Das Ideal von Feder und Schwert – Yukio Mishima, der letzte Samurai

Pinsel und Schwert, so lautete das Ideal der alten Samurai. Der durchaus streitbare japanische Romancier Yukio Mishima änderte dieses jahrhundertealte Ideal in das von Feder und Schwert um und verwirklichte es auf eine ganz eigene Art und Weise. Über Leben und Werk des gleichsam interessanten wie facettenreichen Schriftstellers ist nun, fünfzig Jahre nach seinem rituellen Selbstmord, die Neuübersetzung einer Biographie erschienen. Diese nähert sich nicht nur mit der Feder, sondern auch mit dem Stift dem ungewöhnlichen Lebensweg des Schriftstellers, Aktivisten und Nationalisten Mishima.
Die 45 Lebensjahre Mishimas bieten genug Stoff, über den es sich zu schreiben lohnt. Zu gegensätzlich und verschlungen sind die Pfade und Wege, auf denen Mishima sein Leben lang schritt. Als schwächlicher Homosexueller avancierte er zum führenden Schriftsteller des Nachkriegsjapan, für seine international gefeierten und übersetzten Bücher wurde er gleich drei Mal zum Literaturnobelpreis vorgeschlagen. Doch eben jenen hat er nie erhalten, zu politisch unbequem war der Japaner zwischenzeitlich geworden. Denn der Ausnahmeliterat entwickelte sich zum glühenden Nationalisten, der seine Weltanschauung auch in seine Romane verpackte. Neben seinem schriftstellerischen Talent stellte er auch seinen Körper in den Dienst der Nation, aus dem schwächlichen Jüngling wurde in kurzer Zeit ein durchtrainierter und vielseitig sportlich aktiver Athlet.
Teil dieser selbsterwählten japanischen Agoge war auch die eigens gegründete Schildgesellschaft, in der er seine Anhänger weltanschaulich und sportlich ausbildete. Mit dieser sollte er schließlich den finalen Akt seines Lebens vollziehen, den gescheiterten Putschversuch zur Wiedereinsetzung des göttlichen Kaisers. Bewertung und Interpretation dieses Ereignis verlaufen unterschiedlich – glaubte Mishima wirklich an einen Erfolg, diente es als Möglichkeit, mit dem traditionellen Seppuku getreu dem Samurai-Kodex „wie eine Kirschblüte“ zu fallen, oder war es ein einziger großer Akt des Ästhetizismus? Fragen, die auch fünfzig Jahre nach Mishimas Tod noch nicht geklärt sind. Wer sich eine eigene Antwort auf diese Fragen bilden will, findet dabei in der als Grafikroman gestalteten Biographie „Yukio Mishima – der letzte Samurai“ eine gute Gelegenheit dafür.
Aus dem Italienischen übersetzt gliedert es sich in zwei Teilen, einer mit detaillierten und kunstvollen Zeichnungen versehenen Grafikteil und einem rein textlichen, in dem der italienische Traditionalist und Mishimakenner Federico Goglio einen ausführlichen Einstieg in die Materie bietet, der für sich genommen bereits ein eigenes Buch bilden könnte. Viele neue Informationen und erstmalige Übersetzungen aus Mishimas Werken und Interviews bietet auch bereits mit dem Japaner vertrauten Lesern Gründe, zuzugreifen, alle neu interessierten finden in dem Buch einen breiten Grundstein zur Beschäftigung mit dem „letzten Samurai“.

Yukio Mishima – der letzte Samurai
Großformatiges Hardcover-Album
212 Seiten
Umschlag: farbig
hochwertige Fadenbindung.
Innenteil: Schwarz-Weiß, Format 21,0 x 29,7 cm.
Hier erhältlich.





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