
Während sich der nationale Protest auf die „Wehrmachtsausstellung“ konzentrierte, erweist sich im Rückblick das ganze Institut, das sich bewußt in die Tradition von Adornos Frankfurter Einrichtung gleichen Namens stellt, als eine Art Jesuitenorden bundesrepublikanischer Staatsgesinnung. Sechzig (!) Mitarbeiter machen sich dort zur Zeit Gedanken, was man als unmenschlich, rassistisch oder sonst wie gefährlich anprangern könnte. Zum Gründungsbeirat gehörten 1984 die Psychoanalytikern Margarete Mitscherlich („Die Unfähigkeit zu trauern“), der Soziologe Ernest Mandel und die Feministin Alice Schwarzer.
Inzwischen sind die Zeiten für „Aufklärung und Emanzipation“ allerdings immer schlechter geworden. Vielleicht ist das auch ein Grund dafür, daß Reemtsma sich mit 63 Jahren schon zurückzieht. Der erwähnte Abschiedsvortrag hat denn auch ein merkwürdiges Thema: „Gewalt als attraktive Lebensform“. Das erinnert an das neue Buch von Klaus Theweleit „Das Lachen der Täter: Breivik u.a.“ Die Humanisten und Aufklärer behaupten neuerdings, daß politische Gewalt nicht aus Mißständen resultiert, sondern aus einer rein männlichen Tötungslust.
Diese Tötungslust wird nicht nur Andres Breivik und den islamischen Gotteskriegern unterstellt, sondern auch der SS und natürlich – der Wehrmacht. Denn etwas anderes als die „attraktive Lebensform“ kann sich der Hedonist von heute als Ziel gar nicht mehr vorstellen. Und so müssen wohl Panzerfahren und Massenerschießungen unseren Vorfahren den größten Spaß gemacht haben. Wenn nicht, wären sie ja nach Hause gegangen und hätten die Füße hochgelegt. Insofern ist der Rücktritt Reemtsmas bedeutungslos, die „Forschung“ wird in seinem Sinne weitergehen.













