Gleichheit als Kampfbegriff

Dass das Verständnis, das der Linksliberalismus vom Begriff der Gleichheit hat, sehr eigenwillig ist, um nicht zu sagen, konträr zu dem läuft, was die Allgemeinheit darunter versteht, weiß man in der BRD spätestens seit dem „Köterrasse“-Urteil. Bei diesem wurde ein Türke freigesprochen, der das deutsche Volk als „Köterrasse“ bezeichnet hatte, weil die Deutschen, im Gegensatz zu anderen Volksgruppen, keine äußerlich erkennbare Gruppe seien (wir berichteten hierDeutsche dürfen „Köterrasse“ genannt werden [+Video] ). Dies ist selbstverständlich kein Problem, welches auf die BRD beschränkt ist und ein kürzlich auf der amerikanischen Nachrichtenseite Vox erschienener Artikel zeigt, was sich wirklich hinter der Forderung nach Gleichheit verbirgt.

Der Aufmacher des Artikels ist im Grund irrelevant und handelt davon, dass ein Men’s Rights Activist (MRA) eine Brauerei verklagt hat, nachdem ihm fälschlicherweise erklärt wurde, dass er als Mann an einer an Frauen gerichteten Veranstaltung nicht teilnehmen könne. Die MRA-Bewegung, die in den USA starken Zulauf findet, wird zwar von den meisten als Reaktionär eingestuft, ist aber in Wirklichkeit, da sie eine tatsächliche Gleichheit fordert eher Feminismus für Männer, also eher links als rechts einzuordnen. So fordert sie beispielsweise, dass häusliche Gewalt gegen Männer ernst genommen wird oder dass Männer und Frauen in Sorgerechtsfragen gleichbehandelt werden sollen. Dass man dies im linken Spektrum als reaktionär bzw. als Angriff auf die Rechte von Frauen oder gar Hass auf Frauen wahrnimmt, liegt wie wir gleich sehen daran, dass sie Gleichheit für die Falschen fordern.

Der interessante Teil des Artikels beginnt, wenn Vox darauf zu sprechen kommt, dass diese Klage nicht die einzige, sondern Teil einer systematischen Kampagne ist. Unter anderem wurde schon gegen sogenannte Ladies Nights geklagt, bei denen Frauen in Bars weniger zahlen als Männer, und sogar gegen Donald Trump, da einer seiner Golfkurse im Zuge einer Aktion, die Aufmerksamkeit zum Thema Brustkrebs schaffen sollte, den Eintritt für Frauen ermäßigte. Da einige dieser Klagen erfolgreich waren und die hohen Anwaltskosten oft die Betroffenen zur Aufgabe zwangen, macht nun die Betreiberin der einleitend genannten Brauerei Ting Su mobil, um derartige Klagen zu unterbinden. Dem Magazin Eater sagte sie, dass sie „eine Gesetzesänderung anstrebt, die den Missbrauch des Unruh Acts [Ein kalifornisches Gesetz gegen Diskriminierung aufgrund von Geschlecht, Rasse oder anderer Faktoren] durch Karrierekläger minimiert, sodass kleine Unternehmen und Frauengruppen nicht ständig von solchen Klagen betroffen sind.“

Klagen gegen offensichtliche Ungleichbehandlung auf der Basis eines Gesetzes, das derartiges verbietet, als Missbrauch eben dieses Gesetzes zu bezeichnen ist, wenn man wie die meisten der „naiven“ Definition von Gleichheit anhängt, ein beeindruckender Akt mentaler Verrenkung. Doch Vox klärt uns glücklicherweise auf, wie dies zu verstehen ist.

Zunächst spricht Vox davon, dass vermeintlich rechte Aktivisten, die für Meinungsfreiheit eintreten, ihre linken Gegner wegen Beleidigung und Rufschädigung verklagen, die Meinungsfreiheit dieser einschränken würden. Direkt im Anschluss schreibt Vox:

„Dass diejenigen das Gesetz als Waffe gegen eben die Philosophie einsetzen, die sie selbst zu verteidigen vorgeben, ist ein Paradebeispiel in Ironie. Für MRAs ist dies, wenn nichtbehinderte, weiße, nichttransgender, heterosexuelle Männer die Civil Rights Gesetze [Gesetzte gegen Diskriminierung aller Art] – welche beschlossen wurden, um die Tradition des Landes zurückzurollen – die Rechte nichtbehinderter, weißer, nichttransgender, heterosexueller Männer als wichtiger als die der anderen anzusehen – dazu nutzen, eben die Sorte Menschen zu bestrafen, die diese Gesetze schützen sollten“

In anderen Worten Gleichheit ist kein universelles Recht. Gleichheit ist ein Sonderrecht, das nur Minderheiten für sich beanspruchen dürfen. Wenn weiße Männer nach Gleichheit verlangen oder über Diskriminierung klagen, dann ist dies ein Aufbegehren gegen die Täterrolle, die ihnen der moderne Linksliberalismus zuschiebt. An dieser Stelle sei erwähnt, dass nicht nur weiße Männer von dieser einseitigen Gleichheitsdefinition betroffen sind. Auch weiße Frauen oder schwarze Männer können, je nachdem in welche Beziehung man sie mit anderen potenziell höher in der Opferordnung stehenden Gruppen setzt, eine ähnliche Behandlung erwarten.

Abschließend ist es wichtig festzuhalten, dass es uns nicht darum geht, unseren Gegnern ihre Doppelstandards oder Publikationen wie Vox, Bento oder Vice ihre intellektuellen Unzulänglichkeiten vorzuhalten. So amüsant dies auch wäre, kämen wir zu nichts anderem mehr und erreichen würden wir damit nichts. Stattdessen geht es uns um das große Ganze und die politischen Implikationen, die diese Art von „Gleichheit“ für die weit oben auf der Täterskala stehenden – uns Deutsche, egal ob Mann oder Frau – bedeutet. Kurz gesagt, wer hofft, dass das Grundgesetz mit seiner Forderung nach Gleichbehandlung ihn als Deutschen einmal schützen wird, wenn er die Minderheit darstellt, wird ein böses Erwachen erleben. Man sagt in unseren Kreisen oft, dass derartige Rechte einmal nicht das Papier wert sein werden auf dem sie stehen, wenn andere schon bald die Mehrheit bilden, was natürlich korrekt ist. Wenn jedoch der eben beschriebene Geist herrscht, ist dazu jedoch noch nicht einmal ein offener und ehrlicher Bruch des Rechts nötig, weil der Rechtsbruch stattdessen im Gewand des Rechts selbst daherkommt und der Widerstand dagegen zum Rechtsbruch wird.

Betrachtet man die Anfänge der Bürgerrechts-, Schwulen- und Frauenbewegung, dann ist es verständlich, dass man damals an die guten Absichten der Involvierten glaubte, denn ihre Forderung war zunächst eine nach tatsächlicher Gleichbehandlung. Ob die damals vorhandene Ungleichbehandlung gerechtfertigt war oder nicht, ist eine andere Frage, aber dass sie bestand, steht fest.

Nachdem Gleichbehandlung in Gesetz und weitgehend auch in der Praxis umgesetzt waren, jedoch noch immer Ungleichheit in dem Sinne bestand, dass beispielsweise Schwarze noch immer öfters kriminell wurden, begann man Sonderrechte wie Quoten und Programme zur Förderung angeblich benachteiligter Minderheiten zu fordern.

In jüngster Zeit geht man jedoch noch weiter, indem man zusätzlich noch die Rechte der vermeintlichen Unterdrücker einschränken möchte. So führte das Evergreen State College 2017 einen Aktionstag unter dem Namen „Day of Absence“ durch, an dem weiße Studenten und Universitätsmitarbeiter dazu angehalten waren, nicht auf dem Campus zu erscheinen. Die Forderung nach sogenannten „Safe Spaces“, in denen nur bestimmte Minderheiten anwesend sein dürfen, geht in eine ähnliche Richtung. Beides ist selbstverständlich weit davon entfernt Gesetz zu werden und doch zeichnet sich hier ab, wohin die Reise geht.

Was auch immer die Intentionen der Bürgerrechtsbewegungen in den USA und anderswo gewesen sein mögen, die Gleichheit, die ihre modernen Ableger fordern, hat so viel mit tatsächlicher Gleichheit zu tun, wie die Liebe unter Menschen, die das Christentum einst predigte, mit echter Liebe zu tun hat. All die schönen Ideale, die man auf beiden Seiten des Atlantiks vor sich herträgt, sind nichts anderes als eine moralische Waffe. Die, die sie führen, mögen sogar an ihre eigenen Lügen glauben und mit den besten Absichten handeln, für uns, die wir in den Lauf dieser Waffe blicken, ändert dies jedoch rein gar nichts.

 

 





1 Comment

  • Bezüglich der angesprochenen „Köterrasse“: Meines Wissens nach wurde der Türke nicht freigesprochen, da die Staatsanwaltschaft Hamburg diese Anzeige aufgrund “ mangelndem öffentlichen Interesses“ nicht weiterverfolgt sondern die Angelegenheit schlicht eingestellt bzw. nicht zur Anklageerhebung weitergeleitet hat.

    Beauseant 14.11.2018

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