Berg-Karabach: Waffenstillstand zwischen Armenien und Aserbaidschan

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Im Konflikt zwischen Armenien und Aserbaidschan um die umstrittene Region Berg-Karabach ist ein Waffenstillstand vereinbart worden. Nachdem vorherige Waffenstillstandsvereinbarungen unmittelbar nach Vereinbarung wieder gebrochen wurden, garantieren nun russische Truppen die Einhaltung des Kontrakts. Aserbaidschan konnte in den Kampfhandlungen seit Ende September große Gebietsgewinne erringen. Das eingenommene Territorium verbleibt gemäß den Vereinbarungen unter aserbaidschanischer Kontrolle. Für Armenien stellt der Waffenstillstand eine schwere Niederlage dar, die jedoch angesichts des Kriegsverlaufs und der erdrückenden militärischen Überlegenheit Aserbaidschans beinahe zwangsläufig erfolgen musste. In der armenischen Hauptstadt Eriwan kam es in der Folge zu Aufständen gegen die Regierung, der Vaterlandsverrat vorgeworfen wird.

 

Gewinner und Verlierer nach dem Waffenstillstand in Berg-Karabach

Seit dem 27. September 2020 liefen die Operationen der aserbaidschanischen Truppen in der Berg-Karabach-Region. Das umstrittene Gebiet war bereits Schauplatz mehrerer militärischer Auseinandersetzungen. Völkerrechtlich gehörte das Gebiet zu Aserbaidschan, nach dem letzten Konflikt 1994 stand das Gebiet jedoch unter armenischer Kontrolle. Die aserbaidschanische Bevölkerung wurde seit dem vertrieben und die Region ist nur dünn besiedelt.

 

 

Beide Seiten haben in den vergangenen sechs Wochen seit Ausbruch der Kampfhandlungen mit erbitterter Härte gekämpft. Aserbaidschans Armee hatte jedoch deutliche Vorteile, da sie dank israelischer und türkischer Hilfe über eine deutlich bessere militärische Ausrüstung verfügt. Zudem ist der Einsatz von syrischen Söldnern auf aserbaidschanischer Seite belegt, die von der Türkei angeheuert wurden. Armenien konnte lediglich auf den eigenen Patriotismus bauen, Hoffnungen auf ein russisches oder iranisches Eingreifen wurden nicht erfüllt. Immer wieder schlugen aserbaidschanische Einsatztrupps im Rücken der kämpfenden armenischen Truppe zu. So wurde zunächst die karabachisch-iranische Grenzregion erobert. Unter hohen Verlusten beschleunigte sich der aserbaidschanische Vormarsch.

Mit der Einnahme von Schuschi am 08. November war ein entscheidender Punkt im Konflikt erreicht. Die ehemalige Hauptstadt des Gebiets hat einen hohen symbolischen Wert, ist jedoch vor allem von großer strategischer Bedeutung. Sie liegt oberhalb der aktuellen Hauptstadt der Berg-Karabach-Region, Stepanakert, und bietet optimale Bedingungen für eine Bombardierung von Stepanakert. Am selben Tag wurde versehentlich ein russischer Mil-Mi 24 Kampfhubschrauber von aserbaidschanischen Kräften abgeschossen.

In dieser Situation wurde nun der Waffenstillstand zwischen den beiden Kriegsparteien Aserbaidschan und Armenien geschlossen. Für Armenien bedeutet der Waffenstillstand eine schwere Niederlage, denn de facto bedeutet der Friedensschluss den Verlust der Kontrolle über einen großen Teil des Berg-Karabachs. Der komplette Süden der Region wird nun von Aserbaidschan kontrolliert. Auch der Verlust von Schuschi trifft Armenien empfindlich. Der Zugang zu Stepanakert ist nur noch durch einen schmalen Korridor gewährleistet. In der Folge kam es zu schweren Ausschreitungen in der armenischen Hauptstadt Eriwan. Das Parlament wurde gestürmt und der Parlamentschef wurde verprügelt. Die Demonstranten werfen der Regierung Verrat an der Sache des Volkes vor.

Für Aserbaidschan stellt der Waffenstillstand zunächst einen Triumph dar, eben weil große Gebiete unter aserbaidschanische Kontrolle gelangt sind. Dennoch könnte nach dem ersten Siegesrausch auch schnell wieder Ernüchterung eintreten. Denn angesichts des Kriegsverlaufs erschien ein vollständiger Sieg der aserbaidschanischen Partei nur als eine Frage der Zeit. Das zuletzt eroberte Schuschi befindet sich in einer Entfernung von grade einmal zehn Kilometern von Stepanakert. Mit den russischen Truppen im Berg-Karabach ist zudem klar, dass die Aserbaidschaner keineswegs uneingeschränkt Herr über die gewonnenen Gebiete sein werden.

 

 

Russland baut Machtstellung in der Region aus

Aus geostrategischer Sicht ist der eigentliche Gewinner Russland. Die Türkei hingegen ist ein weiterer Verlierer in dem Konflikt. Man kann vom russischen Machthaber Wladimir Putin halten, was man will, doch der Waffenstillstand von Berg-Karabach ist ein genialer Schachzug im Ringen um die regionale Vorherrschaft. Zunächst hatte sich Russland in dem Konflikt in einer bemerkenswerten Zurückhaltung geübt. Während die Türkei massiv in die aserbaidschanische Seite investierte, schien Russland nur Zuschauer bleiben zu wollen. Russische Truppen befanden sich zwar auf armenischem Boden, griffen jedoch nicht in den Konflikt ein. Von russischer Seite hieß es, eine rote Linie sei erst überschritten, wenn aserbaidschanische Truppen armenisches Kerngebiet betreten würden. Hierzu muss noch einmal angemerkt werden, dass Berg-Karabach formell aserbaidschanisch ist. Selbst aserbaidschanische Artillerieangriffe auf armenisches Gebiet änderten an dieser Einstellung nichts.

Mit dem überraschenden Waffenstillstand sind nun sowohl Armenien als auch Aserbaidschan in starker Abhängigkeit von Moskau. Russische Truppen kontrollieren die Verkehrswege nach Berg-Karabach, russische Truppen patrouillieren im aserbaidschanisch-erobertem Gebiet. Während es in der Region Idlib in Syrien gemeinsame russisch-türkische Kontrollfahrten gibt, hat im Berg-Karabach keine weitere Macht etwas zu melden. Die Türkei hat trotz großer Investitionen letztlich in der Gegend nichts zu sagen. Da die aserbaidschanische Regierung nun auf eine gute Zusammenarbeit mit Moskau angewiesen ist, verliert die Türkei sogar an Einfluss auf den engen Verbündeten Aserbaidschan. Ein schnelles Wiederaufflammen der Kämpfe ist angesichts der russischen Stärke unwahrscheinlich. Langfristig ist jedoch weiterhin keine dauerhafte Lösung für den Berg-Karabach in Aussicht.

1 Kommentar

  • Dem türkischen Großmachtstreben muss ein Ende gesetzt werden. Wo sie wirken verbreiten sie unheil.

    Juergen Schramm 17.11.2020
  • Wenn einige Leute etwas von Nationalität hören scheinen sie wie geblendet und erkennen nicht mal logische Zusammenhänge. Das diese, im vergleich zu Russland, kleinen Länder für die westlich geprägte Welt leichte Beute sind, dürfte doch klar sein. Es gibt kaum ein Land an Russlands Grenzen die nicht mit irgend einem Nachbar Staat im Konflikt liegen. Wer die Leute sind, die ständig in diesen Ländern für Unruhe sorgen müsste doch wohl jedem klar sein. Denn logisch denkende Menschen müssten doch begreifen, dass kein Land, auch von der Größe Russlands zur Ruhe kommt, wenn an den Grenzen laufend Konflikte entstehen.

    Wilhelm 17.11.2020
  • Ein Sieg der Gerechtigkeit. Aserbaidschan hat seine gebiete zurück. So einen Sieg wünche ich auch dem Deutschen Volke. Danzig, Königsberg, Sudetenland,
    Metz, Strassburg… Dessen verluste einem jeden Deutschen in der Seele wehtuen muss. Und niemals vergessen werden darf.

    Adem 16.11.2020
    • Was für Gerechtigkeit? Aserbaidschaner gehören zu den Turkvolkern. Die sind da eingewandert. Vorher lebten da Perser, Indogermanen und andere Völker aus denen die Armenier entstanden. Das ist deren angestammte Heimat!
      Mit Russland sieht es so aus, als wenn es da wieder mehr Einfluss auf alte Sowjetgebiete erreichen will. Ist verständlich, aber trotzdem auch mit Vorsicht zu genießen.

      Olli 17.11.2020