Bauernproteste gehen bundesweit weiter


Bauernstand ist Ehrenstand, erhält die Stadt, erhält das Land.
Er ist der Pionier der Zeit und bleibt es bis in Ewigkeit. 
In Norddeutschland blockierten die Tage zahlreiche Bauern die Zufahrtswege vom Lebensmitteldiscounter Lidl, um so gegen die Preispolitik und Preisgestaltung großer Handelsketten zu protestieren. Auch anderswo in der BRD, wie in Cloppenburg, blockierten etwa 400 Landwirte mit 300 Treckern das dortige Zentrallager. Vor den Supermärkten wurden zum Teil Stroh- und Silageballen vor die Eingänge gestellt. Auf den Ballen standen beleuchtete Holzkreuze und Galgen.
Auslöser der Protestaktionen war ein Beschwerdebrief der Manager der Einzelhandelsriesen Edeka, Rewe, Aldi, Lidl und Kaufland an Bundesmutti Merkel (CDU). Im Vorfeld stellte Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Glöckner (CDU) im November einen Gesetzesentwurf vor, in dem die Positionen der Bauern gegenüber der Handelskonzerne gestärkt werden sollte. Glöckner hatte das große Ungleichgewicht zuungunsten der Bauern erkannt und scharfe Kritik an den Praktiken des Handels geübt. Da nun die großen Handelsketten, die schon jetzt 85 Prozent des Lebensmittelhandels beherrschen, Einbußen beim Umsatz fürchten (im Jahr 2019 erwirtschaftete der Lebensmitteleinzelhandel übergreifend über alle Vertriebsformate wie Discounter und SB-Warenhäuser einen gesamten Umsatz in Höhe von rund 125,3 Milliarden Euro (!)), wurde der besagte Brief an Merkel verfasst. Darin brachten die Manager der besagten Handelsketten ihren Unmut über den Gesetzentwurf zum Ausdruck. Man fühle sich nach dem massiven Angriff auf die Reputation der Unternehmen zutiefst erschrocken und persönlich diskreditiert. 
Auch in Dresden demonstrierten 1.000 Landwirte mit ihren Traktoren. Da allerdings richtete sich der Protest gegen die geplante neue, strengere Düngemittelverordnung. Darin geht es um die Reduzierung der Nitratbelastung des Grundwassers. Seitens der Landwirtschaft werden die Messwerte bezweifelt, die dem neuen Reglement zugrunde liegen. Bei den Protesten geht es den Bauern vor allem um Eines: Sie wollen von ihrer Milch, ihren Eiern oder ihren Kartoffeln leben können. Durch die niedrigen Preise, die der Handel bietet, können die meisten Landwirte nicht vernünftig wirtschaften, heißt es von der Vereinigung „Land schafft Verbindung“ in Niedersachsen. Sie fordert faire Preise für landwirtschaftliche Erzeugnisse, statt Dumpingpreise, die immer weiter sinken. „Leere Versprechungen und Phrasen„, kommentiert Anthony Lee, einer der Organisatoren der Aktion. Er fordert „einen Dialog auf Augenhöhe“ mit den Landwirten.

40 Traktoren in Altenstadt (Iller)

In Schwaben protestierten am Sonntagabend Landwirte vor dem Zentrallager von Aldi in Altenstadt an der Iller (Landkreis Neu-Ulm). Nach Angaben der Polizei kamen hier rund 60 Personen und etwa 40 Traktoren zu einer Spontanversammmlung zusammen. Sie sorgten ab 16 Uhr für Verzögerungen bei der An- und Auslieferung.

Verantwortliche der Firma zeigten sich gesprächsbereit, so dass es zu einem Austausch mit den Landwirten kam. Im Lauf des Abends soll es zu einem „Sit-In“ vor dem Tor des Zentrallagers gekommen sein. Gegen 1 Uhr in der Nacht zogen nach Polizeiangaben die letzten Protestteilnehmer ab.

Erneute Blockaden am 08. Dezember in Nordeutschland

Mit Hunderten Traktoren haben Landwirte in mehreren Bundesländern die Zufahrten zu Umschlagplätzen der Lebensmitteldiscounter, wie z.B. Aldi, versperrt. In Niedersachsen meldete die Polizei an mindestens acht Standorten Blockadeaktionen mit teils bis zu 200 Traktoren.

Dringlichkeitsgipfel soll beschwichtigen

Am letzten Donnerstag fand ein „Dringlichkeitsgipfel“ statt, mit den Chefs der großen Lebensmittelkonzerne, Landwirtschaftsministerin Julia Klöckner (CDU) und Spitzenvertretern des Handelsverbandes. Am Ende stand zumindest ein erstes Entgegenkommen. Die Schwarz-Gruppe, die hinter Lidl und Kaufland steht, will über die Initiative Tierwohl 50 Millionen Euro an Landwirte vergeben. Und das soll reichen?

Landwirte haben in der Nacht auf Montag vor mehreren Aldi-Zentrallagern in Bayern gegen die Preispolitik des Discounters protestiert. Die größte Blockade-Aktion fand in Regenstauf im Landkreis Regensburg statt. „Es kommen jede Woche 250.000 lebende Schweine zum Schlachten aus Dänemark und Holland nach Deutschland. Und uns Bauern wirft man vor, zu viel zu produzieren. Nur, dass die Läden billiges Fleisch haben.“ Die Regenstaufer Aktion dauerte drei Stunden. Dreihundert Landwirte waren daran beteiligt. Es gab keine Möglichkeit, mit Aldi-Vertretern zu sprechen. Mit rund 80 Traktoren haben Landwirte aus Nordbayern und Baden-Württemberg bereits am Sonntagnachmittag das Aldi-Zentrallager in Helmstadt im Landkreis Würzburg blockiert.

Entsprechend fielen die Antwortbriefe der Molkereien und Schlachthöfe aus: Ein Absatz Mitleid, zwei Absätze Schulterzucken. Die Molkerei Bauer etwa äußerte „vollstes Verständnis für die momentan nicht zufriedenstellende Erlössituation„. Der Fleischriese Tönnies schrieb, er erlebe „Einzelschicksale (…) in tiefer Betroffenheit„. Und die Genossenschaft Bayernland reichte den Schwarzen Peter weiter. Die Nachfrage werde schließlich von den Discountern dominiert. „Deren konzentrierter Nachfragemacht haben wir auf Seiten der Molkereien wenig bis nichts entgegenzusetzen.

Doch auch die sind jetzt dran. Vor allem Lidl hatte tagelang versucht, die Bauern zu beruhigen, aber nichts half. In Cloppenburg, wo die Bauern erfolgreich die Lieferkette von Lidl unterbrochen hatten, forderten sie, dass der oberste Chef mit dem Hubschrauber einfliegen solle, um mit ihnen persönlich zu verhandeln.

Das tat der 79-jährige Klaus Gehrig, der Komplementär der Schwarz-Gruppe, zwar nicht, schaltete sich aber per Telefon zu. Die Bauern verstärkten das Gespräch mit Megafonen und streamten es live in den Social-Media-Kanälen. Doch statt die Landwirte zu besänftigen, brachte er Edeka, Rewe und vor allem Aldi gegen sich auf. Er sei der falsche Adressat, belehrte er die Landwirte. „Ich war der Erste, der mit dem Milchpreis nach oben ging, und der Aldi hat den Preis gesenkt.

Raumgebundene Volkswirtschaft

Unterstützt eure Bauern vor Ort!

Gerade wir aus dem nationalen Lager (und natürlich auch jeder andere) können aber auch mit dazu beitragen, dass die Arbeit und Produkte der Landwirte gewertschätzt werden. Gerade in ländlichen Gebieten gibt es zahlreiche Hofläden, die regional verarbeitete Produkte anbieten. So sollte es sich ein jeder überlegen, ob man beim Grillen sechs „ja-Würste“ für 1,50 Euro auf den Grill legt, oder doch lieber die etwas teureren, aber schmackhafteren Würste vom ortsansässigen Metzger kauft, bevor auch dieser schließt und an seiner Stelle das fünfte „Döner-Restaurant“ eröffnet. Auch die regionalen Eier aus Freilandhaltung sind im Supermarkt nur unwesentlich teurer. Oder man geht noch einen Schritt weiter und fängt mit eigener Tierhaltung an und bewirtschaftet ein paar Beete.




1 Kommentar

  • @Redaktion

    „Lebensmitteldiscounter Lidl“

    Wenn der auch noch teurer wird, wo sollen dann Hartz4Leute einkaufen gehen?
    Müssen die dann einen Euro 4x statt 2x umdrehen?

    Natürlich aber haben die Bauern – auch – Recht!

    Lidl 09.12.2020
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