natürlich ist eine Umsiedlung in ein anderes Werk besser, als der Weg zum Arbeitsamt, doch auch diese angebliche Lösung bringt für die Betroffenen enorme finanzielle Einbußen mit sich. Schnell kommen so auch über 100 Kilometer Arbeitsweg pro Tag für die Neupendler zusammen und aufgrund der hohen Benzinpreise sind Hunderte von Euro Mehrausgaben pro Monat schnell erreicht.

Viele Werktätige hatten auch auf einen Lösungsvorschlag der IG-Metall gehofft, wurden aber bitter enttäuscht. So zeigten sich die angeblichen Arbeitervertreter einmal mehr nur als Hilflos-Organisation, die nur den Mitgliedsbeitrag für die volksfeindliche Gewerkschaft am Ende eines Monats aus den Lohntüten der Arbeiter saugt. Volker Seidel, erster offensichtlich immer noch gutgelaunter Bevollmächtigter der IG-Metall-Ostoberfranken, hält es nicht für außergewöhnlich, dass Arbeiter vom Westen in den Osten pendeln. Denn Sachsen oder Thüringen sind nur andere Bundesländer und nicht die Ukraine, so die freche Meinung des Gewerkschaftsapparatschik. Eine klare Aussage, die wie ein Faustschlag ins Gesicht eines jeden Arbeiters daherkommt und wieder einmal klar die kapitalistische Systemhörigkeit dieser Arbeiterverräter dokumentiert.

Leider ist es heute bitterer Alltag in der BRD, dass Menschen auseinander gerissen werden und sich die ganze Woche über nicht mehr sehen, weil Mann oder Frau Hunderte von Kilometer vom Heimatort entfernt arbeiten müssen, um sich und ihre Familie zu ernähren. Die Deutschen hierzulande werden nur noch als Produktionsfaktor gesehen, den man beliebig von einem Standort zum nächsten schieben kann. Die alten Werte von Familie und Heimat werden in diesem kapitalistischen Arbeitsmarktumfeld zusehends mit Füssen getreten.

Martina Seebach, operative Geschäftsführerin der Arbeitsagentur Hof-Bayreuth, trifft hingegen den Nagel auf den Kopf, wenn sie behauptet, dass es für die Angestellten in der Region nicht leicht werden wird, arbeitstechnisch wieder Fuß zu fassen. Die Textilbetriebe in Oberfranken verschwinden mehr und mehr von der Bildfläche und nach jeder Schließung oder Entlassung taucht aufgesetzt das große Entsetzen Seitens der politischen Klasse auf, die dann salbungsvolle Worte findet, um ihre Unfähigkeit zu vertuschen, den deutschen Arbeitsmarkt vor Billigproduktionen zu schützen.

Qualität „Made in Germany“ interessiert im Raubtierkapitalismus heute kaum einen mehr. Wichtig ist nur noch der niedrige Preis, der durch Lohndumping, minderwertige Verarbeitung, verbrecherische Arbeitsbedingungen an Mensch und Natur und die Verlagerung der Produktionsstätten in andere Länder erzielt wird. Das Produkt und der wertschaffende Prozeß der Arbeit werden so gezielt entehrt. Die teils in verbrecherischen Verhältnissen arbeitenden Menschen sind meist Sklaven der ausländischen Textil-Industrie, die unter menschenunwürdigen Umständen die Niedrigpreise erwirtschaften müssen. Nationalisten hierzulande fordern deshalb zum Schutz der eigenen Wirtschaft entsprechende Zölle einzuführen, die unsere Heimat vor zum Teil sogar krankmachenden Billigimporten aus den Dumpinglohnländern bewahrt. Zudem fordern sie die Rückkehr zu einem Qualitätsbewußtsein und die deutliche Absage an eine kapitalistische Wegwerfgesellschaft, die nicht nur die arbeitenden Menschen hier und im Ausland entseelt behandelt, sondern auch die geschaffenen Waren an sich entwertet.

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