Gebrüder Grimm-Museum in Kassel eröffnet

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Drei Jahrzehnte verbrachten die Gebrüder Grimm in der hessischen Stadt Kassel und schufen hier fast ihr gesamtes Werk. Seit jeher gab es daher in Kassel ein kleines Grimm-Museum. Am 4. September jedoch wurde nun die „Grimmwelt“ eröffnet, eine großzügige Anlage auf dem Kasseler Weinberg. Trotz der weiträumigen Aussicht in die Fulda-Aue könnten sich manche Besucher in das alte Gemäuer zurücksehnen, weil dort noch das Konzept eines klassischen Literaturmuseums galt. Die neue „Grimmwelt“ wartet dagegen mit den heute üblichen Mätzchen auf und soll zur Hälfte ein „Erlebnispark“ für Kinder und die vielen digitalen Analphabeten sein.

Zugegeben ist die Bedeutung der Grimms nur schwer in eine Ausstellung zu pressen. Sie haben nicht nur die berühmten „Kinder- und Hausmärchen“ gesammelt, sondern hinterließen auch das „Grimmsche Wörterbuch“, in dem alle deutschen Worte verzeichnet sein sollten. Gerade auf die ungewöhnlichen und altertümlichen Worte kam es den Brüdern an. Die Grundidee von Wilhelm und Jacob Grimm steckt jedoch in dem unscheinbaren Wörtchen „noch“. Noch gab es zu Beginn des 19. Jahrhunderts die Märchenerzählerinnen auf dem Lande, und noch wurde ein kerniges und kräftiges Deutsch gesprochen. Doch schon sahen die Brüder diesen Schatz an Volkstum durch die heranrückende Zeit gefährdet, und deshalb machten sie sich auf, das lebendige Volksgut in eine schriftliche Form zu bannen.

Was uns als die „gute, alte Zeit“ erscheint, nämlich die Epoche der Romantik, ist bereits von der Furcht vor Identitätsverlust und Entwurzelung durchzogen. Zumindest die Feinfühligen ahnten schon, was kommen würde. Allerdings entstand daraus das Bedürfnis, das Eigene zu bewahren und zu pflegen. Das gilt neben Grimm auch für die Lieder in „Des Knaben Wunderhorn“ oder die Landschaftsmalerei von Caspar David Friedrich. So harmonisch diese Werke erscheinen, enthalten sie doch schon den Geist des Widerstandes. So gehörten die Brüder Grimm als Professoren auch zu den „Göttinger Sieben“, die sich gegen den König von Hannover auflehnten.

Das spezifisch Deutsche in den Märchen blendet das Museum weitgehend aus. Gelobt wird vielmehr die „universale Geltung“ der darin enthaltenen Konflikte, nämlich Gut und Böse, Faulheit oder Fleiß, Glücksverlangen, Kampf gegen Übermächte, Sieg der kindlich klaren Moral. Ob die Botschaft der Märchen wirklich in diesen Schlagworten aufgeht, und wie sie sich zu den Geschichten anderer Völker verhalten, kann die „Grimmwelt“ in der Weinbergstraße 21 in Kassel nicht enthüllen. Dafür gibt es dort einen Schallraum, der für jedes moderne Schimpftwort ein altdeutsches zurückschickt. Das ist auch schon etwas.

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