Feder und Schwert XXX – „Treu bis in den Tod“

Faithful unto Death“ – so der englische Originaltitel eines Gemäldes von Sir Edward John Poynter (1836-1919), welches zu jenen Bildern gehört, welche sprichwörtlich mehr als tausend Worte sagen. Und so bedürfte es vice versa tausend Worten, um jenes Bild zu beschreiben. Wir wollen den Versuch wagen.

Poynters Gemälde verdient wohl am ehesten und treffendsten die Bezeichnung „spenglerisch“, nach dem großen Kultur- und Geschichtsphilosophen Oswald Spengler (1880-1936). Ein Zitat Spenglers, welches an den Beginn unserer Beschreibung gestellt ebenso erhellend wäre wie am Ende, wollen wir uns für letzteres aufheben, um einen finalen Schliff für unsere Betrachtung zu erhalten.

Im Jahre 79. u. Z. brach in Italien der Vesuv aus und begrub die Stadt Pompeji unter seinem Regen aus Asche und Feuer. Unter den zahlreichen Opfern, welche von Archäologen bisher ausgegraben worden sind, findet sich auch ein römischer Legionär, welcher direkt an seinem Wachposten entdeckt worden ist. Der Legionär blieb, da ihn niemand abgelöst hatte, trotz des über ihn hereinbrechenden Infernos, auf seinem Posten und erfüllte die ihm aufgetragene Pflicht, Wache zu halten. Poynters Gemälde stellt jenen Legionär dar, wie er dem sicheren Tod ins Auge blickt und dennoch nicht wankt, sondern aufrecht stehen bleibt. Der Legionär steht in einem kleinen, etwa drei Meter langen Torbogen, welcher breit genug ist, daß zwei Männer gerade aneinander vorbeigehen können. Der Legionär wendet, seinen Speer fest umklammernd, den Blick gen Himmel. Vor ihm liegen eine zerbrochene Schale und mehrere Münzen, welche der Legionär in keinster Weise beachtet. Im Hintergrund, am anderen Ausgang des Torbogens, sieht der Betrachter die brennenden Straßen Pompejis. Rauch steigt aus den brennenden Häusern auf, große Feuerbrocken stürzen auf die Menschen herab, die sich auf der Straße befinden. Zwei von ihnen liegen bereits reglos am Boden, neben ihnen, im Staub, ihre Kostbarkeiten. Eine Frau klammert sich verzweifelt an einen Mann, auf welchen ein Feuerbrocken zuschießt. Neben ihnen krümmt sich ein weiterer Mann, eine goldene Vase fest umklammernd, welcher versucht, dem Inferno zu entkommen. Eine andere Frau drückt sich an die gegenüberliegende Wand und versucht auf diese Weise, nicht vom herabregnenden Feuer getroffen zu werden.

Doch all dies berührt den Legionär nicht. Ihm obliegt es, auf seinem Posten zu verharren. Nicht nur die materiellen Besitztümer der Pompeianer, sondern das Leben selbst offenbart sich ihm in dieser wahren letzten Stunde als vergänglich. Was jedoch nicht vergänglich ist, ist seine soldatische Pflicht, welche er gegenüber seiner Stadt und seinem Vaterland hat. Nur diese macht ihn in den Augen seines Volkes unsterblich.

Am Ende seiner Schrift Der Mensch und die Technik schreibt Oswald Spengler Folgendes. Jeder Mann, der Poynters Gemälde vor Augen hat, möge sie sich ins Gedächtnis rufen, auf daß auch er um die Vergänglichkeit der Dinge und die Ewigkeit der Taten wisse.

Lieber ein kurzes Leben voll Taten und Ruhm als ein langes ohne Inhalt. Die Gefahr ist so groß geworden, für jeden einzelnen, für jede Schicht, jedes Volk, daß es kläglich ist, sich etwas vorzulügen. Die Zeit läßt sich nicht anhalten; es gibt keine weise Umkehr, keinen klugen Verzicht. Nur Träumer glauben an Auswege. Optimismus ist Feigheit. Wir sind in diese Zeit geboren und müßen tapfer den Weg zu Ende gehen, der uns bestimmt ist. Auf dem verlorenen Posten ausharren ohne Hoffnung, ohne Rettung, ist Pflicht. Ausharren wie jener römische Soldat, dessen Gebeine man vor einem Tor in Pompeji gefunden hat, der starb, weil man beim Ausbruch des Vesuv vergessen hatte, ihn abzulösen. Das ist Größe, das heißt Rasse haben. Dieses ehrliche Ende ist das einzige, das man dem Menschen nicht nehmen kann.

Feder und Schwert ist die Kolumne der Netzseite der nationalrevolutionären Partei Der III. Weg. Sie erscheint regelmäßig an jedem 2. Sonntag.