250 Jahre Friedrich Hölderlin – Eine Betrachtung zum Jubiläum

Quelle: Wikipedia

Friedrich Hölderlin war ein großer Dichter und Lyriker, der seine Zeit, inmitten weiterer Größen wie Goethe, Schiller, Hegel, Fichte und Herder, nachhaltig prägte und ihr seinen Stempel aufsetzte.

Wenn er auch ein sehr dramatisches und mit vielen seelischen Einschlägen versehenes Leben führte, so war seine Schaffenskraft und seine Botschaft dennoch ungebremst.

Der Dichter Georg Trakl bezeichnete voller Bewunderung Hölderlin als einen „Rufer des Neuen Gottes“. Selbst der Lyriker Rainer Maria Rilke fand nur ähnliche Worte für den jungen Mann aus Schwaben. Hölderlin gilt für viele als einziger deutscher Dichter. der als Spiegel seiner umwälzenden Zeitepoche (auch Goethezeit genannt) durch seine Gedichte bezeichnet wird.

Besonders durch seine zahlreichen Hymnen und Elegien ( Klagegedichte, meist trauriger Art) sowie seinem über Jahre geschriebenen „Hyperion“ blieb er der Welt in Erinnerung.

 

Hölderlin und Pindar

Er durchlebte die Französische Revolution und auch die Koalitionskriege, die ihn mit beeinflussten.

Hölderlin hatte eine große Vorliebe für das Antike Griechenland mit seinen Helden die ihm bis zu seinem tragischen Lebensende inne wohnte. In hohem Maße angetan war er von dem altgriechischen Lyriker und Dichter Pindar, von dem er ein großer Verehrer war.

Viele seiner Werke wurden von Hölderlin übersetzt und dadurch erst richtig bekannt.

Pindars Schriften hatten einen erheblichen Einfluss auf seine späteren Werke.

Friedrich Hölderlins Gedichte reichten, wie insbesondere zu Anfang, von schwärmerischen Landschaftsbeschreibungen, Lobpreisung der Natur bis auch zu erzieherischen und mahnenden Klagegedichten. Er verwendete bildgewaltige Umschreibungen und bedient sich oftmals Bezugspersonen aus der griechischen Mythologie. Sein Rufen war ein zurückfinden zur Natur, dem völkischen Glauben und dem Anstreben zu einem höheren Ich.

Friedrich Hölderlin wurde am 20. März 1770 im schwäbischen Lauffen am Neckar in Württemberg geboren. Die Härte des Schicksals erreichte den Jungen bereits sehr früh, als sein Vater, der Klosterhofmeister, während seines zweiten Lebensjahres 1772 verstarb.

Im Jahre 1774 heiratete seine Mutter einen Johann Christoph Gok, der in Nürtingen Bürgermeister war und zog mit ihm auch dort hin.

Aber auch hier hatte das Schicksal für den jungen Friedrich nicht viel Gutes übrig.

Der Stiefvater verstarb schon 1779, also gerade einmal Fünf Jahre danach.

Hölderlin besuchte die Lateinschule in Nürtingen und dann die evangelischen Klosterschulen in Denkendorf und Maulbronn, denn seine sehr gläubige Mutter hatte für ihn das evangelische Pfarrertum angedacht.

 

 

Hölderlins Geburtshaus. Quelle: Wikipedia                                       

 

 

Der Beginn als Dichter

Bereits in diesen Klosterschulen begann er schon zu dichten und machte in „Mein Vorsatz“ deutlich , wer seine großen Ideale sind, denen er nacheiferte.

Er spricht für sich in diesem Gedicht vom „Pindars Flug“ und „Klopstocksgröße“.

Zu diesem Zeitpunkt war Hölderlin 17 Jahre und legte damit seine Messlatte schon sehr hoch.

Im Tübinger Stift studierte er Theologie und traf dort auf die Mitstudenten und späteren Philosophen Hegel und Schelling.

Sie alle teilten die Vorliebe für Griechenland, den Schriften von Kant und Spinoza.

Hölderlin war zudem noch auf die Werke des Astronomen Kepler gestoßen, der früher ebenfalls im Tübinger Stift studierte.

Hier wurde kurz sein Interesse an der Sternkunde geweckt die mit ihrer kosmischen Größe und Ordnung später seine dichterische Stoßrichtung mit festlegte.

Angaben zufolge soll Hölderlin, Hegel und Schelling Mitglieder in einem geheimen politischen Klub gewesen sein, der sich wegen der Unterdrückung des Herzogs Karl Eugen gegründet hatte.

Hölderlin schrieb und dichtete so viel, wie er zeitlich unterbringen konnte und genoss für seine Werke im Freundeskreis dafür hohe Anerkennung.

Richtig bekannt wurde er aber erst durch seine „Hymne auf die Ideale der Menschlichkeit“ die vom Herausgeber des „Schwäbischen Musenalmanachs“ Gotthold Friedrich Stäudlin gedruckt wurde.

1790 legte Hölderlin sein Magisterexamen ab und 1793 sein kirchliches Konsistorialexamen.

Der junge Dichter entschloss sich nun allerdings sein Theologiestudium nicht weiter zu verfolgen und begann ein Studium an der Universität in Jena, wo unter anderem niemand geringeres als Schiller und Fichte unterrichteten.

Im Mai 1794 machte er in Jena die Bekanntschaft mit Isaac von Sinclair, mit dem ihn eine lange und tiefe Freundschaft verbinden sollte.

 

 

Förderung durch Friedrich Schiller

Friedrich Schiller bemerkte das Talent welches in Hölderlin schlummerte und verschaffte ihm eine Hauslehrerstelle bei einer Freundin mit Namen Charlotte von Stein, auf dem Gut Waltershausen.

In dieser friedlichen und ruhigen Epoche seines Lebens blühte seine Schaffenskraft so richtig auf und trug Früchte. Unter anderem begann er mit seinem großen Werk „Hyperion“, welches aber erst viele Jahre später beendet wurde. Über seinen Gönner Schiller kam Hölderlin auch mit Goethe und mit Herder in Berührung. Leider scheiterten seine Pläne sich an der Jenaer Universität zu habilitieren und der 25-Jährige beschloss zurück nach Nürtingen zu gehen.

 

Eintrag Hölderlins im Stammbuch der Universität Jena. Quelle: Wikipedia

 

 

Dort verschaffte ihm im Dezember 1795 sein guter Freund Isaac von Sinclair eine Hauslehrerstelle im Hause des Bankiers Gontard zu Frankfurt am Main. Während seiner Beschäftigung lernte er die Frau des Besitzers, Susette Gontard, kennen. Sie war ihm so ähnlich, dachte und fühlte so wie er es tat und es schien als seien sie seelenverwandt. Zwischen den beiden entbrannte eine tiefe und innige Liebe. Er gab ihr den Kosenamen „Diotima“.

In jener bedeutsamen Zeit ereignete sich die Französische Revolution und der Deutsche Idealismus, der mit seinen philosophischen Strömen versuchte die Welt als Ganzes zu begreifen und mit all ihren Zusammenhängen zu verstehen. Dazu kam noch die große Liebe zu Diotima.

All das wirkte sich auf Hölderlin aus und formte seine Sicht und seine Werke.

Er schrieb weiter an seinem „Hyperion“ und es entstanden viele Schriften über Heldenmut, erwachende Lebenslust und natürlicher Schönheit wie z.B. das berühmte „Der Tod fürs Vaterland“, „Gesang der Deutschen“, „Der Neckar“, „Die Heimat“, „Der Main“, „Die Liebe“ und viele mehr.

Die wahrscheinlich schönste Zeit seines Lebens fand allerdings 1798 ein jähes Ende als Jakob Gontard, der Hausbesitzer und Ehemann von Susette (Diotima), deren Verhältnis herausbekam und darauf hin Hölderlin entließ. Da er über kaum Geld verfügte und somit seiner Diotima keine sichere Zukunft bieten konnte, mußte er seinen wohl schwersten Gang antreten und verließ das Gut Gontard und dadurch auch die Liebe seines Lebens. Hölderlin ging nach Homburg zu seinem Freund Isaac von Sinclair der inzwischen ein Hessen – Homburgischer Regierungschef war.

Dieser unterstützte seinen alten Freund finanziell, doch Hölderlin schien psychisch völlig zerstört und nur noch traurig.

Die Ärzte attestierten ihm eine schwere Hypochondrie. Sein innerer Schmerz spiegelt sich in den erdrückend schweren Gedichten „Der Abschied“, „Diotima“ und „Menons Klagen um Diotima“ wider. Als er um 1800 herum seine große Liebe noch einmal kurz sah verschlechterte sich sein Zustand noch weiter. Inmitten dieser für ihn tragischen und schweren Zeit schloß er jedoch eines seiner Hauptwerke ab; den „Hyperion“. Er versucht sich in Homburg als freier Schriftsteller niederzulassen und von der Herausgabe einer Zeitschrift zu leben. Leider blieb ihm auch dieses Glück versagt.

Noch zweimal unternahm er verzweifelt den Versuch als Hauslehrer eine Stelle zu finden.

Erst in der Schweiz bei der Familie Gonzenbach; wo er aber nach nur Drei Monaten gekündigt wurde. Später, Anfang 1802, bei dem Hamburger Konsul und Weinhändler Meyer in Bordeaux.

Seine Gedichte werden nun, auch hinsichtlich der Koalitionskriege etwas dunkler und erhalten eine religiöse und epische Note wie z.B. bei „Germanien“, „Die Titanen“, „Patmos“ oder „Heimat“.

Allerdings brach er nach kurzer Zeit völlig überstürzt auf und reiste zurück in die Heimat.

Über den Grund kann nur spekuliert werden. Sicher ist jedoch, dass Susette, seine Diotima, am 22. Juni diesen Jahres an Röteln verstarb und er Kenntnis von ihrem Zustand hatte.

 

 

Das Ende eines großen Lebens

Es bleibt auch spekulativ, ob er den Tod seiner großen Liebe hautnah miterlebte.

Historisch belegt ist nur, dass er die Rheinbrücke bei Kehl am 7. Juni 1802 überquerte.

Als er in seiner Heimat und bei seiner Mutter in Nürtingen wieder auftauchte, war er, so wie der Philosoph Schelling berichtete, nur noch ein Schatten seiner selbst.

Seine eigenen Freunde vermochten ihn kaum noch zu erkennen.

Hölderlin erschien mit leeren Augen, war völlig abgemagert, leichenblass, hatten einen wilden Bart und lange zerzauste Haare.
Seine Kleidung glich dem eines Obdachlosen und seine Realitätsauffassung hatte sich verzerrt.

Außerdem kam es immer wieder zu unkontrollierten Wutausbrüchen.

Zwei Jahre lebte er bei seiner Mutter und es zeichnete sich so langsam der Zustand des Irresein ab.

Er war oftmals apathisch und teilnahmslos, dann stürzte er sich wie besessen in die Arbeit, dichtete oder übersetzte Schriften von Sophokles und Pindar.

Sein alter Freund Isaak von Sinclair nahm 1804 warmherzig den Tobsüchtigen und dem Wahnsinn nahen Freund zu sich nach Homburg und verschaffte ihm eine Stelle als Hofbibliothekar, die er aber aufgrund seiner Erkrankung nicht gut genug ausführen konnte. Fortan bezahlte Sinclair den Unterhalt für seinen Freund.

1806 hatte sich der Zustand Hölderlins allerdings so dramatisch verschlechtert das er am 11. September gewaltsam in die Universitätsklinik nach Tübingen gebracht wurde.

Sein Arzt, mit Namen Johann Heinrich Ferdinand von Autenrieth, kannte sich mit der Behandlung von Geisteskranken aus und versuchte ihn zu therapieren.

Nach Sieben Monaten folgte die Diagnose „unheilbar krank“.

Autenrieth bemühte sich um eine Pflegestelle für Hölderlin und fand diese bei einem Tischlermeister namens Ernst Zimmer.

Zimmer war ein Bewunderer der Literatur und auch von Hölderlins „Hyperion“.

Die Familie nahm Hölderlin bei sich auf und gab ihm ein Zimmer im Turm oberhalb des Neckar Flusses. Sie kümmerten sich rührselig um den nun vom „Wahnsinn“ befallenen Dichter.

An lichten Momenten schrieb Hölderlin unter dem Pseudonym Scardanelli noch weiterhin Gedichte, die aber nicht mehr an seine alten heran reichten. Ganze 36 Jahre lebte er bei der Familie Zimmer, bis sich am 7 Juni 1843 gegen 23.00 Uhr seine Augen für immer schlossen.

 

 

Gedenken 250 Jahre danach

Anlässlich seines 250jährigen Geburtstages hat die Stadt Lauffen am Neckar das Geburtshaus von Hölderlin aufwändig restauriert und wieder auf Vordermann gebracht.

Mit satten 5,5 Millionen Euro Kosten an Reparationsarbeiten wird am 20. März 2020 das Geburtshaus der Öffentlichkeit präsentiert und mit zahlreichen Veranstaltungen zum Thema Hölderlin abgerundet.

Auch der nun als „Hölderlin-Turm“ bezeichnete letzte Wohnort in Tübingen bei der damaligen Familie Zimmer wurde lange renoviert und ist nun pünktlich zum Jubiläum bereit.

Hier finden sich ebenfalls viele Veranstaltungen rund um den Dichter und seine Werke.

Friedrich Hölderlin, ein großer Sohn Deutschlands, bleibt der Welt durch seine Arbeiten und hymnischen bildgewaltigen Botschaften und Elegien auf ewig erhalten.

Mit Stolz darf ein jeder Deutscher zu ihm auf sehen und nach seiner geistigen visionären Größe streben. Wir alle verbeugen uns heute am 20. März ehrfurchtsvoll vor diesem Genie das in die Geschichte einging als einer der ganz großen Dichter dieser Welt.





×

Schneller und einfacher Kontakt über WhatsApp - Einfach auf den unteren Button klicken!

 

Kontakt über Threema unter der ID:
ZYSHY9EH

×
Jetzt beim Rundbrief vom III. Weg anmelden

Hast Du Dich schon eingetragen?

✔️Anonym ✔️Kostenlos ✔️Exklusiv