"Mein Kampf" auf der Bestseller-Liste

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Verkaufsschlager "Mein Kampf"

Verkaufsschlager "Mein Kampf"

Pünktlich zum 20. April steht Adolf Hitlers „Mein Kampf“ auf Platz 1 in der Bestseller-Liste des „Spiegel“ (16/2016). Anfang des Jahres erschien das Buch in einer Neuausgabe, nachdem der Urheberschutz 70 Jahre nach dem Tod des Autors abgelaufen war. Die Urheberrechte lagen beim Freistaat Bayern als Nachfolger des Franz-Eher-Verlages (Verlag der NSDAP). Um einer „falschen Nutzung“ des Textes durch nationale Verlage zuvorzukommen, legte das „Institut für Zeitgeschichte“ in München eine wissenschaftliche Aufbereitung vor.

Die neue Ausgabe mit ausführlichem wissenschaftlichen Kommentar umfaßt rund 2000 Seiten (gegenüber rund 800 Seiten im Original) und Tausende von Anmerkungen. Der Preis ist mit 59 Euro entsprechend hoch. So hoffte das „Institut für Zeitgeschichte“, etwaige „Rechtsextreme“ vom Kauf abzuhalten. Das ist nach Aussagen der Buchhändler auch weitgehend gelungen. Dafür interessieren sich weitaus mehr Normalbürger oder gar Bildungsvertreter für Hitlers Buch als erwartet.

Schon zur Veröffentlichung im Januar warteten 15.000 Vorbestellungen auf Nachdruck. Bei Amazon wurden Exemplare für 150 Euro gehandelt. Inzwischen liegt die dritte Auflage in den Läden mit einer Stückzahl von 40.000 Exemplaren. Die Optik ist verwirrend: Auf der rechten Seite erscheint Hitlers Originaltext, rechts außen Textvarianten aus anderen Ausgaben. Rundherum wird der Autor „umzingelt von unseren Anmerkungen“, so Herausgeber Christian Hartmann. Diese Anmerkungen sollten die „Gegenrede zu Hitler“ formulieren.

Die Frage ist allerdings, wieviele Käufer sich für eine „Gegenrede“ interessieren, die seit 70 Jahren auf allen Kanälen zu hören ist, und welche eher neugierig auf Hitlers Argumentation selber sind. Zwar ist der Text von „Mein Kampf“ die ganze Zeit hindurch in Antiquariaten und im Weltnetz leicht zugänglich gewesen, doch für völlig Unbedarfte stellte das „Verbot“, das allerdings nur den Druck, nicht die Lektüre betraf, wohl eine gewisse Hürde dar. Jetzt darf man sich zu dem Interesse offen bekennen; nach den „Spiegel“-Zahlen ist es geradezu Mode geworden, „Mein Kampf“ zu lesen.

Mitherausgeber Othmar Plöckinger jedenfalls freut sich über die für wissenschaftliche Arbeiten seltene Breitenwirkung. Und bleibt doch zwiespältig: „Dieser Hype hätte vielleicht auch etwas vermieden werden können.“ Die Justizminister entschieden, daß die unkommentierte Verbreitung weiter verboten bleibt. Doch bisher hat es noch keine diesbezügliche Anzeige gegeben. Die nationalen Verlage üben sich in Zurückhaltung.

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