Jüdische Militärseelsorger für die Bundeswehr

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In den vergangenen Jahren hat man sich schon beinahe daran gewöhnt, dass sich die Bundeswehr für keinen noch so haarsträubenden Unfug zu schade ist. Ob Spezialuniformen für schwangere Soldatinnen, die in der Testphase bereits 650.000 Euro verschlangen oder die gigantische Verteuerung der Beschaffungskosten für den Schützenpanzer „Puma“, die durch unzählige Änderungswünsche und groteske bürokratische Vorgaben verursacht wurde, nichts kann einen mehr überraschen.

So musste beispielsweise gemäß Arbeitsstättenverordnung gewährleistet werden, dass im Innenraum des Panzers so gute Klimabedingungen vorherrschen, dass auch ein Transport schwangerer Soldatinnen in einem Gefechtseinsatz möglich ist. Auch eine Verschärfung des Grenzwertes für die Schussgasbelastung, um drohende Fruchtwasserschädigungen bei der weiblichen Panzerbesatzung auszuschließen, ließ die Kosten explodieren. Es würde den Rahmen sprengen, hier die hunderte von Fällen aufzulisten, die belegen, welche Unsummen durch solche Possen verschleudert wurden.

 

 

Bedauerlicherweise kein Scherz

Oft fragte man sich zunächst verwundert, ob derartiger Irrsinn von den verantwortlichen Entscheidungsträgern tatsächlich ernst gemeint sein könne, um dann mit offenem Mund festzustellen, dass es sich mitnichten um einen Scherz handelte. Wären nicht die damit verbundenen enormen Kosten, könnte man sich angesichts dieser absurden Kapriolen biegen vor Lachen. Hinzu kommen gravierende Ausrüstungsmängel, welche die Einsatzfähigkeit der Bundeswehr stark infrage stellen, und für deren Behebung offenbar keine finanziellen Mittel zur Verfügung stehen.

 

Schaffung eines Militärrabbinats

Neuestes Vorhaben der Bundeswehr ist die Einsetzung von Militärrabbinern, welche die Seelsorge für die jüdischen Soldaten in der Bundeswehr übernehmen sollen. Das Bundesministerium für Verteidigung erklärte am 02.04.2019 seine Absicht, Militärrabbiner für die jüdischen Soldaten der Bundeswehr einzuführen. Zur Umsetzung dieses Vorhabens wurde ein Staatsvertrag zwischen der Bundesrepublik Deutschland und dem Zentralrat der Juden in Deutschland ausgehandelt, der im Rahmen des Jüdischen Gemeindetages am 20.12.2019 in Berlin von Bundesverteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU) und dem Zentralratsvorsitzenden Josef Schuster unterzeichnet wurde. Dieser Staatsvertrag wurde nun am 20.05.2020 einstimmig vom Bundestag gebilligt.

 

Anteil jüdischer Soldaten in der Bundeswehr weit unter einem Prozent

Da Angaben zur Religionszugehörigkeit nur auf freiwilliger Basis erhoben werden, existieren keine exakten Zahlen, sondern lediglich Schätzungen. Das Bundesverteidigungsministerium taxiert die Zahl der jüdischen Soldaten auf etwa 300. Im Hinblick auf die Gesamtstärke der Truppe, welche derzeit etwa 180.000 Soldaten umfasst, beträgt der Anteil jüdischer Soldaten in der Bundeswehr nicht einmal ein Prozent. Lediglich 0.17 % der Angehörigen der Bundeswehr bekennen sich zum jüdischen Glauben. Im Vergleich dazu liegt die Zahl evangelischer und katholischer Soldaten ungefähr bei 53.000 bzw. 41.000. Hinzu kommen schätzungsweise 3000 Muslime. Die Einrichtung einer Militärseelsorge für muslimische Bundeswehrangehörige ist geplant, gestaltet sich jedoch schwierig, da anders als im Falle des Zentralrats der Juden in Deutschland keine zentrale Institution existiert, mit der ein Staatsvertrag geschlossen werden könnte.

 

Kosten in Höhe von 4,67 Millionen Euro jährlich

Für diese sehr überschaubare Gruppe jüdischer Bundeswehrsoldaten sind laut Staatsvertrag zehn Militärrabbiner vorgesehen, deren Zahl bei Bedarf aufgestockt werden soll. Insgesamt sind 48 Dienstposten für das Militärrabbinat vorgesehen, deren Kosten sich auf rund 4,67 Millionen Euro jährlich beziffern. Die Auswahl der Rabbiner soll im Herbst 2020 beginnen. Als Sitz des Militärrabbinats soll Berlin fungieren, Außenstellen sind in Hamburg und München sowie später in Frankfurt am Main sowie Leipzig geplant.

  • Es existiert jedoch ein Zentralrat der Muslime, für den es sicherlich kein Problem wäre, eine derartige Seelsorge für die Angehörigen ihrer Glaubensrichtung zu fordern. Im Fordern sind diese Leute sehr firm, hier macht ihnen keiner etwas vor. Spätestens mit dem Totschlagargument „Gleichberechtigung“ bzw. im Umkehrschluß Diskriminierung bekommen hier letztlich alle ihren Willen, ob das nun für die Allgemeinheit sinnvoll ist oder nicht, spielt keine Rolle.

    Thomas G. 07.06.2020
    • @Thomas G.: Grundsätzlich ist das sicher richtig. Allerdings ist der Zentralrat der Muslime nur einer von insgesamt vier grossen muslimischen Dachverbänden in Deutschland, der weniger als ein Prozent der in Deutschland lebenden Muslime repräsentiert.

      Mike Enn 07.06.2020
      • Also noch zu klein, um politischen Druck auszuüben? Immerhin etwas… aber die Zeit arbeitet mit Sicherheit für diesen Verband.

        Thomas G. 08.06.2020
  • BRD ist die neue Weimar Republik…

    Mariusz Proletariusz 07.06.2020
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