Anschlag auf ICE-Strecke Nürnberg-München

Anfang Oktober verübten bislang Unbekannte einen Anschlag auf die Bahnstrecke Nürnberg-München. Ein über die Gleise gespanntes Stahlseil wurde von einem ICE durchbrochen ohne weitere Folgen für die Fahrgäste. Die Bahn maß dem Vorfall zuerst wenig Bedeutung zu, erst am 24. Oktober 2018 wurde die Bundespolizei informiert. Diese fand in Tatortnähe ein Bekennerschreiben in arabischer Sprache islamistischen Inhaltes.

Der Tatort ist ein Abschnitt der Bahnstrecke auf Höhe des Ortes Allersberg südlich von Nürnberg. Die Züge dürfen auf diesem beinahe geraden und sehr modernen Streckenabschnitt Geschwindigkeiten von über 200 km/h fahren. In der Nacht des 7. Oktober 2018 spannten bislang unbekannte Täter ein Stahlseil über die Strecke. Die von den Attentätern erhoffte Wirkung blieb jedoch glücklicherweise aus. Der ICE 821 aus Dortmund durchbrach um ca. 23:15 Uhr die hinterhältige Falle einfach. Der Lokführer bemerkte lediglich ungewöhnliche Geräusche, da sonst jedoch alles weiter funktionierte, setzte er die Fahrt fort. Am Zielbahnhof in München kontrollierte er die Front seines Zuges und bemerkte einen Schaden an der Frontscheibe. Verantwortliche der Bahn stellten zudem einen Kurzschluss an der Bahnstrecke fest. Dann passierte tagelang nichts.

Erst am 24. Oktober 2018 informierte die Bahn die Bundespolizei welche daraufhin den Tatort absuchte. Die Ermittler wurden auch fündig und konnten Reste des Stahlseiles sowie massive Holzkeile sicherstellen. Das bayerische LKA wurde in die Ermittlungen mit einbezogen. Einzelheiten geben die Ermittler bislang nicht bekannt. Die Holzkeile waren offenbar am Gleiskörper angebracht. Möglicherweise sollte der Zug hiermit zum Entgleisen gebracht werden. In Tatortnähe wurde auch ein Drohschreiben gefunden. Dieses ist in arabischer Sprache verfasst und enthält „abstrakte Drohungen“ wie die LKA-Ermittler vage formulieren. An einem Brückenpfeiler in der Nähe wurde zudem ein arabisches Graffiti entdeckt. Über den Inhalt von Drohschreiben und Schmiererei schweigen sich die Ermittler bislang aus. Mittlerweile ist neben dem LKA auch noch die Bayerische Zentralstelle zur Bekämpfung von Extremismus und Terrorismus, was im Zusammenhang mit dem in arabischer Sprache verfassten Drohbrief auf einen islamistischen Hintergrund schließen lässt.

Die Möglichkeit, dass hier der arabische Drohbrief die Ermittler auf eine falsche Fährte locken soll, kann ebenfalls nicht ausgeschlossen werden. Die etablierten Medien mutmaßen natürlich schon, dass Einwanderungskritiker den Anschlag verübt haben könnten, um diesen dann propagandistisch auszuschlachten (als wenn nicht schon genügend Terroranschläge und schlimmste Gewaltverbrechen von Einwanderern verübt worden wären). Zieht man hier jedoch Erfahrungswerte heran, so wäre noch eine weitere Tätergruppe wesentlich bedeutsamer zu durchleuchten. Die meisten Anschläge auf Bahnstrecken werden in der Bundesrepublik Deutschland aus linksextremistischer Motivation heraus begangen. Hier sind die in ihrer Ausdehnung niemals zu bewachenden Bahnstrecken ein beliebtes Ziel für feige Attentäter, die mit einem breiten Repertoire aufwarten können. Von Brandanschlägen auf Kabelschächte, dem Abtragen des Schotterbettes unter den Gleisen (sogenanntes Schottern), über sogenannte Gleisschuhe auf den Schwellen und Hakenkrallen in der Oberleitung ist in der Szene einiges fest etabliert. Bauanleitungen für derartige Kampfmittel finden sich regelmäßig in linksradikalen Untergrundzeitungen sowie auf einschlägigen Websites. Die Motivationen bei Anschlägen auf die Bahn AG sind in der linksextremen Szene vielschichtig. Sei es die „Kritik“ an Logistikleistungen an missliebigen Szenarien wie dem Castor-Transport, aktuell dem Braunkohleabbau im Hambacher Forst oder einfach der Fahrgastbeförderung vor nationalen Demonstrationen. Ebenso ist es in den Augen krimineller linker Extremisten legitime Kapitalismuskritik mit Brandanschlägen, zum Beispiel auf Kabelschächte des Berliner S-Bahnnetzes, den Verkehr einfach lahmzulegen. An entsprechenden Drohungen aus dieser Ecke mangelt es zudem nicht. Auch die Anschlagsart fand in diesem Bereich schon Verwendung. So wurden im Vorfeld der Ausschreitungen rund um die Eröffnung des Neubaus der Europäischen Zentralbank am 18. März 2015 an mehreren Frankfurter Kreuzungen Stahlseile und Ketten in Kopfhöhe zwischen den Ampelmasten gespannt. Hierdurch sollten die hindurchfahrenden Fahrzeuge (vor allem Polizeifahrzeuge) schwer beschädigt und deren Insassen verletzt werden.

Ob die Ermittlungen in diesem Fall zur Ergreifung der Täter führen können, muss mit Bangen abgewartet werden. Die Täter könnten aus dem missglückten ersten Anschlagsversuch wichtige Rückschlüsse für die Bauweise weiterer hinterhältiger Fallen erlangt haben. Der Umgang mit dem Vorfall von Seiten der Bahn AG und den Ermittlungsbehörden – ermittelt wird derzeit lediglich wegen gefährliche Eingriffs in den Schienenverkehr – lässt nicht gerade den Rückschluss zu, dass dem Fall die nötige Wichtigkeit zugesprochen wird.