FinCEN Files decken Geldwäsche durch Banken auf

Banken auf der ganzen Welt sehen sich aktuell mit unangenehmen Fragen konfrontiert, nachdem geheime Unterlagen des US-Finanzministeriums den Verdacht nahelegen, dass diese nur halbherzig gegen Geldwäsche vorgegangen seien. Profitiert haben sollen hiervon Kriminelle, Oligarchen und selbst Terroristen. Die als „FinCEN Files“ bekannten Dokumente belasten dabei auch die Deutsche Bank.

 

 

Minimale Fristüberschreitung

Entdecken Banken verdächtige Transaktionen, die über sie abgewickelt werden, müssen sie diese schnellstmöglich an die zuständigen staatlichen Behörden melden. In den USA haben sie dazu beispielsweise 30 Tage Zeit. Den auf den Recherchen eines internationalen Journalistennetzwerkes beruhenden „FinCEN Files“ zufolge brauchten Banken jedoch im Schnitt 166 Tage, um eine solche Transaktion zu melden. Die Deutsche Bank schaffte es in einem Fall sogar auf 5678 Tage und BNY Mellon auf 6666. Somit seien die Transaktionen zwar gemeldet worden, jedoch viel zu spät, was die Ermittlungen der Finanzbehörden erschwert, während die Banken selbst schon einmal die Transaktionsgebühren kassieren. Die Vorwürfe gegen die Deutsche Bank belasten laut SZ auch den aktuellen Vorstandschef Christian Sewing. Er soll 2014 als Leiter der Konzernrevision mitverantwortlich dafür gewesen sein, dass ein großer Geldwäscheskandal in Russland nicht früher aufgedeckt wurde. Die SZ berichtet weiter, dass 2015 der Konzernrevision in Russland schwerwiegenden Mängel und ein Mangel an Verantwortlichkeit durch eine Sonderuntersuchung der Beratungsfirma Deloitte attestiert wurden.

 

 

Keine Einzelfälle

Auch für andere Banken, einige davon ebenfalls in den „FinCEN Files“ vertreten, sind derartige Skandale keine Ausnahmeerscheinungen. Sowohl die Deutsche Bank, JP Morgan, die Commerzbank, HSBC und ING mussten in der Vergangenheit bereits hohe Strafen wegen ähnlicher Versäumnisse entrichten. HSBC kann auf mehrere Verstöße zurückblicken, die es Drogenkartellen erlaubten, 1,9 Milliarden US-Dollar zu waschen. Das war 2012, und 2017 kam das Versprechen der Bank, alles hätte sich gebessert. Wie die „FinCEN Files“ nun nahelegen, soll HSBC in der Zeit zwischen 2012 und 2017 jedoch Transaktionen abgewickelt haben, mit denen Gelder für einen mutmaßlichen russischen Mafiosi, ein international tätiges Schneeballsystem und auch wieder Drogengeschäfte gewaschen worden sein sollen.

JP Morgan war 2014 mit einer 2,6 Milliarden Dollar-Strafe in den Schlagzeilen, weil sie von den Geschäften des Betrügers Bernard Madoff profitiert hatte. Den aktuellen Recherchen zufolge soll die Bank auch danach weiter Gelder für Betrüger bewegt haben. JP Morgan steht in Verbindung zu gleich mehreren Korruptionsfällen in Venezuela.

Die „FinCEN Files“ bestätigen damit nur das, was ohnehin schon bekannt ist und dass sich in der Tat nichts geändert hat: Das Problem heißt Kapitalismus.





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