Unheimlich ist die Kraft der Toten

Unheimlich ist die Kraft der Toten.
Sie tragen den Menschen, die Völker, die Erde,
im Sterben sind sie schon wieder im Werden,
und einmal – in der Zeiten Lauf –
stehen die Toten in den Lebenden auf.

Unheimlich ist die Kraft der Toten.
Wer weiss in sich ihre Lebensglut brennen,
wird in seinem Kind ihre Züge erkennen,
und einmal – in der Zeiten Lauf –
stehen die Lebenden aus Sterbenden auf.

Unheimlich ist die Kraft der Toten.
Man kann sie lieben, man kann sie hassen,
man kann Sie verleumden, verhöhnen lassen,
doch einmal – in der Zeiten Lauf –
zum Lieben, zum Hassen stehen die Toten auf.

Wenn auch die Lebenden heute versagen,
beten und betteln, fragen und klagen,
die Gräber der Toten ihr einziges Gut,
ihre Augen weinen Tränen und Blut …
Bedenkt’s!

Unheimlich ist die Kraft der Toten.
Man kann Sie verleugnen bis zum Verbrechen,
doch einmal werden sich die Toten rächen,
da stehen sie – in der Zeiten Lauf –
drohend, gewaltig zum Kampf wieder auf.

Unheimlich ist die Kraft der Toten.
Man kann Sie verdammen, man kann sich vermessen,
die eigenen Toten sogar vergessen,
doch einmal – in der Zeiten Lauf –
stehen die Toten in Euren Kindern auf!

Ein Gedicht des flämischen Dichters, Denkers und Kämpfers Ward Hermans (1897-1992)