Zeitzeuge Richard Neubrech sprach in Oberbayern

Der Waffen-SS Veteran Richard Neubrech sprach jüngst in Oberbayern über seine Erlebnisse im Dritten Reich, während des Zweiten Weltkriegs und unmittelbar danach. Anschaulich und humorvoll berichtete er in seinem etwa zweistündigen Vortrag von seiner Zeit bei der Hitlerjugend, seiner Ausbildung in einem Reichsbahnausbesserungswerk, seiner Tätigkeit beim Reichsarbeitsdienst und natürlich von der Waffen-SS.

Im gut gefüllten Saal sammelten sich Jung und Alt, darunter viele neue Gesichter, um den Worten eines der letzten Zeitzeugen zu lauschen. Dies machte auch Stützpunktleiter Karl-Heinz Statzberger bei seiner Begrüßungsansprache klar, als er anmerkte, dass nur noch wenige Vertreter dieser Generation leben und geistig wie körperlich so fit sind, um von ihren Erlebnissen erzählen zu können. Mit einem Dank an Herrn Neubrech, nicht nur für sein Erscheinen, sondern vor allem auch für seine Dienste für Deutschland, überreichte er das Wort an den Referenten des Tages.

Richard Neubrech stammt aus Kaiserslautern in der Pfalz. Er kommt aus einem Elternhaus, welches der NSDAP nahestand. Schon als kleiner Bub wurde er Mitglied der Hitlerjugend. Lebhaft erinnert er sich noch daran, nannte es eine schöne Zeit und berichtete von diversen Fahrten, Ausflügen und einem Bühnenauftritt bei einem Theaterspiel.

Beruflich wollte er immer schon Lokführer werden. Das ärgerliche für ihn war, dass seine schulische Laufbahn so glatt verlief, dass er auf eine Schule wechseln musste, die für seinen Traumberuf nicht förderlich war. Auf „unerklärliche Weise“ wurden plötzlich seine Noten schlechter und nach der Schulzeit fing er seine Lehre im Reichsbahnausbesserungswerk an. Durch seine schelmische Art war er nicht unbedingt der Liebling seiner Ausbilder. So schimpfte sein Lehrmeister oft über seinen Jahrgang, weil dieser der „faulste und dümmste“ je dagewesene wäre. Daraufhin fragte ihn Neubrech: „Wieviele Auszubildende gab es denn im letzten Jahrgang?“ „21“, erwiderte der Ausbilder. Darauf Neubrech: „Na sehen Sie, und wir sind 42, also dürfen wir auch doppelt so faul und doppelt so dumm sein.“

Im Reichsarbeitsdienst machte Neubrech gute und schlechte Erfahrungen. So lernte er dort ein Mädel kennen und erlebte auch viel Gutes mit der lokalen Bevölkerung im Saarland, wo er eingesetzt war. Viele ebenfalls sich dort im Einsatz befindlichen Lothringer behandelten die Jungmannen jedoch schlecht. Sie drückten sich vorm Fronteinsatz und waren deshalb beim RAD und schikanierten die jungen Arbeiter.

Als er wieder in sein Werk kam, bekam er eine verantwortungsvolle Aufgabe beim Luftschutzbunker zugeteilt. Wenn Fliegeralarm war, musste er die Belüftungsanlage bedienen. Wenn der Strom ausfiel, musste dies manuell geschehen. Ihm assistierten hierbei ein paar Kameraden und schnell wurde ihm die Tätigkeit recht angenehm, da die Jungen einige junge Damen kennenlernten, die ihnen beim Alarm im Kontrollraum Gesellschaft leisteten.

Vom Stützpunktleiter wurde dem Referenten ein Geschenkekorb überreicht

Ende 1944 hatte sich Neubrech freiwillig bei der Waffen-SS gemeldet und zu seiner Ausbildung fuhr er in die Nähe von Guben in Brandenburg. Hier war sein Lehrgang der erste in einem neuen Lager und ebenso wurde er dort auch vereidigt. Nach seiner kurzen Ausbildung wurde er einer Kfz-Abteilung zugeteilt. Nun ging es mit dem Zug zunächst nach Prag, im damaligen Protektorat Böhmen und Mähren. Von hier aus weiter über die Ostmark nach Ungarn.

In der Nähe von Stuhlweissenburg kam Neubrech bei getarnten Verbänden der SS-Division Totenkopf zum Einsatz. Bei einem Sturmangriff auf Stuhlweissenburg sollten Neubrechs Mannen liegengebliebene Panzer reparieren und gefangene Sowjets aufsammeln. Doch die Offensive scheiterte im russischen Feuer und der Einsatz wurde abgebrochen. Bald musste sich die deutsche Wehrmacht aus Ungarn zurückziehen und es ging nach Österreich.

Hier erlebte Neubrech auch das Kriegsende. Nun ging es auf den abenteuerlichen Nachhauseweg. Immer wieder mussten die heimwärts ziehenden Soldaten den amerikanischen Soldaten ausweichen. In Kontrollen wurden sie oftmals schikaniert und unwürdig behandelt. Von der Zivilbevölkerung konnte Neubrech hingegen nur Gutes berichten. Die Deutschen halfen einander, wo es nur ging. Eine Unterkunft oder ein warmes Essen wurde den Soldaten zu ihrer großen Freude oft angeboten. Letztlich legte Neubrech auf seinem Heimmarsch zu Fuß 700 Kilometer in nur vier Wochen zurück.

Zu Hause war die Freude über den heimgekehrten Sohn groß. Große Probleme stellte die Versorgung dar, da für Richard Neubrech zunächst keine Ernährungsmarken zu bekommen waren. Zudem wurde der Vater, ebenfalls SS-Mitglied, für einige Jahre in ein Internierungslager gesteckt. So erzählte er auch von der Zeit der Besatzung und von Schikanen der Sieger über die Besiegten.

Richard Neubrech ist seinen alten Kameraden stets verbunden geblieben und war viele Jahre in der HIAG (Hilfgemeinschaft auf Gegenseitigkeit der ehemaligen Angehörigen der Waffen-SS) aktiv.

Er schloss seinen Vortrag mit einem Zitat von Adalbert Stifter, dem nichts weiter hinzuzufügen ist:

„Denn was auch immer auf Erden besteht, besteht durch Ehre und Treue. Wer heute die alte Pflicht verrät, verrät auch morgen die neue.“

Um ihren Dank auszudrücken, überreichte Karl-Heinz Statzberger, stellvertretend für alle Anwesenden, einen Geschenkekorb mit regionalen Spezialitäten und der Zeitzeuge nutzte die Gelegenheit im Anschluss, um sein Buch über die erzählten Tage zu bewerben. Viele Gäste griffen hierbei zu und Neubrech signierte geduldig die Schriftstücke.

Richard Neubrech nahm sich die Zeit um alle Bücher zu signieren

 





2 Kommentare

  • Wie heißt den das Buch, und wo ist es erschienen ????

    bERND gRETT 20.10.2018