Die steigende Verrohung der Gesellschaft

Nachrichten, die beim Lesen für verstärktes und verständnisloses Kopfschütteln sorgen, haben besonders in der letzten Zeit zugenommen. Immer wieder wird von Geschehnissen berichtet, bei denen es einem sprichwörtlich die Sprache verschlägt. Wirft doch die Tat oftmals einen verzerrenden Schatten auf die sich sonst immer als schillernde und tolerante, schöne heile Welt stilisierende Gesellschaft.

So machte am 15. April 2019 eine Untat in Nordrhein-Westfalen von sich reden, welche einmal mehr zeigt, welchen Kurs dieses babylonische und kapitalistische Zusammenleben eingeschlagen hat. Wie auf Welt.de zu lesen war, wurde erneut ein Lokführer das Opfer eines besonders niederträchtigen und arglistigen Angriffs.

Die zur Zeit noch unbekannten Täter hatten vier Gullydeckel in der Nacht zuvor in Hilchenbach in NRW entwendet und diese kiloschweren Objekte dann von einer Brücke mittels Seilen und Ketten herabhängen lassen. Unter der Brücke fährt die Regionalbahn 93 hindurch. Dabei achteten die Täter wohl mit Bedacht darauf, dass die Gullydeckel auch auf jeden Fall auf Höhe der Fahrerkabine des Lokführers hingen. Als dann am Samstagmorgen gegen 6:25 Uhr die RB93 dieses Gleisbett bei Bad Berleburg erreichte, schnappte die Falle zu! Zum Glück des Lokführers duckte sich dieser geistesgegenwärtig zur Seite weg und entging dadurch diesem gezielten Mordanschlag. Die Gullydeckel durchschlugen das Glas der Fahrerkabine und verletzten den Lokführer nur noch leicht. Er erlitt einen mittelschweren Schock. Der Fall wird nun von der Mordkommission der Polizei in Hagen untersucht.

Nach aktuellem Ermittlungsstand steht nun der Lokführer selbst unter Verdacht, die Gullydeckel aufgehangen zu haben. Es wurden am Tatort an den Gullydeckeln bzw. an den Seilen seine DNA Spuren gefunden. Der Lokführer bestreitet die Tat.

Solche Angriffe sind jedoch bedauerlicherweise keine Seltenheit mehr. So Twitterte ein Lokführer, daß am 13. April 2019 einem Kollegen zwischen Bad Berleburg und Siegen ein Einlaufgitter ins Führerhaus geworfen wurde.

Bei Dortmund präparierten Unbekannte im Februar ein Gleisbett mit Gehwegplatten und Autoreifen. In Euskirchen baumelte Anfang des Jahres ein Seil mit einem schweren Stein von einer Brücke und durchschlug ebenfalls eine Zugscheibe.

Unvergessen ist auch der Angriff nahe Allersberg, bei dem ein Stahlseil über die ICE-Strecke Nürnberg-München gespannt wurde.

Ähnliches wiederholte sich dann in Berlin noch einmal.

Wie billigend dabei das Verletzen oder auch Töten von unschuldigen Passagieren in Kauf genommen wird, ist äußerst erschreckend.

Nicht anders verhält es sich mit der Schaulust von Gaffern, die aus Sensationsgier oftmals eine Hilfe unterlassen und lieber mit ihrem Handy Fotos schießen, um diese dann sofort ins Netz zu stellen. Mittlerweile hat das sogar solche Ausmaße angenommen, daß die Baden-Württembergische Landesregierung nun verstärkt Druck auf Bundestag und Bundesrat ausüben will, damit endlich das Filmen und Fotografieren von Toten durch Gaffer unter Strafe gestellt wird.

Bisher schütze das Gesetz nur die Rechte von lebenden Personen und nicht von Toten.

Was einen Menschen dazu bewegt, eine frisch verstorbene Person zu fotografieren und diese dann gleich publik zu machen, bleibt jedem Menschen mit einem normalen Gespür für Ethik unverständlich. Jeglicher Anflug von Etikette und Sensibilität sich in dieser Situation rücksichtsvoll zu verhalten, scheint der Gier, kurz im Mittelpunkt stehen zu können, zu weichen.

Die Sensationslust geht sogar so weit, dass Rettungskräfte und auch Notärzte bei ihrer Arbeit von Gaffern behindert werden, sich sogar teilweise den Weg zum Geschädigten durchkämpfen müssen.

Als Beispiel sei der 28. Februar 2019 in Ahlen bei Westfalen angeführt, bei dem Rettungskräfte behindert und dann sogar noch mit dummen Sprüchen angepöbelt wurden Siehe tz.de

Oftmals wird sogar eher gefilmt oder fotografiert, anstatt der Person zu helfen.

Doch gerade die Rettungskräfte oder auch Krankenschwestern, Pfleger und Ärzte werden nicht nur bei ihrer Arbeit behindert, sondern oftmals sogar selbst zum Opfer von Übergriffen. Diese Übergriffe auf Menschen, die versuchen zu helfen, sich dabei gar selbst in Gefahr bringen, um zu retten, sind immer häufiger von brutaler Natur. Hierbei ist eine steigende Tendenz zu beobachten, wie eine Studie vom Januar 2018 „Gewalt gegen Einsatzkräfte der Feuerwehren und Rettungsdienste in Nordrhein-Westfalen“ offenlegte.

Wenn man sich die Zahlen davon mal so ansieht, kann man leicht dem Denken verfallen, daß das ja nun nicht so die hohen Zahlen sind. Dort ist dann zu lesen „Im Verhältnis zu den gefahrenen Einsätzen wurden Rettungskräfte und Feuerwehrleute im Jahr 2012 bei jedem 6.805ten Einsatz attackiert, fünf Jahre später schon bei jedem 6.424ten.“ Davon sollte man sich aber nicht blenden lassen, denn weiter unten im Text wird ausgesagt, daß 80% der betroffenen Rettungskräfte nach einer Studie die Übergriffe erst gar nicht melden. Die Lage hat sich nach einem Bericht vom 8. Januar 2019 insofern verschlimmert, daß nun kaum ein Tag vergeht, bei dem Rettungskräfte wie die Feuerwehr nicht angepöbelt oder gar angegriffen werden. (siehe Feuerwehrmagazin)

Die Polizei selbst wird da sicherlich nicht besser behandelt werden, denn auch von ihnen wird mangelnde Respektlosigkeit gegenüber der Staatsmacht berichtet. Wie auch bei den Rettungskräften ist auch bei der Polizei die Dunkelziffer der nicht gemeldeten Übergriffe wahrscheinlich sehr hoch.

Woher diese Verrohung der Gesellschaft mit all ihren häßlichen Facetten schlußendlich kommt, ist schwer zu beantworten. Was mit Sicherheit eine Rolle spielt, ist der Verfall von Werten, von Respekt und dem Gefühl für Anstand. In diesem Völker-Flickenteppich BRD mit seiner kapitalistischen Prägung und seiner Liebelei zu allem Fremden wird die eigene Kultur vernachlässigt. Die Wurzeln, die einen in jedem Sturm festhalten und Standhaftigkeit verleihen, werden gezielt abgeschlagen und vergiftet. Das Geld und die Macht wird als dominierender Gott verherrlicht und auch suggeriert.

Um in diesem Strudel noch einen Platz zu finden, bei dem man „gesehen“ wird, benötigt es schon scharf geschliffener Ellenbogen und eine gewisse Kaltherzigkeit. Vielleicht kommt daher diese Sensationslust, die oftmals darin gipfelt, dass alles und jeder gleich fotografiert wird, um es dann in sozialen Netzwerken zu teilen. Der Wunsch „gesehen“ zu werden, wie ein Schrei nach Aufmerksamkeit.

In einer Kultur beheimatet zu sein, ein Teil davon zu sein, verleiht natürlich auch eine gewisse Standhaftigkeit; da dies aber durch die Medien in vielen Fällen unterschwellig untergraben wird (gelebter Narzissmus, Selbstverwirklichung, falsche Freiheit usw.), sind die Menschen wurzellos wie ein Blatt im Wind. Das kann zu einer Art Aggression führen, die sich dann bereits durch leichte Reibung entladen kann. Ein Fremder im fremden Revier wird immer angespannt sein, denn er weiß nicht, was auf ihn lauert.

So ist es schwer zu sagen, was denn nun Schuld daran ist, dass unsere Gesellschaft derart verroht. Nüchtern betrachtet kann man aber sagen, daß genau dieser Gesellschaft offensichtlich etwas fehlt.

Das Gefühl, zusammen zu gehören, Teil einer Familie zu sein. Einen Platz zu haben, damit sich die Wurzeln wieder in Erde schlagen können. Gefestigt durch Brauchtum, Kultur und Abstammung.

Das Gefühl, gebraucht zu werden in einem Volk, das erkannt hat, daß es zusammen stehen muß.





1 Comment

  • Was für die Verrohung und fehlende Gemeinschaft sorgt? Die Antwort ist schnell gefunden und liegt eigentlich auf der Hand.
    Man möge sich einmal die offizielle Zahl derer Menschen, die weltweit im Gefängnis sitzen, ansehen: Es sind ihrer 8 millionen Insassen.
    Bei einer Gesamtbevölkerung von rund 7.600.000.000 Individuen eine doch eher geringe Zahl, richtig? Ja, völlig ihm Rahmen.
    Doch nun kommt eine weitere Komponente hinzu, über die es nachzudenken gilt: Von diesen acht millionen Häftlingen stammen 1.000.000 Insassen aus den Vereinigten Staaten von Amerika, also einem kulturbefreiten, mit dutzenden Ethnien bevölkerten Land. Jeder achte Insasse eines Gefängnisses stammt also aus einer Mischgesellschaft, in der es – oh Wunder – mit dem Zusammenhalt und der Moral nicht weit her ist.

    Um die Verhältnisse der kriminellen Energie einer Mischkultur zu verdeutlichen, gebe ich die Zahlen in absoluten Prozentsätzen an:

    Die weltweite Zahl der in Gefängnissen Inhaftierten beträgt weniger als 0,005% der Gesamtbevölkerung (derzeit etwa 7,6 milliarden Menschen).
    Die Zahl der aus den Vereinigten Staaten stammenden Häftlinge hingegen beträgt 2,42% der Landesbevölkerung (derzeit rund 330.000.000 Menschen).

    Es läßt sich also mit Fug und Recht behaupten, daß eine Mischkultur wesentlich zur Erhöhung der Kriminalität beiträgt. Europa muß sich nun überlegen, ob es den selben, abartigen Weg einschlagen möchte.

    Thomas G. 01.05.2019