Pädagogisch wertvoll: Der Film „Die Welle“

Unzählige Filme, Lieder, Comics und Bücher werden für die deutsche Jugend aufgesetzt, die mehr oder minder subversive politische Botschaften vermitteln sollen. 2008 erschien das Filmdrama „Die Welle“ nach einem Roman des New Yorker Autoren und Systempädagogen Morton Rhue. Der Film handelt von einem Faschismus-Experiment in einer Schulklasse und soll zeigen, warum „faschistische Bewegungen“ jederzeit gefährlich sein können. Pädagogisches Ziel des Films ist es offenbar, den demokratisch-gesinnten Zuschauer zu mehr antifaschistischem Einsatz zu animieren, bei unserem Autor ging der Schuss jedoch nach hinten los. Eine Erinnerung an eine Film-Stunde im Ethik-Unterricht.

 

Spannende Stunden in einem sinnlosen Fach

Der Ethik-Unterricht. Im erzkatholischen Bayern einst ein Fach, dessen Zweck hauptsächlich darin bestand, nicht-christliche Schüler während des Religionsunterrichts zu bespaßen. Als ich 2001 in einer oberbayerischen Kleinstadt eingeschult wurde, hätte selbst meine Ethik-Lehrerin nach dem Sinn ihres Unterrichts befragt keine plausible Antwort geben können. Während für die kleinen „heidnischen“ Kinder Mandalas malen angesagt war, ging die Lehrerin zum Rauchen. Planmäßig endete der Unterricht eine Stunde früher als bei den christlichen Mitschülern. In späteren Jahren wurden dann die Weltreligionen immer und immer wieder durchgekaut. Christentum, Islam, Judentum, Hinduismus, Buddhismus. Vor allem Islam und Judentum. Im Grunde genommen blieb das Fach mangels eigener Glaubensgrundsätze jedoch ein Lückenfüller. Nicht selten wurde daher der Fernsehwagen in den Klassenraum gerollt, um die Ethik-Doppelstunde möglichst angenehm für alle Beteiligten über die Runden zu bringen.

 

 

In einer solchen Stunde lernte ich den Film „Die Welle“ kennen. Ein Film, den kaum ein Jugendlicher meiner Generation nicht gesehen haben dürfte. Der Film, mit Jürgen Vogel in der Hauptrolle, handelt von einem Lehrer, der mit seiner Klasse das Thema „Faschismus“ aufarbeiten soll. Vogel, im Film Gymnasiallehrer Rainer Wenger, hatte sich eigentlich das Thema „Anarchie“ gewünscht, da er selbst einst Hausbesetzer in Berlin-Kreuzberg war. Ein Schüler meint zu ihm, der Nationalsozialismus sei doch ein alter Hut und könnte sich heute nicht mehr wiederholen. Das macht Wenger nachdenklich und so entwickelt er ein Projekt, um den Schülern das Thema Autokratie näher zu bringen. Er lässt die Schüler gemeinsam marschieren, lässt sie ein eigenes Logo entwerfen und als Erkennungszeichen weiße Hemden tragen. Als Gruppennamen schlägt er „Die Welle“ vor.

Schnell entwickelt sich aus den Schülern eine verschworene Gemeinschaft, die zusammen feiern, sich mit Punkern prügeln, die Schul-Wasserballmannschaft unterstützen und nachts das Logo der „Welle“ an Häuserwände schmieren. Während einstige Außenseiter wie Tim in der Gruppe Gemeinschaft erfahren, versucht die einstmals beliebte Karo das Projekt zu stoppen. Als Wenger erkennt, dass „Die Welle“ außer Kontrolle gerät, ruft er alle Anhänger der neuen Bewegung in der Schulturnhalle zusammen. Nachdem er in drastischer Zuspitzung einen Widersacher der Bewegung auf die Bühne bringen lässt und als Verräter anprangert, erklärt er die Bewegung für aufgelöst. Dies bringt Außenseiter Tim völlig aus der Fassung und in völliger Verzweiflung erschießt er sich auf der Bühne.

 

 

Die Intention des Filmes ist es, drastisch die zwangsläufigen und fatalen Folgen autokratischer Gesellschaftsentwürfe aufzuzeigen. Doch auf mich hatte der Film einen anderen, vom Regisseur sicher nicht beabsichtigten Effekt. Denn einerseits zeigt der Film auch, das es überhaupt einen anderen Gesellschaftsentwurf zum Individualismus gibt und zum anderen kann der Film die aufgezeigten Vorteile einer homogenen Gemeinschaft nicht überzeugend widerlegen. „Die Welle“ befreit die Schüler aus der Tristesse ihrer nihilistischen, ziellosen Kleinstadtjugend. In der Gemeinschaft werden aus orientierungslosen Einzelkämpfern selbstbewusste Aktivisten mit einer einheitlichen Identität. Während in der Prä-Welle-Zeit Mobbing, permanentes Geltungsstreben und Disziplinlosigkeit angesagt sind, sind in der „Welle“ engagierte Aktivisten voller Tatendrang am Werk, die das erste Mal in ihrem Leben wirklichen Zusammenhalt erfahren.

Auf unserem Weg zu politischen Menschen prägen uns in unserer Jugend in der Regel nicht Zahlen, Fakten, Statistiken. Was uns wirklich prägt, sind starke Bilder, erlebte Gemeinschaft, positive Emotionen. Für mich hat auch dieser Film dazu beigetragen, dass ich mir heute ein Leben ohne politischen Aktivismus nicht mehr vorstellen könnte. Dass ich eine starke Gemeinschaft als erstrebenswertes Ziel kennengelernt habe. Hätte der Autor dem Film ein weniger fatalistisches Finale angedeihen lassen, würden sich die Gesellschaftsentwürfe des liberalen Individualismus und der autoritären Gemeinschaft ganz anders gegenüberstehen. Insbesondere der junge Zuschauer hätte sich die Frage stellen können, wie er leben möchte. Ein vergängliches Leben lang irgendwelchen vergänglichen Vergnügen nachjagen oder Teil von etwas Größerem sein?

 

Werdet Teil der Gemeinschaft. Jugend zu uns – Es lebe die nationalrevolutionäre Bewegung!





  • Sehe ich aus so.

    Der Surfer 17.09.2020
  • Schön geschrieben und mitten ins Herz – danke.

    Preuße 17.09.2020

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