Hauptmann Friedrich Hensel – ein deutscher Leonidas

 

Wanderer, kommst du nach Sparta,
verkündige dorten,
du habest
uns hier liegen gesehn,
wie das Gesetz es befahl.

 

 

Die Ereignisse um den Spartanerkönig Leonidas und seine Getreuen gehören seit je her zum klassischen Bildungskanon. Spätestens mit der Verfilmung von Frank Millers Comic-Adaption „300“ ist die Schlacht bei den Thermopylen auch im Bewußtsein der breiten Masse angekommen, wenn auch hollywoodesk verzerrt.

 

Der Mythos vom „verlorenen Posten“

Menschen, vor allem Männer, brauchen Helden. Sie sind Wegweiser durch das Leben, bewahren von uns vor dem Abgleiten in Belanglosigkeiten und führen uns vor Augen, wie das Dasein veredelt und vertieft werden kann, bevor mit dem Tod das unausweichliche Ende eintritt. Eine besondere Faszination geht dabei von jenen Männern aus, die auf verlorenem Posten dem sicheren Tod ins Auge blickten. Jede Nation verfügt in ihrem kulturellen Gedächtnis über mindestens einen solcher verlorener Haufen – die Amerikaner mit den Verteidigern von Alamo, die französische Fremdenlegion mit dem Gefecht von Camerone usw. .

Wie ein Volk mit seinen Helden umgeht, den Großen wie den Unbekannten, sagt mehr über seinen inneren Zustand aus, als alle Wohlstandsbarometer und Wirtschaftsdaten. Dass im heutigen Deutschland Helden nicht sehr hoch im Kurs stehen und „große Erzählungen“ ausschließlich im Ausland zu finden sind, macht mehr als deutlich, was geistig-moralisch von der bunten Republik zu halten ist. Das ist umso bitterer, als gerade die deutsche Geschichte unglaublich reich an solchen großen Erzählungen ist, die unter dem Schutt der Zeit begraben liegen.

 

Ein deutscher Leonidas gegen Napoleon

Leonidas kennen wir alle, doch was ist mit den deutschen Männern, die in vergleichbarer Situation auf ihrem Posten ausharrten? Einer von diesen Männern war der österreichische Hauptmann Friedrich Hensel. Der 1781 in Kronstadt/Siebenbürgen geborene Hensel trat 1797 in die Ingenieurakademie in Wien ein. Im Jahr 1801 noch einfacher Kadett, wurde er ein Jahr später bereits Oberleutnant des Ingenieurkorps und 1807 Hauptmann. In der Jahresmitte 1808 bekam er von Erzherzog Johand den Auftrag, in Kärnten im Dreiländereck Österreich-Italien-Slowenien die Befestigungsbauten bei Malborgeth (heute italienisch) zu leiten. Die Festung bestand tatsächlich nur auf dem Papier, lediglich ein kleines System von Schanzen und Blockhäusern war vorhanden.

Nachdem im Winter 1808 die Festungsbauten ruhen mußten, schlug die große Stunde des kleinen Forts und seines Kommandanten mit dem Angriff Napoleons auf Österreich. Die Niederlage Österreichs in der Schlacht bei Eggmühl Ende April 1809 machte den sofortigen Rückzug der österreichischen Südarmee ins Landesinnere notwendig. Die provisorischen Befestigungsanlagen in Malborgeth bekamen dadurch über Nacht enorme Bedeutung für die Sicherung des Rückzugs und für eine Behinderung des Nachrückens der napoleonischen Armee aus Italien. Hensel erbat sich von Erzherzog Johann am 13. Mai 1809 die Erlaubnis, die unfertigen Stellungen verteidigen zu dürfen. „Ein herrliches Grab, wie das des Leonidas und seiner Spartaner bei den Thermopylen“, soll Hensel über die ihm anvertraute Anlage gesagt haben.

Kampf bis zum bitteren Ende

Am 14. Mai 1809 begann der Angriff des französischen Vizekönigs Eugène de Beauharnais – 15.000 französischen Angreifern stehen lediglich 390 österreichische Verteidiger mit 10 Haubitzen unter dem Kommando Hauptmann Hensels gegenüber. Der ungeduldige Beauharnais drängt auf die baldige Erstürmung und jagt seine Männer die steilen Hänge zum Fort empor, ohne das Heranrücken der eigenen Artillerie abzuwarten. Der erste Angriff wird zurückgeschlagen und auch alle weiteren Angriffsversuche in den folgenden Tagen und Nächte scheitern.

Erst am 17. Mai gelingt den Franzosen die Umgehung des Forts über das Fellatal und über die umliegenden Höhen. Hensel und die noch lebenden Verteidiger werden nun von zwei Seiten bedrängt und können die Erstürmung der Festung nicht mehr aufhalten. Die Aufforderung, sich zu ergeben, lehnt Hensel ab: „Ich habe den Befehl, mich zu verteidigen und nicht zu unterhandeln.“ Die Österreicher kämpfen bis zum bitteren Ende, das Fort muss im Nahkampf genommen werden. Allein am letzten Tag der Schlacht fallen über 1300 Franzosen, von den 390 Verteidigern sind bei der Eroberung 350 tot. Auch Hauptmann Hensel fällt im Nahkampf, laut Chronisten „von Bajonetten förmlich durchsiebt“.

 

Niederlage und Neubeginn

Das Opfer war nicht umsonst. Der Widerstand Hensels und seiner Männer hielt den französischen Vormarsch vier Tage lang auf und ermöglichte so der österreichischen Armee den geordneten Rückzug und die Neuordnung. Am 22. Mai 1809 siegten die Österreicher in der Schlacht bei Aspern, zum ersten Mal wurde Napoleon bedeutend geschlagen.

Zur Erinnerung an den Heldentod der Verteidiger von Malborgeth ließ Kaiser Ferdinand I. ein Denkmal errichten, das noch heute vom italienischen Staat sorgsam gepflegt wird: Eine mächtige Pyramide, an deren Fuß ein sterbender Löwe liegt, den Speer in der Brust, versehen mit der Inschrift:

„Zur Erinnerung an den Heldentod des k. k. Ingenieurs Hauptmann Friedrich Hensel am XVII. Mai MDCCCIX und der mit ihm gefallenen Kampfgenossen. Kaiser Ferdinand I.“

 

Nachklang auf der Leinwand

Auch vom zeitgenössischen deutschen Film ist in puncto Heldenverehrung nicht viel zu erwarten, doch das war nicht immer so. In abgewandelter Form hat es die Schlacht um Malborgeth auch auf die Leinwand geschafft. Im Jahr 1930 entstand mit Die letzte Kompagnie von Kurt Bernardt ein deutscher Spielfilm mit fiktiver Handlung: Im Jahr 1806 befindet sich die preußische Armee nach der Niederlage von Jena und Auerstedt auf dem Rückzug. Um den Rückzug abzusichern, erhält Hauptmann Burk den Befehl, die Mühle am Reinersdorfer Moor zu besetzen und zu verteidigen. Der Kampf ist für die kleine Truppe nicht zu gewinnen, dennoch gelingt es ihnen, die Mühle so lange zu halten, bis die geschlagenen Preußen die Saale überquert haben und in Sicherheit sind. Eine Neuverfilmung entstand 1967 unter dem Titel Eine Handvoll Helden, die trotz ihres Alters auch heute noch sehenswert ist.

 

Kino-Vorschau von 1967:





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