Wie Tag und Nacht: Wolfsburg gestern und heute

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Noch bis zum September ist im Kunstmuseum in Wolfsburg eine Ausstellung über die Stadt selbst – also über Wolfsburg und ihre Besonderheiten – zu sehen. Fast könnte man meinen, daß die Schau eine Antwort auf den kürzlichen VW-Skandal sein soll, denn die Stadt Wolfsburg ist mit dem VW-Werk von Anfang an eng verbunden. Doch Selbstbesinnung und die Demontage des Mythos treffen zufällig in diesem Frühjahr aufeinander.

Das könnte interessante Gesichtspunkte bieten. 1938 wurde die Gründung unter dem vorläufigen Namen „Stadt des KdF-Wagens“ vorgenommen, und die Stadt unter den Architekten Peter Koller angelegt. Sie galt als Modell für künftige Arbeiterstädte. Auch sollte die „Stadt des KdF-Wagens“ als NS-Neugründung demonstrativ ohne Kirchenbauten auskommen. Nach dem Krieg schloß man ohne falsche Bedenken an den Automobilbau an. Nun war es das Erfolgsmodell „Käfer“, das in Wolfsburg massenhaft vom Band lief. Diesen Namen bekam die Stadt übrigens erst nach 1945, was die Deutung mit dem Decknamen Hitlers, „Wolf“, ins Reich der Legende verweist. Doch für solche schönen Legenden ist die Zeit ja bekannt.

Sei es Zufall oder nicht, die am 24. April eröffnete Ausstellung trägt bereits alle Zeichen der Auflösung und des Niedergangs. Schon der Titel „Wolfsburg unlimited“ zeugt davon, nicht nur wegen des Englischen, sondern weil es auf Eigenschaften deutet, die vielleicht New York, aber nicht eine mittelgroße Stadt am Harzrande aufzuweisen hat. Weiter geht es mit der Bezeichnung „Eine Stadt als Weltlabor“, wo doch gerade VW und Wolfsburg groß geworden sind durch das Prädikat „deutsche Wertarbeit“. Niemand, der deutsche Autos kauft, möchte erfahren, daß sie aus einem „Weltlabor“ stammen und unkontrollierte Bestandteile enthalten.

Immerhin stellt man sich die Aufgabe, Informationen zu liefern über „die Geschichte(n) und (Un)Möglichkeiten dieser sehr besonderen Stadt: Die markanten Raum- und Zeitachsen des 1938 als „Stadt des KdF-Wagens“ gegründeten Unternehmenssitzes mit Wohnanschluss werden untersucht – von der Gartenstadt der 1940er Jahre, den Agglomerationen und Trabantenstädten der 1960er und 1970er Jahre über die Fußgängerzone Porschestraße der 1970er und 1980er Jahre bis hin zur Eventcity mit Autostadt, Outlet Stores und phæno Science Center ab 2000.“ Neben dem üblichen Kunst-Kram scheint es auch eindrucksvolle Fotografien aus der Geschichte der Stadt zu geben.

Interessant ist, daß die Deutschen im Sommer 1945 erst auf Druck der britischen Besatzer-Behörden die Umbenennung der Stadt vornahmen. Die Deutschen hatten naiv geglaubt, daß eine „Stadt des KdF-Wagens“ auch im „befreiten“ Land bestehen bleiben könne. Erst mit der Zeit mußten sie lernen, was alles mit dem Reich von der Bildfläche zu verschwinden hatte.