
Das hoffentlich baldige Erwachen ganz Deutschlands bedeutet deshalb auch die Entgiftung der deutschen Arbeiterbewegung von allen fremden Keimen, von allen phantastischen oder verlogenen Hoffnungen, die Erfüllung mit der Gedankenwelt des gesunden schaffenden deutschen Menschen aus Boden und Geschichte seines Landes, mit dem er für immer verwurzelt ist, und das Erwecken des Gefühls einer nicht zu trennenden Schicksalsgemeinschaft aller Berufe und Kenntnisse. Mag nach der friedlichen Revolution auch vieles zusammenbrechen, mag manches auch in den folgenden Jahren der neuen Herrschaft noch nicht durchgeführt worden sein, was an berechtigten sozialen Hoffnungen in uns lebendig ist, so wissen wir doch, daß eine bestimmte Richtung eingeschlagen wird und daß die einmal eingeschlagene Richtung ihre Konsequenz nach sich ziehen wird.
Der deutsche Arbeiter muß Hand in Hand mit dem Bauer und Handwerker, mit dem Soldaten und politischen Kämpfer, mit dem Gelehrten und dem Techniker stehen. Sie arbeiten alle an einem einzigen Werk, am Aufbau Deutschlands. Aus dem gleichen germanischen Rechtsgefühl, aus dem heraus ein gesunder Protest gegen das 19. Jahrhundert erscholl, kommt heute eine innere Gesundung des Volkes. Dieses Gerechtigkeitsgefühl ist jene weltanschauliche Voraussetzung, die wir von jedem deutschen Arbeiter, von jedem anderen Deutschen in der Beurteilung des Riesenkampfes der nationalen Bewegung erwarten. Verknüpft sich dieses tapfere Gefühl mit praktischer Einsicht in das Notwendige, paart es sich mit einem unbändigen Willen, dieses Notwendige auch im Kampf durchzusetzen, dann wird die deutsche Arbeiterbewegung in jenen Strom organischen Lebens, dem ihre Besten einst unbewußt zustrebten, und der heute nunmehr sein eigenes Strombett gefunden hat. Auf der Grundlage dieses Lebens wird sich dann die soziale Gliederung und das kulturelle Wirken erheben; auch der deutsche Arbeiter wird dann bewußt teilhaben an den geistigen und seelischen Gütern seines Volkes und auch in der Ergänzung seines Werktages jene innere Befriedigung finden, die wertvoller ist als alles Schwärmen utopischer internationaler Phantasten.















Der Text ist eine Mischung aus kommunistischer Lyrik und germanischem Heldenepos. Er beginnt bereits mit einer Fehleinschätzung. Der Marxismus ist nämlich keineswegs überwunden. Zwar hat der Zusammenbruch der kommunistischen Staaten Osteuropas zu einem herben Rückschlag des orthodoxen Marxismus geführt, jedoch feiert er als Kulturmarxismus fröhliche Urständ. Seine Grundannahmen sind zum festen Bestandteil des Ideenrepertoires des politischen, ökonomischen und kulturellen Establishments geworden. Aber auch der orthodoxe Marxismus ist längst nicht tot. Bei jedem relevanten gesellschaftlichen Problem kriechen die sattsam bekannten Giftmischer aus ihren Löchern, um uns ein altes Rezept aus Väterchen Marx´ Hausapotheke anzupreisen. Egal, ob Pflegenotstand, Eurokrise oder Klimaerwärmung, alles ist irgendwie immer auf den bösen Kapitalismus zurückzuführen und die vermeintliche Lösung hat der weise Mann aus Trier bereits vor über 150 Jahren geliefert. Das ist natürlich alles Quatsch. Aber genau diesen Quatsch beobachte ich auch hier. Mit schön klingenden Texten werden Probleme und Lösungen beschworen, die in dieser Form keine sind. Dafür fehlt es einfach an der notwendigen begrifflichen Präzision. Wer ist denn eigentlich dieser deutsche Arbeiter??? Geht man von dem klassischen Arbeiterbegriff aus, handelt es sich um eine abhängig beschäftigte Person, die ihren Lebensunterhalt überwiegend mittels einer körperlich stark beanspruchenden Tätigkeit verdient, die kaum nennenswerte geistige Leistungen erfordert. Dies ist ein absolutes Auslaufmodell. Zwar gibt es sicherlich noch ein paar Millionen Menschen, die in dieser Form arbeiten, aber ihr Anteil nimmt täglich ab, da derartige Tätigkeiten besonders leicht durch Maschinen und bald schon durch Roboter ersetzt werden können. In dem Text ist auch nicht erkennbar, dass der Begriff des Arbeiters hier eher philosophisch, wie etwa bei Ernst Jünger, gemeint ist. Damit könnte man nämlich noch etwas anfangen. Insofern ist auch fraglich, ob es heute noch etwas, wie eine Arbeiterbewegung gibt. Hierzu gehört meines Erachtens ein eigenes (Klassen)bewußtsein. Außer dem gelegentlichen Lamentieren über „die da oben“, welches es aber auch bei anderen Berufsgruppen gibt, kann ich ein solches jedoch nicht erkennen. Auf diese anderen Berufsgruppen wird in dem obigen Text ebenfalls Bezug genommen und es werden dieselben Verhaltenserwartungen an diese gerichtet, wie an den Arbeiter. Ebenso wird die gemeinsame Betroffenheit von deutschen Arbeitern und anderen Deutschen durch die herrschenden Zustände beklagt. Es ist damit unklar, worin das Alleinstellungsmerkmal des deutschen Arbeiters gegenüber anderen Deutschen liegt. Sodann wird von Befreiung gesprochen. Es bleibt unklar, wovon der Arbeiter befreit werden soll. Es gibt heute aber keine besonderen Umstände mehr, von denen nur der deutsche Arbeiter befreit werden müsste. Die überbordende Abgabenlast und die Verschleuderung des Volksvermögens trifft jeden anderen Deutschen auch. Es wäre schön, wenn man sich hier nicht nur um eine wohlklingende Rhetorik bemühen würde, sonder stattdessen mal die Butter zum Fisch bringt.