
„Das kalte Herz“ gehört zu dem Erzählzyklus „Das Wirtshaus im Spessart“. Eine unübertreffliche Verfilmung lieferte im Jahr 1950 die DDR (der erste Defa-Farbfilm). Die Handlung: Der Kohlenbrenner Peter Munk ist arm, unglücklich und verliebt in die schöne Lisbeth. Peter möchte reich sein wie der dicke Ezel und so gut tanzen können wie der Tanzbodenkönig. Da Peter ein Sonntagskind ist, darf er sich von einem Waldgeist, dem Glasmännlein, etwas wünschen. Doch Peters Wünsche sind töricht und stürzen ihn nach kurzem Reichtum in den Ruin. Peter wendet sich an den zweiten Waldgeist, den Holländer-Michel, der ihm ebenfalls Reichtum und Erfolg verschafft. Doch dafür will er Peters Herz und ersetzt es durch einen kalten Stein. Peter ist nun erfolgreich, doch kalt und herzlos. Als Lisbeth durch seine Hand stirbt, verschafft sich Peter nach einem Rat des Glasmännleins und mit einer List wieder sein lebendes, schlagendes Herz zurück.
Die Geschichte weist eine antikapitalistische Tendenz auf. Hat nun der Regisseur Johannes Naber in seiner Verfilmung diese Aktualitäten stärker betont, oder liefert er eine schön-traditionelle Märchenwelt? Von beidem etwas: leicht modernisiert, aber durchaus noch farbenprächtig zeigt sich der Verlauf. Das Glasmännlein ist leider nicht mehr winzig klein und der Holländer-Michel nicht riesengroß, sondern alle spielen auf Augenhöhe, und die Natur erhält mehr Gewicht gegenüber dem Mythischen. In einer Kritik heißt es: „Frederick Lau (Peter Munk) und Henriette Confurius (Liesbeth) sind nicht das schöne aalglatte Liebespaar. Lau gibt sowohl dem armen als auch dem reichen Peter seine Ecken und Kanten und spielt – im positiven Sinne! – seine Rolle wenig märchenhaft. Und auch Lisbeth ist nicht nur schön, sondern holt auch schon mal das Glas aus dem Feuer.“
Ein bißchen nach Entzauberung klingt das schon. Wer lieber den Originaltext lesen möchte, kommt billiger weg als mit der Kinokarte: Wilhelm Hauff: Das kalte Herz: Ein Märchen. 2016. Insel Verlag. EUR 7,00













