Investoren kaufen sich ins Gesundheitssystem der BRD

Während man in der BRD noch darüber diskutiert, ob man etwas dagegen unternehmen solle, dass Investoren dabei sind, noch die letzte Immobilie an sich zu raffen, hat das ewig hungrige Kapital schon sein nächstes Ziel ins Auge gefasst. Nach den eigenen vier Wänden ist die Gesundheit an der Reihe zum Spekulationsobjekt zu werden. Hierzu dienen die sogenannten Medizinischen Versorgungszentren (MVZ), welche von Private-Equity-Gesellschaften gegründet oder gekauft werden. In diesen sind Ärzte nur noch Angestellte, die keinen Einfluss mehr auf den Betrieb und vor allem die Zielsetzung der Behandlung haben. Die Sorge ist, dass MVZs in Investorenhand Letzteres nicht länger am Wohl des Patienten ausrichten, sondern an der Gewinnmarge.

 

 

 

 

 

 

 

Schlecht durchdachtes Gesetz mit Folgen

MVZs sind Einrichtungen zur ambulanten Versorgung, die 2003 mit dem Gesetz zur Modernisierung der gesetzlichen Krankenversicherung unter der Regierung Schröder und der SPD Bundesgesundheitsministerin Ulla Schmidt möglich gemacht wurden. Das Gesetz war schon von Anfang an bei der Ärzteschaft umstritten und seitdem warnt diese vor seinen Folgen. Eine der kritischen Punkte ist, dass nicht nur Ärzte ein MVZ gründen können, sondern auch Krankenhäuser, Apotheken und andere Gesundheitseinrichtungen. Eine 2012 beschlossene Gesetzesänderung schränkte den Kreis der möglichen Gründer auf Vertragsärzte, Krankenhäuser und Dialysedienstleister ein, um die „Unabhängigkeit medizinischer Entscheidungen zu sichern“.

Am Kernproblem hat dies jedoch nicht viel geändert, denn Investoren wählen den Umweg über Krankenhäuser, die sie zunächst kaufen, um dann anschließend MVZs zu gründen oder zu übernehmen. Die Zahl dieser Übernahmen ist in den letzten Jahren stetig steigend, wie das Deutsche Ärzteblatt schon 2018 berichtete. Demnach habe es 2017 70 Übernahmen von Gesundheitseinrichtungen durch private Investoren aus dem In- und Ausland gegeben. Im Folgejahr waren es bis August schon 36. Der Schwerpunkt lag 2017 dabei auf MVZs und Pflegeeinrichtungen. Besonders Letztere dürften in Anbetracht der Überalterung der Gesellschaft in Zukunft ein immer größeres Interesse wecken.

 

Industrialisierung der Gesundheitsleistungen“

Auch generell ist die Zahl der MVZs steigend. Waren es 2014 noch 2073, stieg ihre Zahl 2018 auf 3173. 2015 sorgte das GKV-Versorgungsstärkungsgesetz laut Jessica Hanneken von der Deutschen Apotheker- und Ärztebank dafür, dass ein starker Zuwachs von MVZ in der Zahnmedizin zu verzeichnen sei. Aktuell gebe es rund 600 von diesen Einrichtungen. Hanneken zufolge bedrohten MVZs, wenn diese, wie es bei Investoren üblich sei, in arbeitsteiligen, quasiindustriellen Zusammenschlüssen betrieben würden, auch herkömmliche Praxen, da Praxisketten beispielsweise organisatorische Kosten besser verteilen könnten.

Ihr zufolge wird daher schon von einer „Industrialisierung der Gesundheitsleistungen“ gesprochen und es sei offen, wer sich in diesem Wettbewerb durchsetze. Gesundheitsminister Spahn (CDU) meint indes, dass das Bundesministerium für Gesundheit keine Anhaltspunkte für eine Gründungs- oder Umwandlungswelle sehe. In Anbetracht der Warnungen diverser Ärzte und Experten, hätte man hier eine klarere Ansage erwartet. Ganz offensichtlich hat man aus dem Desaster am Immobilienmarkt nichts gelernt. Dass die Gefahren und Sorgen der Mediziner dabei nicht herbeifantasiert sind, zeichnet sich heute schon deutlich ab.

 

Gewinnmargen auf Kosten des Sozialstaats

 

 

Würde der Wettbewerb zu einer Senkung der Gesundheitskosten bei gleichbleibender oder besserer Behandlungsqualität sorgen, könnte man sich über diesen durchaus freuen. Spätestens wenn jedoch MVZs in Investornhand den Markt dominieren und verlangen können was sie wollen, ist zu erwarten, dass nicht mehr der Praxisbetrieb, sondern der Gewinn optimiert wird. Um zu sehen, wie dies aussieht, kann man an einigen Beispielen bereits. So seien dem Arzt und Medizinhistoriker Professor Dr. Paul Ulrich Unschuld zufolge im Krankenhausbereich Gewinnmargen von 16 bis 18 % schon heute üblich. Seiner Meinung setze der Staat dieser Entwicklung nichts entgegen.

„Die Welt“ berichtet erst kürzlich, dass Zahnarztzentren 2018 etwa 33 Prozent mehr pro Patienten abgerechnet hätten als Praxen in Arztbesitz. In unserem primär vom Sozialstaat finanzierten Gesundheitssystem ist dies nichts anderes als Wucher auf Kosten der Gemeinschaft, durch das ein auf Gemeinwohl ausgerichtetes System zu einem weiteren Werkzeug wird, das das Geld in die Taschen derer fließen lässt, die jetzt schon mehr haben, als die meisten anderen. Weiter berichtet die Welt, dass die Zahl der ambulanten Behandlungen wegen Grauen Stars um 25 Prozent angestiegen sei, was mit dem Zuwachs an MVZs zusammenfalle. Auch wenn hier nicht zwingend ein Zusammenhang bestehen muss, deutet sich hier die Vermutung an, dass unnötige Behandlungen durchgeführt werden. Dies ging nicht nur wieder auf Kosten der Gemeinschaft, sondern bedeutet auch ein Risiko für den Patienten, da selbst Routineeingriffe nie ohne Gefahr sind.

Spätestens wenn das Wohl des Patienten bedroht ist, sollten Ärzte eingreifen, doch sind diese nur noch Arbeiter, dann sitzen oft Menschen mit ganz anderen Interessen am deutlich längeren Hebel. So berichtet Professor Dr. Gerd Witte, der ehemalige ärztliche Direktor der Asklepios-Klinik Hamburg-Wandsbek, dass auf widerspenstige Mediziner oft Druck ausgeübt werde. Die Geschäftsführung dieser Kliniken sei oft schier allmächtig.
Kritik allein reiche schon aus, dass man Unruhestifter verklage. Auch Chefärzte sei man bereit, von heute auf morgen vor die Tür zu setzen und selbst das Schließen ganzer Abteilungen, um deren leitenden Arzt loszuwerden, sei in seinen Augen kein Ding der Unmöglichkeit. Namen will er aus Angst, selbst verklagt zu werden, nicht nennen.

 

Dem Kapital Einhalt gebieten

Ob Wohnraum oder Gesundheitswesen, Trinkwasserversorgung oder Bildung, nichts ist sicher vor dem Kapital, wenn es sich daran mehren kann. Es kennt weder Moral noch verfügt es über ein Gewissen. Was Geld bringt, ist erlaubt und es wird bereitwillig alle Lebensbereiche aufkaufen, kapitalisieren und in ausbeuterische Strukturen umwandeln, wenn es dies nur kann. Es kennt nur die Grenzen, die man ihm setzt und die BRD ist ganz offensichtlich nicht fähig oder willig, hier klare Kante zu zeigen und die Interessen ihres Volkes über die der Märkte zu stellen. Wir von der Partei „Der III. Weg“ fordern dagegen die Verstaatlichung von Sektoren, die der allgemeinen Daseinsfürsorge dienen, um genau diesen raubtierkapitalistischen Interessen einen Riegel vorzuschieben.





  • Das war damals KEIN “schlecht durchdaches Gesetz”. Die Möglichkeiten der Privatisierung mit allen Mitteln war pure Absicht! Siehe auch Auslagerung Zusatzvorsorge bei der Rente (Riesterrente und Co.), Verkauf von bundeseigenen Immobilien, Sadtwerken usw. an Investoren”.

    BRD hat in Summe das 2.teuerste Gesundheitssystem der Welt (nach USA). Bei im Vergleich mäßiger Lebenserwartung und v.a mäßiger sogenannter “gesunde Lebenserwartung”.

    BRD, lt. OECD Health-Status /Better Life Index:
    Lebenserwartung Platz 24 von 40
    Gesundheitszustand Platz 28 von 40
    Soziale Ungleichheit Platz 34 von 40

    Max 01.02.2020
  • Die Umwandlung von kommunalen in private Kliniken ging dem voraus. Während der Arzt vorher ein festes Gehalt bekam, sich so in erster Linie um Erkrankte kümmern und weniger auf die Uhr sehen mußte, wird er nun oft von eigens angestellten Kostenoptimierern – ähnlich wie in der Industrie – angewiesen, was zu tun ist. Ziel dabei ist Umsatz, von dem auch Pharmafirmen, Apparatehersteller, Kreditwirtschaft bedient werden. Bedingung sind auf vielfältige Weise von Politik und Medien verunsicherte Leute, die schnell nervös werden und in Scharen zum Arzt strömen – wenn nicht krank, dann wird zur Vorbeugung geröntgt. Das erzeugt neuen Bedarf an medizinischem Personal, es kann Fachkräftemangel reklamiert werden, was den Weg für Ausländer auf gutbezahlte Stellen freimacht – die Überfremdung Deutschlands war ein Kriegsziel unserer Gegner. Finanziert wird alles von den Krankenkassenmitgliedern, die nicht mitbestimmen können und so enteignet werden – ebenfalls ein Ziel unserer Gegner. Damit die Besserverdienenden das nicht so mitbekommen, werden deren Beiträge gedeckelt.
    Die hohe Anzahl von Arztbesuchen, Therapien und Operationen hierzulande hat ihre Ursache nicht in besonders kranken Deutschen, sondern in falschen Anreizen, so daß die Leute nach Arztbesuch zu Kranken werden – ein Termin zu Kontrolle oder Nachsorge kann bei Bedarf die Auslastung verbessern. Darum weg vom fremdbestimmten Leben, hin zu – auch geistiger – Aktivität, Eigenverantwortung, Bewegung, um wieder gesund und deutsch zu werden.

    Hartmann 30.01.2020
  • Die Gleichgültigkeit mit der viele Deutsche diesen Entwicklungen begegenen ist erschreckend. Der Defätismus hat vielen den Geist vergiftet. Revolutionäres Denken/Handeln ist das einzige Gegenmittel.

    DZ 30.01.2020
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