
Noch oder schon wieder: Einerseits ist die deutsche Tracht weitgehend zurückgedrängt, so daß der Prachtband der Konservierung einer aussterbenden Art dient. Zugleich aber „liegt das Thema Tracht heute in der Luft“, wie der Fotograf sagt. „Es ist im Grunde das Manufactum-Ding. Offenbar gibt es den Wunsch nach Wertigem, Überlieferten – die Glühlampe, alte Arbeiterhemden, und was sonst noch alles ausgegraben wird seit ein paar Jahren.“ „Manufactum“ heißt die Firma, die „die guten Dinge“ für gutes Geld wieder in den Handel bringt. Auch der Trachten-Band kostet an die 100 Euro. Es ist die akademische Mittelschicht – das „Bionade-Bürgertum“ – das ausgerechnet im Bereich „Lifestyle“ deutsche Kulturwerte wiederentdeckt.
Ganz anders als die schnelllebige Mode folgt die Tracht bis hin zur Ösenform und Sitz des Häubchens festen Regeln. Und deren Einhaltung ist mühevoll und zeitaufwendig. Nur noch wenige beherrschen diese Kunst, doch Gregor Hohenberg ist über die Dörfer zwischen Friesland und Schwarzwald gefahren und hat sie gefunden: die „Gesichter der Region“. Das hat nichts zu tun mit dem Dirndl-Kitsch der Fernsehunterhaltung, sondern wirkt eher herb und spröde. Es fällt einem der Fotograf Erich Retzlaff ein oder Erna Lindvai-Dircksen ein, die vor 1945 mehrere Bildbände zum Thema „Das deutsche Volksgesicht“ herausbrachte. Dircksen porträtiert deutsche Menschen aus unterschiedlichen Landschaften, aber wer eine Galerie von Schönheit und Liebreiz erwartet, wird enttäuscht. Das Echte und Wahre sieht nicht aus wie im „Förster vom Silberwald“ oder im „Musikantenstadl“.













