Antifeminismus – und was dann?

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Muß man Ronja von Rönne kennen? Sagen wir so: viele Deutsche kennen die 23-jährige Schreiberin. Spätestens seit ihrem Artikel „Warum der Feminismus mich anekelt“ in der „Welt“ vom 8. April 2014. Und nicht einmal dieser Artikel wäre so aufsehenerregend, wenn nicht der „Ring nationaler Frauen“ (RNF), die Frauenorganisation der NPD, seinen Beifall dazu gegeben hätte. Beifall von der falschen Seite natürlich: „Ich kann nicht mehr tun, als mich davon zu distanzieren“, erklärt Rönne.

Der Feminismus-Artikel enthält einiges, dem man zustimmen kann: „Die Inhalte hat der neue Feminismus längst abgeschüttelt“, heißt es da. „die Latzhosen in den Altkleidercontainer geworfen, sich einen Twitteraccount angeschafft. Frauenrechte sind zur Performance geworden, Entrüstung zu Hashtags. Deutsche Ableger der Femen zeigen Brüste, der Kampf um Aufmerksamkeit ist hart, wenn die Dringlichkeit nicht für sich spricht. Der Feminismus kämpft an allen Fronten, aber nicht mehr für Gerechtigkeit, sondern um Aufmerksamkeit.

Gut formuliert. Aber die Haltung, die Rönne dem Feminismus entgegengesetzt, heißt ist Egoismus. „Wenn ich mich benachteiligt fühle, stelle ich direkte Forderungen, anstatt mich zu solidarisieren“, verkündet sie und: „Wir leben in einem Land, in dem der Einzelne für sich kämpft.“ Das scheint die Jungjournalistin auch gut zu finden, denn: „An die Stelle des Kampfes um Frauenrechte ist schon lange der Kampf des Individuums um sein Glück getreten.“ Man merkt: Ronja von Rönne steht für eine Jugend, die jede Ideologie, auch die korrekte, hinter sich gelassen hat und offen zum Nihilismus steht.

Und so wird die Jugend von heute gern gesehen. In diesem Jahr war Ronja von Rönne zum Ingeborg-Bachmann-Literaturwettbewerb nach Klagenfurt eingeladen. Eine illustre Veranstaltung. Doch was die Autorin dort vortrug, erwies sich als Überraschung. Ihr Text handelt vom „traurigen Leben junger Studentinnen“, die „erst ein bißchen wild sind und dann doch nur einen langweiligen Job kriegen“. Schließlich kommt der Satz: „Ich will wissen, daß ich für irgendetwas kämpfe, oder meinetwegen gegen jemanden, oder meinetwegen nur flüchte vor irgendetwas. Hauptsache, etwas mit Namen, ein Regime vielleicht.

Sieh da, plötzlich schwärmt die Individualistin von Zugehörigkeit und Idealen. Ein gemeinsames Ziel, ein Lebenssinn und ein Kampf müssen her. Dann will sie sich auch gern verfolgen lassen, anstatt auf Presse-Empfängen plaudernd Prosecco zu schlürfen. Liest man vor diesem Hintergrund noch einmal den Feminismus-Artikel, so wird klar: Statt abgeleierter Frauenbewegung sehnt Rönne sich nach einer neuen, anderen Bewegung, für die es sich noch zu kämpfen lohnt. Aber die gibt es doch längst. Man kann durchaus mehr tun, als „sich davon zu distanzieren“.

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