Vom Mangelwesen zum Übermenschen – Teil 1/4

Seit jeher gehört die Vorstellung, dass der Mensch ein Teil der Natur und ihren Regeln unterworfen ist, zu einer der fundamentalen Grundsätze der deutschen Weltanschauung. Selbst der Nationalstaat, welcher von vielen heute als das rechter Politik definierende Objekt angesehen wird, ist am Ende lediglich die Konsequenz dieses Grundsatzes. Im Folgenden wollen wir die Validität dieses Grundsatzes im Kontext der Moderne diskutieren, und aufzeigen, wie die Beziehung zwischen Mensch und Natur sich durch den technischen Wandel verändert hat und vor welche Probleme uns diese Veränderung heute und in der Zukunft stellt.

 

Mensch und Natur

Bevor wir die Idee, dass der Mensch ein Teil der Natur ist, infrage stellen, wollen wir zunächst klären, was wir eigentlich unter dieser Aussage verstehen und warum sie für nationale Politik so von Bedeutung ist.

Den Menschen als Teil der Natur zu begreifen, mag in der heutigen Zeit, in der Wissenschaft zumindest in Europa mit religiösen Märchen aufgeräumt hat, als wenig bemerkenswert und ganz sicher nicht als Alleinstellungsmerkmal nationalen Denkens anmuten. Wenn wir jedoch sagen, dass der Mensch ins Reich der Natur gehört, meinen wir eben nicht nur, dass sich der Mensch aus der Urform des Affen entwickelt hat, sondern viel bedeutender, dass er wie alle anderen Lebewesen auch ihren Gesetzen unterworfen ist. Diese Gesetzte, auf die wir uns in dieser Reihe beziehen wollen, sind jedoch weder die der Physik noch Chemie, sondern die des Lebens, genauer gesagt, das eine Gesetz des Lebens. „Recht des am besten Angepassten “, „Survival of the fittest“ oder „Natürliche Auslese“, wie auch immer man es nennen will, all dies beschreibt das gleiche, nämlich, dass das Leben kein mit Rechten verbundenes Geschenk, sondern ein Privileg ist, das derjenige, der sich evolutionär durchgesetzt hat, für sich beansprucht. Dieses Gesetz gründet auf der Tatsache, dass der Planet Erde nur eine endliche Menge an Lebensraum und Ressourcen bietet, die von einer stetig wachsenden Anzahl an Lebewesen beansprucht werden. Konflikte sind daher vorprogrammiert und unvermeidlich, denn kein Lebewesen wird ohne Weiteres seine Existenz zugunsten eines anderen aufgeben.

Dieser Umstand ist der Motor der Evolution, die den Menschen als das den Planeten dominierende Lebewesen hervorbrachte. Seine Instinkte, sein Wesen und Körper wurden in einer Welt des gnadenlosen Überlebenskampfes geschaffen. Die Summe dieser ihm angeborenen Eigenschaften und Limitierungen bildet die Natur des Menschen.

Diese Erkenntnis ist an sich nichts Revolutionäres. Ganz im Gegenteil werden sich die meisten Menschen dieses Umstandes bewusst sein und so wissenschaftlich fundiert das Wissen um diese Dinge heute auch sein mag, so wenig Konsequenzen zieht man aus ihnen und hier beginnt sich der Unterschied zwischen rechtem und linkem Denken zu offenbaren. Wo nationale Politik den Anspruch hat, lebensgesetzlich und naturwissenschaftlich fundiert zu sein, ist die Basis linker Ideologien der Glaube, dass der Mensch eben nicht über eine angeborene Natur verfügt und der Milieutheorie zufolge durch die Gesellschaft beliebig geformt werden kann. Die Dominanz dieses Glaubens in der modernen Politik, etliche konservative Gruppierungen mit eingeschlossen, führt dazu, dass Entscheidungen primär in Bezug auf die Bedürfnisse, beispielsweise die der Wirtschaft, getroffen werden, da man glaubt, der Mensch müsse und könne sich an alles anpassen.

Andererseits trägt Marx nicht allein die Schuld an diesen Missständen, denn auch die europäische Kultur hat ihren Teil dazu beigetragen. Insbesondere das Christentum, welches den Menschen ganz klar über oder neben den Rest der Schöpfung stellt, ist hier zu nennen. Inwiefern man das Christentum als das Produkt der europäischen Kultur sehen möchte, ist eine andere Frage, praktisch hatte es jedoch einen prägenden Einfluss auf die westliche Geistesentwicklung. Als das Christentum schließlich an Bedeutung und Einfluss zu verlieren begann, war es der schon relativ hohe Entwicklungsstand des Menschen, welcher ihm zwar aufzeigte, dass er in der Tat genauso Teil der Natur ist, wie jedes Tier und jede Pflanze und sogar noch tierisches Erbe in ihm wohnt, jedoch gleichzeitig schon seine Lebenswelt derart verändert hatte, dass er dies nicht wirklich begriff und sich selbst als so hoch entwickelt ansah, dass er mit dem Rest der Welt eigentlich nichts mehr zu tun zu haben glaubte.

Auch wenn man sich der menschlichen Natur vielleicht nicht als das bewusst war, was sie ist, oder ihre Existenz sogar verneinte, kannte man doch den Unterschied zwischen der triebgesteuerten Seite des Menschen und dem rationalen Teil seines Geistes und versuchte, Ersteren zugunsten des Letzteren zu verbannen. Am deutlichsten kommt dies vielleicht im Umgang des Christentums mit körperlicher Liebe zum Vorschein. Sex wurde von der Kirche als sündhaft und erniedrigend empfunden, bedurfte einer Segnung, um überhaupt stattfinden zu dürfen und selbst dann war noch die Lust am Akt verpönt. Geschlechtsverkehr sollte im Idealfall ein emotionsloser, allein der Reproduktion dienender Akt sein. Dass weite Teile der Bevölkerung eine solch strikte Einstellung nicht geteilt haben mögen, ändert nichts daran, dass Sex in dem Sinne als Privatsache angesehen wurde, dass man in Gesellschaft nicht darüber redete. Heute mag dies durch die neomarxistische Subversion aufgeweicht worden sein, doch im Grunde hat dies auch heute noch Bestand. Allgemein gesagt galt damals wie heute das öffentliche Zuschaustellen übermäßiger Emotionalität, Impulsivität und mangelnde Kontrolle über die inneren Triebe als eine Charakterschwäche, die die klassische Erziehung durch Disziplin und Rationalität zu bekämpfen versuchte. Selbst den zweifellos wildesten und barbarischsten Aspekt der menschlichen Existenz, den Krieg, versuchte man durch Regeln der Ritterlichkeit und Ehre zu zivilisieren. Krieg sollte durch diese Werte aufhören ein wildes Gemetzel zu sein, in dem die Beteiligten Blutdurst und Rachlust befriedigen und zu einem formalisierten Kräftemessen werden.

Solange diese beiden Tendenzen nebeneinander existierten, also das Leugnen oder Verstecken der menschlichen Natur und die Kontrolle dieser durch gesellschaftliche Normen und Regeln, bestand ein gewisses Gleichgewicht durch Ausgleich. Seit jedoch zersetzende Ideologien zunehmend die althergebrachten Restriktionen auflösen, kommen die Triebe im Menschen immer offener und nicht selten zerstörerisch zum Vorschein. Da die Existenz dieser Triebe auch heute nicht oder nur unzureichend anerkannt wird, ist ihr Einfluss auf den Menschen umso größer, da er in gewisser Weise nicht mehr zwischen dem tierischen und dem rationalen Teil seines Geistes unterscheiden kann. Interessanterweise weiß man beispielsweise in der Werbebranche sehr wohl um diese Dinge und mit welchen Motiven man Menschen fast schon wie einen gut dressierten Hund beeinflussen kann, doch grade eine solche Manipulation ist darauf angewiesen, dass das Opfer den Trick nicht durchschaut, denn tut es das, übernimmt der rationale Teil des Menschen die Kontrolle und ist in der Lage sich der Einflussnahme zu widersetzen.

Was ist also die Konsequenz, die wir aus der Existenz der menschlichen Natur ziehen können? Dass der Mensch kein weißes Blatt Papier ist, dass man ihn nicht formen kann, wie es einem grade beliebt. Stattdessen muss man sich bewusst sein, dass er mit einer Reihe von Instinkten ausgestattet ist, die maßgeblich sein Handeln beeinflussen können. Dies geht so weit, dass man keine klare Linie ziehen kann, an der triebhaft motiviertes Handeln endet und rationales, d.h. bewusstes Handeln beginnt. Gleichzeitig ist jedoch offensichtlich, dass beide Extreme im Menschen vorhanden sind. Damit soll ebenfalls nicht gesagt sein, dass der höhere Teil des menschlichen Geistes keinen Einfluss auf die Niederen nehmen könnte, doch je nachdem, wie sehr dieser Einfluss gegen die menschliche Natur verstößt, ist dies kein Zustand, der auf lange Sicht ohne Schäden zu verursachen anhalten kann. So lügen sich heute aufgrund des Feminismus etliche Frauen über Jahre hinweg sehr erfolgreich selbst an, wenn sie meinen, dass eine Karriere ihr Leben erfüllen könnte, nur um später, meist wenn die Biologie ihr Schicksal schon fast besiegelt hat, festzustellen, dass dem nicht so ist. Die Erziehung kann natürlich einen großen Unterschied machen, aber auch sie wird niemals in der Lage sein, den Menschen grundlegend zu ändern. Sie kann bestenfalls vorhandene Tendenzen verstärken oder abschwächen, aber niemals völlig auslöschen oder Neue erzeugen. Beispielsweise versucht das staatliche Erziehungssystem in den Schulen und Kindergärten mit allen Mitteln Jungen ihre aggressiven und kämpferischen Tendenzen abzuerziehen, scheitert dabei jedoch auf ganzer Linie und stellt mit seinen Maßnahmen höchstens sicher, dass die Praxen der Psychologen für die nächsten Jahre gut mit gestörten Persönlichkeiten gefüllt sind. Wir werden noch mehrere Male dieses Thema streifen, denn es ist eines der zentralen, die hier von Bedeutung sind. Fürs Erste wollen wir jedoch erst einmal festhalten, dass für uns die Natur des Menschen unveränderbar ist und daher in allen politischen Fragen Beachtung finden muss.

Ebenfalls unveränderbar und ein Teil der menschlichen Natur sind die körperlichen und geistigen Limitierungen des Menschen, welche durch seine Biologie vorgegeben sind. Eine Limitierung, die sowohl geistiger als auch physischer Natur ist, ist die Tatsache, dass nicht jeder Mensch mit den gleichen intellektuellen Fähigkeiten ausgestattet ist und man noch so viel in Bildung investieren kann, ohne etwas an der Ursache zu ändern.

Eine weitere Vorstellung, die mit der Aussage, dass der Mensch ins Reich der Natur gehört, übermittelt wird, ist, in welcher Machtposition er im Vergleich zur Natur steht. In der traditionellen nationalen Lebensauffassung, die ansonsten die Kraft des menschlichen Willens als grenzenlos ansieht, schreibt dem Menschen, wenn es um die Natur geht, meist die Rolle einer Ameise zu, die den Launen eines höheren, für sie nicht begreifbaren Lebewesens ausgesetzt ist. Auch die Vorstellung, dass der Mensch sein Schicksal selbst bestimmen könne, wird, sobald die Natur ins Spiel kommt, untergraben, wenn nicht sogar ausgeschaltet, da der Mensch ihr gegenüber völlig machtlos zu sein scheint und das bis jetzt Gesagte bestätigt dies. So erwähnten wir schon mehrfach, wie des Menschen eigene Natur und deren Grenzen ihn und sein Leben beeinflussen. Außerhalb des Individuums stehen ihm weiter die Naturgewalten entgegen, die auch heute noch scheinbar willkürlich in sein Leben eingreifen können.

Teil 2 folgt in wenigen Tagen…