Feder und Schwert XLI – Prinzessin Mononoke

Von August 1994 bis zum Juni 1997 schufen der Japaner Hayao Miyazaki und das japanische Filmstudio Ghibli zusammen mit über dreihundert Beteiligten das animationsfilmische Meisterwerk Prinzessin Mononoke. Nun erfüllen japanische Animationsfilme freilich nicht jedermanns Geschmack und ebenso kommen uns nicht nur im Filmischen generell, sondern gerade auch beim Animationsfilm etliche Geschmacklosigkeiten entgegen – dennoch lohnt sich Prinzessin Mononoke für jeden Mann aufrechter Gesinnung, sofern er sich aus Überzeugung nicht jeglicher Unterhaltungsfilme fernhält – eine Position, deren Standpunkt man durchaus nachzuvollziehen vermag. Wieso nun dieser Film? Daß er ein weltberühmtes Meisterwerk, nicht zuletzt auch aufgrund seiner herausragenden Filmmusik, ist, genügt nicht. Es sind die Botschaft, der Kampf, die Wahrhaftigkeit, welche sich hinter dem Streifen verbergen. Gibt auch die offenkundige Intention des Films grundsätzlich eher Stoff für Anhänger der politischen Rechten – wir wollen sie so nennen – und weniger Ergötzung für die entarteten und entartenden Wurzellosen, so erlaubt der Film eine noch stringent radikalere Lesart, als jene im Film direkt ausgedrückte.

Die Handlung spielt in der Muromachi-Zeit (1336-1573). Nach Aussage Hayao Miyazaki war dies„[] eine unvorhersehbarere und ungewissere Zeit, großmütiger und freier, mit weniger klaren Klassenunterschieden zwischen Kriegern und Dorfbewohnern, wie sie in den Zeichnungen von Handwerkern und Händlern dargestellt sind. In solchen Zeiten waren die Konturen von Leben und Tod sehr klar. Die Menschen haben gelebt, geliebt, gehasst, gearbeitet und sind schließlich gestorben. Das Leben war nicht voll von Mehrdeutigkeiten. Hier liegt der Sinn der Erschaffung dieser Arbeit [Prinzessin Mononoke], während wir der chaotischen Ära des 21. Jahrhunderts entgegenblicken. […] Es kann nie ein glückliches Ende zwischen dem Kampf von Menschen und wilden Göttern geben. Dennoch, trotz Hass und Übeln, ist das Leben wert, gelebt zu werden. Es gibt die Möglichkeit für wunderbare Begegnungen und die Existenz von wunderschönen Dingen.“

Wir wollen zunächst einen kurzen Abriss über die Handlung des Films geben, uns dann die offenkundige Aussage von eben diesem betrachten, um schließlich zu versuchen, eine theoretische Intention zu erkennen, welche sich noch tiefer verbirgt. Daß jener versuchte Tiefengang nicht zuletzt wage, bis gewagt bleiben muss und von der Sicht des Autors geprägt ist, versteht sich von selbst. Der junge Ashitaka lebt als letzter Prinz des vor langer Zeit vertriebenen Volkes der Emishi im hohen Nordosten Japans. Das schwindende Volk lebt ein einfaches Leben fernab großer Städte. Eines Tages kommt ein gewaltiger Dämon in die Nähe des Dorfes und greift dieses an. Ashitaka kann den Dämon mit einem Pfeil niederstrecken und sein Dorf retten. Doch der Dämon, der sich nach Auflösung seiner ungeheuerlichen Gestalt als gewaltiger Eber entpuppt, verletzt Ashitaka vor seinem Tod und behaftet diesen mit einem Fluch, welcher ihn langsam von innen auffressen wird. Der Fluch manifestiert sich als ätzende Wunde an Ashitakas rechtem Arm, die zuweilen geisterhafte Kontrolle über dessen Körper gewinnt.

Im Körper des Ebers findet die Seherin des Dorfes eine metallene Kugel, welche diesem zeitlebens solche Schmerzen bereitete, daß er sich von Hass und Schmerz zerfressen in einen Dämon verwandelt hatte. Um hinter den Ursprung der mysteriösen Kugel zu kommen und seinem Schicksal entgegenzutreten, verläßt Ashitaka sein Dorf und zieht nach Westen. Auf seinem Weg trifft er auf eine Ansiedlung, welche von einem Samuraifürsten angegriffen wird, welcher sich auf Eroberungsfeldzug befindet. Um eine Bäuerin vor einem Krieger zu retten, feuert Ashitaka nach erfolgloser Aufforderung, die Kampfhandlung einzustellen, im Zorn einen Pfeil auf den Krieger ab. Hierbei bemächtigt sich der Fluch seiner und verleiht ihm solch eine Kraft, daß er mit dem Pfeil beide Arme des Kriegers abtrennt. Der Fluch des Hasses hat auf ihn übergegriffen und verleiht ihm infernalische Kraft. Um weiteren Kampfhandlungen zu entgehen, flieht Ashitaka. Auf seinem weiteren Weg findet er einen verletzten Lastenträger in einem Fluss, welchen er rettet. Dieser gehört einer Karawane an, die auf ihrem Weg zur Eisenhütte der Herrin Eboshi von den beiden Jungen der Wolfsgöttin Moro angegriffen worden war. Von dem Verletzten in die Eisenhütte geführt – eine rauchende industrialisierte Ausgeburt inmitten eines einstmals schönen Sees, umgeben von gerodeten Waldflächen – findet Ashitaka den Ursprung der metallenen Kugel.

Sie stammt aus dem Gewehr der Herrin Eboshi, die die Eisenhütte anführt und einen persönlichen Kleinkrieg mit ihren Soldaten gegen die Wolfsgöttin, ihre beiden Jungen und das bei jenen aufgewachsene Mädchen San führt. Die Herrin Eboshi versucht, stets mehr Wald zu roden, um an Bodenmaterial für ihre Eisenhütte zu kommen, weshalb die Wölfe und das Wolfsmädchen sie töten wollen. Bevor die Herrin Eboshi gekommen war, so berichten die Arbeiter der Hütte, hatte ein mächtiger Eber mit seinen Wildschweinen die Arbeiter stets zurückgedrängt. Als die Herrin Eboshi mit ihren Gewehren kam, vertrieb sie den schwer verwundeten Eber, welcher in seinem Schmerzenswahn bis zu Ashitakas Volk gefunden hatte. Neben vielen Männern, die im Film oftmals eher tölpelhaft oder naiv erscheinen, arbeiten in der Eisenhütte vor allem ehemalige Prostituierte, die die Herrin Eboshi für diese Arbeit freigekauft hatte, und Lebrakranke, welche die persönlichen Waffenschmiede der Eboshi sind. Die Herrin Eboshi erläutert Ashitaka, daß sie plant, den großen Waldgott, Herrscher über Leben und Tod, zu töten und so ein für alle mal den Wald für sich zu gewinnen. Die Versuche Ashitakas, sie von dem Wahnsinn solch eines Vorhabens zu überzeugen, schlägt sie in den Wind. Ein kurz darauf unternommenes nächtliches Attentat des Wolfsmädchens San auf die Herrin Eboshi wird durch Ashitaka vereitelt, indem er die beiden Kämpfenden niederschlägt.

Die Arbeiter und Soldaten wollen Ashitaka mit der bewusstlosen San nicht aus der Stadt laßen, jedoch gelingt es diesem durch die Kräfte des Fluches, das große Eingangstor emporzuheben und die Eisenhütte zu verlaßen. Ashitaka wird jedoch durch einen Schuss schwer verwundet und kann gerade noch weit genug von der Eisenhütte wegkommen, bevor er zusammenbricht. Die wieder zu Bewusstsein gekommene San rettet ihn widerwillig, indem sie ihn zum Waldgott bringt, der seine Wunde heilt. Schlußendlich kommt es zum großen Finale, als die Herrin Eboshi mit speziell hierfür entsandten Jägern des Tennos (der Kaiser frönt dem Glauben, der Kopf des Waldgottes mache unsterblich) zur Heimstätte des Waldgottes zieht, während die Eisenhütte von dem bereits erwähnten Samuraifürsten belagert wird und die Männer der Eboshi sich einem gewaltigen Wildschweinheer stellen, welches zur entscheidenden Schlacht aus ganz Japan angerückt ist, um den Wald zu verteidigen.

Die Eisenhütte kann durch die Arbeiterinnen dank der Gewehre gehalten, das Wildschweinheer vollständig mittels Bomben und Granaten aufgerieben werden und der Herrin Eboshi gelingt, trotz des friedlichen Versuchs des Waldgottes, sie durch Manipulation ihrer Waffe zu beruhigen, der Schuß auf diesen, welcher des Waldgottes Kopf vom restlichen Körper abtrennt. Der Waldgott, seines Kopfes nun beraubt, verwandelt sich in einen alles verschlingenden Dämon und droht, alles Leben zu vernichten. Im Tumult wird der Herrin Eboshi durch die bereits totgeglaubte Wolfsgöttin mit letzter Kraft der Arm abgebissen. Es gelingt Ashitaka mit Sans Hilfe, den Kopf zurückzuholen und den Waldgott zu befrieden. Hieraufhin stürzt sich der Waldgott auf die Eisenhütte und vernichtet diese. Auf den gerodeten Feldern und den Ruinen der Eisenhütte wachsen Gras und Blumen – die Natur siegt. Die durch den Verlust ihres todbringenden Armes geläuterte Eboshi schwört, eine neue bessere Stadt aufzubauen, welche die Natur respektiert.

Die oberflächliche und gewiss auch korrekte und ansprechende Lesart ist die, daß der Mensch niemals gegen die Natur gewinnen kann. Er ist ein Teil dieser und muss mit dieser, nicht gegen diese leben. Industrialisierter Hochmut, verkörpert durch die Herrin Eboshi, führen unweigerlich zum Verderb. Hayo Miyazaki: „Ich werde Feindseligkeit darstellen, doch dies geschieht, um zu zeigen, daß es noch etwas Erstrebenswerteres gibt. Ich werde die Last eines Fluches zeigen, um die Freude der Befreiung zu verdeutlichen.“ Da sich die Menschen von der Natur abgewandt haben und nur noch das Materielle, den Profit im Auge haben, ziehen sie den Zorn der Natur auf sich, welche sich unweigerlich zur Wehr setzt.

Doch es soll noch ein weiterer Versuch unternommen werden, den Film nicht etwa anders, sondern in seiner Ursprungsintention noch tiefgreifender, stärker auf unsere tatsächliche Zeit, mit all ihren Irrungen und Wirrungen, zu sehen und zu deuten. Beginnen wir mit dem schwindenden Volk der Emishi, deren letzter Prinz Ashitaka gezwungen ist, sein Volk zu verlassen und es damit unweigerlich dem Untergang preiszugeben. Auch wir leben in Zeiten schwindender Völker, die unterzugehen drohen. Deren Rettung ist nicht in Sicht – wie Ashitaka, müssen auch diese ihre letzten Prinzen opfern, welche sich einem Fluch stellen müssen. Dem Fluch des volksauflösenden Multikulturalismus, eingebettet von Kulturmarxismus und Selbsthass. Im Film ist der Ursprung des Fluches eine Gewehrkugel. Diese fungiert als Sinnbild industrialisierter Zerstörung. Im Film ermöglichen Bomben und Gewehre die Vernichtung der Wälder, um sie der Industrie und damit dem Kapital zuzuführen. Die friedlichen Versuche der Affen, des Nachts neue Bäume zu pflanzen, werden durch Warnschüsse der Herrin Eboshi persönlich unterbunden.

Betrachten wir uns die Zusammensetzung der Arbeiterschaft der Eisenhütte. Die Männer, insbesondere der von Ashitaka gerettete Lastenträger, werden immer wieder zum Ziel des Spotts der Weiber der Eisenhütte, die, wie bereits erwähnt, allesamt aus Bordellen stammen. Könnte dies wohl eine Anspielung für die Geschlechterbeziehung unserer Zeit stehen? Es hatte einst manchen Leser böse aufgeschlagen, doch gerade deswegen soll an dieser Stelle noch einmal auf „Feder und Schwert XXIXVaterländer ohne Väter“ verwiesen werden. In dieser Ausgabe der Kolumne wurde über die Bedeutung von Ehescheidungen und Familientrennungen für das Verständnis des Vaterlandes nachgedacht. Ist es Zufall, daß die große Zerstörerin der Natur als Frau in Form der Herrin Eboshi auftritt? Diese wird ihrer Fehler erst bewußt, als man sie gewaltsam entwaffnet – als die Wolfsgöttin ihr mit letzter Kraft den Arm abbeißt und sie somit unwiderruflich unschädlich macht. Die Herrin Eboshi kann keinen Gewehrabzug mehr betätigen. Nicht, weil man sie durch Logik und Fakten überzeugt hat, darauf hatte sie nie gehört, sondern weil sie mit nackter Gewalt bezwungen wurde.

Der Vergleich zur modernen feministischen Frau drängt sich auf, die von Fakten und Logik nichts hören will, mit dem Begriff der Eigenverantwortung nichts anzufangen weiß, bis sie durch ihre Unverantwortlichkeit mit dem Rücken zur Wand steht. Die in unserer Zeit zugleich bestehende Machtlosigkeit des Mannes wird auch auf versteckte Art im Film dargestellt. Als die Samurai, die die Eisenhütte belagern und diese für ihren Fürsten einnehmen wollen, werden sie, die sie unter Aufbringung ihrer männlichen Tugenden in Reih und Glied gegen die Mauern vorrücken, schlichtweg von den Frauen auf den Mauern mittels Gewehren weggebombt. In einer Szene schießt die Herrin Eboshi zwei Truppenführer hintereinander vom Pferd. Ein verdecktes Sinnbild für die moderne Frau, die selbst fähige und gestandene Männer ohne weiteres durch Scheidung zu Fall bringt? Ein gewagter Vergleich, in der Gesamtheit der Betrachtung jedoch nicht allzu abwegig. Natürlich ist dies auch ein Sinnbild für den Verlust männlicher Tugenden im Rahmen zunehmender Industrialisierung und Technisierung, die scheinbar keinen Platz mehr für solche laßen. Möglicherweise hilft zum besseren Verständnis die Lektüre Evolas über die Eigenheiten der Geschlechter, welche er u.a. 1958 in Metaphysik des Sexus untersucht hat.

Nicht unerwähnt bleiben darf die Tatsche, daß die Herrin Eboshi ihr Mordwerkzeug von Aussätzigen anfertigen läßt. Im Film gibt sie dafür eine pseudohumanistische Erklärung ab, daß sie diesen armen Seelen nun wieder einen Platz biete. Aussätzige der Gesellschaft, nun „gesellschaftsfähig“ gemacht, als Helfershelfer zur Vernichtung der Natur bzw. Schönen? Der Leser würde sich leidig vorkommen, wenn an dieser Stelle tatsächlich eine allzu offenkundige Parallele aus unserer Zeit angeführt wäre. Ebenfalls von Bedeutung ist die Haltung der Protagonisten des Films bezüglich der Natur und ihrer Geister, Götter und Dämonen. Ashitaka, welcher einem alten und stolzen, wenn auch dem Untergang entgegensehendem Volk, angehört, hat generell überhaupt so etwas wie einen metaphysischen Sinn für das Geisterhafte und Göttliche in der Welt, welchem er hohen Respekt entgegenbringt. Selbst das zu einem Dämon gewandelte Wildschwein zu Beginn des Films versucht er zuerst, mittels flehender Bitten von dessen Angriffsplänen abzubringen. Erst als dies misslingt, greift er zu Pfeil und Bogen.

Sein krasser Konterpart, die Herrin Eboshi, das unersättliche Kapital auf materialistischer Grundlage symbolisierend, hat für die alten Geschichten der Götter nur Spott und Hohn übrig. Für sie wird die Jagd auf den Waldgott zum schönen Sport, eine Herausforderung ohne jegliche Konsequenz, aber auch zum Tor für noch mehr Reichtum. Bevor sie aus ihrem Versteck herausbricht und auf den Waldgott anlegt, sagt sie an ihre Männer gewandt: „Paßt gut auf, ich zeige euch jetzt, wie man einen Gott tötet.“ Jegliche Achtung für das Transzendente ist ihr fremd. Der Fluch, von dem Ashitaka befallen wird, gibt ebenfalls einige interessante Aspekte auf. Im Film wird der Hass als Grund des Fluches benannt bzw. manifestiert sich der Fluch in grenzenlosem Hass, oftmals macht es jedoch mehr den Eindruck – im Falle Ashitakasdaß es Zorn ist, der den Fluch aktiviert bzw. kurzfristig Herr über Ashitaka werden läßt.

Es ist jene Zorneskraft, die ihm überhaupt ermöglicht, manches zu meistern – sei es, seine Verfolger zur Strecke zu bringen oder aus der Eisenhütte zu entkommen. Ohne seinen Zorn hätte Ashitaka niemals sein endgültiges Ziel erreicht. Es sei an den Kirchenvater Thomas von Aquin (1225-1274) erinnert, der den Begriff des heiligen Zorns geprägt und einst verkündet hat, daß der Zorn Voraussetzung für den Mut sei. Könnte es sein, daß jener Fluch sich entlädt, wie derjenige, der Ungeheuer jagt, Gefahr läuft, selbst zum Ungeheuer zu werden? Ist es jener Abgrund, der irgendwann zurück starrt?

Prinzessin Mononoke ist ein filmisches Meisterwerk, das sich wie kaum ein anderer Film zu sehen lohnt. Mag man auch über die tiefsten Intentionen des Films streiten, sind seine offenkundigeren, welche gewiß genügsam Tiefe bieten, und seine bildliche und musikalische Wirkungskraft ein Fest fürs Auge, das den Trübsal der modernen Welt zumindest für einen Moment erblassen läßt.

 

Feder und Schwert ist die Kolumne der Netzseite der nationalrevolutionären Partei “Der III. Weg”. Sie erscheint in regelmäßigen Abständen.





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