Feder und Schwert LVII – Warum wir keine Patrioten sind

Spätestens seitdem AfD und Bürgerbewegungen in die öffentliche Wahrnehmung gerückt sind und weite Teile der Gesellschaft ergriffen haben, ist es wieder schick geworden, sich als „Patriot“ zu bezeichnen. Auf den ersten Blick kann man als von einer deutschen Weltanschauung getragener Mensch dies auch mit Wohlwollen empfinden, war es vor über 10 Jahren doch noch schwierig, breite Teile der Massen mit heimattreuen Impulsen zu erreichen. Doch je weiter die patriotische „Protestbewegung“ wächst, desto mehr entpuppt sich die Aufbruchstimmung auch als ein Irrweg, der auf Umwegen wieder zurück zu alten ideologischen Mustern des herrschenden Systems führt.

 

Schuldkult und westliche Ideologie als Leitkultur des BRD-Patriotismus

In einem 2016 erschienen Arbeitsbericht der Bundesakademie für Sicherheitspolitik (Arbeitspapier Sicherheitspolitik, Nr. 26/2016) (1) spricht der ehemalige Generalinspekteur der Bundeswehr Hans Peter von Kirchbach davon, dass der Patriotismus durch heimattreue Proteste zunehmend diskreditiert worden wäre. Richtig verstanden bedeute Patriotismus nichts anders als „fest in den Wurzeln zu stehen, die uns die Verfassung ausweist. Sie ist ja für sich selbst erst seit 1949 geltendes Recht. Sie ist aber aus zahlreichen Erfahrungen unserer Geschichte gespeist und in Grundsätze umgesetzt, die sich vielfach, zuletzt auch bei der Vereinigung 1990 in bester Weise bewährt haben. Patriot zu sein heißt andererseits auch, bewusst in unserer Geschichte zu stehen, in allem, was sie uns an Gutem und an Schlimmem im Gelingen und im Scheitern gebracht hat.“ Mit dieser Formulierung ist bereits der Kern der bundesdeutschen Patriotismusdefinition umrissen. Eine Verfassung, die aus „Erfahrungen der Geschichte“ gespeist wurde, gilt den Patrioten als leitende Richtschnur, nicht jedoch das eigene Volk als biologische Einheit, aus dem durch die Geschichte erst die Schicksalsgemeinschaft der Nation gewachsen ist.

Mit der genannten „Verfassung“ ist in diesem Falle offensichtlich das Grundgesetz für die Bundesrepublik gemeint, die als fremddiktierte, liberalkapitalistische Händlerideologie die nationalen Volksrechte des vorangegangenen gewaltsam niedergeworfenen deutschen Staates ablöste, welche in einer echten deutschen Verfassung verwurzelt waren. Patrioten der BRD, die man auch als „Verfassungspatrioten“ bezeichnen kann, sind dabei nichts anderes als die eifersüchtigen Wahrer des Grundgesetzkonstruktes, das in Folge alliierter Besatzung die universalen Individual- und Menschenrechte der westlichen Plutokratie auf deutschem Boden installierte.

Dem Vorbild US-Amerika, wo ein blutsleerer Patriotismus sich auf die universalistischen Werte einer falsch verstandenen, individualistischen Freiheit begründet, anstatt auf einen genetisch umrissenen Volkskörper, eifert der BRD-Verfassungspatriotismus in gleicher Art und Weise nach.
Ein Blick in ein „Patriotismus-Papier“ der CDU-Sachsen mit dem Titel „Aufruf zu einer Leit- und Rahmenkultur“ (2) offenbart uns, wofür der Patriotismus in der BRD wirklich steht. „Volk“ und „Nation“ scheinen als geschichtliche Konstanten für den Verfassungspatrioten derart bedeutungslos zu sein, dass sie nicht einmal mehr eine Erwähnung finden. An deren Stelle wurde das künstliche Schlagwort der „Leitkultur“ gesetzt, das neben der „freiheitlichen demokratischen Grundordnung“ (bekanntlich ein „Geschenk“ der alliierten Siegermächte) auch „Werte und Rechtsnormen“ umfasst, die aus bloßen „Übereinkünften“ zur „Regelung des Alltagslebens bis zur Ausgestaltung der Rolle Deutschlands in Europa und der Welt reichen“.

Nicht fehlen dürfen in der westlich-ideologisch aufgeladenen BRD-„Leitkultur“ natürlich auch „jene wichtigen Lehren, die unser Land aus der nationalsozialistischen und der kommunistischen Diktatur gezogen hat“. Der Schuldkult wird damit auch zum Teil der patriotischen Leitkultur. Auf dem Wege der „Leit- und Rahmenkultur“ nach dem Verständnis der Herrschenden ist es endlich auch jedem menschlichen Individuum möglich, Teil der „deutschen Gesellschaft“ und damit auch Patriot zu werden, ungeachtet wo dessen Wurzeln liegen.

 

Der Patriotismus der neuen Rechten

Wenn man nun glaubt, dass sich die Patrioten der konservativen Rechten so grundlegend von denen der „politischen Mitte“ unterscheiden würden, so sieht man sich getäuscht. Auch die AfD verwendet in ihrem aktuellen Grundsatzprogramm unter dem Punkt „Identität“ (3) den Begriff der „deutschen Leitkultur“, die sich aus deren Sicht unter anderem aus der „religiösen Überlieferung des Christentums“ und dem „römischen Recht“ speist, das ähnlich wie die Rechtsnormen nach CDU-Verständnis materialistisch und individualistisch ist und aus AfD-Sicht der „freiheitlichen demokratischen Grundordnung“ zugrunde liegt, die die alliierten Besatzungsmächte bei der Errichtung der Nachkriegsordnung mit sich im Gepäck führten. Auch die AfD vermeidet das Bekenntnis zum Volk und betrachtet Deutschland lediglich als Standort einer deutschen Kulturlandschaft, ohne dessen Träger, das deutsche Volk als Abstammungs- und Schicksalsgemeinschaft, beim Namen zu nennen.

Mit dem Christentum als Teil der Leitkultur stellt die AfD auch die Religionszugehörigkeit bewusst über die Volkszugehörigkeit. Nach diesem Verständnis kann also der christliche Kongolese aus AfD-Sicht wohl der bessere „Patriot“ sein, als der heidnische oder atheistische Deutsche, der diesen Teil der Leitkultur bewusst nicht erfüllt. Etwas grundlegend anderes als die weltbürgerlichen Vorstellungen der CDU und der angloamerikanischen „Väter des Grundgesetzes“, dass ein jeder Mensch sich die deutsche Identität wie einen Mantel umhängen könne, solange er eine abstrakt konstruierte „Leitkultur“ vertritt, ist also im AfD-Programm nicht auszumachen.

Zum Teil noch absurder wird die Dekonstruktion von Volk und Nation bei den Apologeten eines „solidarischen Patriotismus“ aus dem angeblich „radikalen Lager“ der neuen Rechten betrieben. Nach der Ansicht des Politikwissenschaftlers Benedikt Kaiser schüre die EU durch ihre „vermeintlich“ paneuropäische Art „nationale Chauvinismen“. Als Reaktion auf den aus der Sicht Kaisers „zu national“ angehauchten Kurs der AfD gegen die EU-Politik, meint Kaiser, dass „tief sitzende und fortlaufend reproduzierte nationale Chauvinismen und Mikronationalismen“ als „primär zu überwindende Hindernisse anzusehen“ seien und angeblich eine „gesamteuropäische Lösung“ verhindern. (4) Noch deutlicher wird Kaiser, wenn er in seinem Buch „Querfront“ davon spricht, dass der klassische Nationalstaat den Problemen, die „Kapital und Eliten hervorrufen“ nur noch „wenig entgegenzusetzen“ hätte. (5)

Der Nationalstaat wird unter sogenannten „solidarischen Patrioten“ und Identitären also nur mehr als „veralteter Ballast“ angesehen, anstatt als Schutzraum des Volkes vor den Stürmen der Globalisierung. Die Überwindung des Nationalismus, der für jedes gesunde Volk eine natürliche Äußerung seines Strebens nach Einheit, Freiheit, Unabhängigkeit und Selbstbestimmung darstellt, steht ganz oben auf der Agenda der „neuen Rechten“. Dass diese Elemente damit nicht im selben Boot mit volkstreuen Nationalrevolutionären sitzen können, sondern sich automatisch in das Lager des Feindes gestellt haben, sollte selbsterklärend sein. Als Ersatz für rein nationale Identitäten plädiert Kaiser für eine „dreifache Identität“, der Zugehörigkeit zu Region, Nation und Europa. Was dort in klugen und progressiven Worten daherkommt, ist in Wahrheit ein reaktionärer Rückschritt. Denn der Mensch hat immer nur eine Identität, es sei denn, er leidet unter einer multiplen Persönlichkeitsstörung.

Wer Deutscher ist, kann zwar gleichzeitig auch Bayer, Sachse oder Preuße sein, aber sich nicht für die Belange seiner Region mit der gleichen Inbrunst einsetzen wie für die Nation. Andernfalls verfällt unser Volk wieder in den gleichen Hader der Stämme untereinander, wie dieser bereits zur Zeit der deutschen Kleinstaaterei und der deutsch-deutschen Kriege im 19. Jahrhundert unsere Nation auseinandergerissen hat. Eben so verhält es sich auf der europäischen Ebene. Natürlich ist man als Deutscher auch Europäer. Aber wer von den Patrioten einer künstlich konstruierten „Nation Europa“ wäre denn bereit, seinen Kopf eher für die Interessen eines fremden Volkes an der Peripherie Europas hinzuhalten, als für das eigene Volk im Herzen Europas, mit denen man die größere Blutsverwandschaft teilt?

Warum ein Volk überhaupt einen Nationalstaat bräuchte, fragt sich auch der neurechte Publizist Felix Menzel. Der meint nämlich, dass Völker auch ohne Nationalstaat überlebensfähig wären und führt dabei die Beispiele von Kurden, Basken, Katalanen und Schotten ins Feld. (6) Dass alle diese genannten Völker jedoch unter der Knute der Fremdherrschaft stehen und danach bestrebt sind, einen eigenen Nationalstaat zu erkämpfen, der ihnen das Recht auf Selbstbestimmung und Freiheit garantiert, anstatt sich mit ihrer Staatenlosigkeit abzufinden, lässt Menzel getrost außen vor. Nicht zu vergessen, dass der Vergleich mit den Deutschen hinkt, denn diese Völker sind von der Größe her nicht mit dem deutschen Volk zu vergleichen. Was würde denn mit einem deutschen Volk ohne einer nationalen Ordnungsmacht passieren?

Was die größten Helden unseres Volkes seit Hermann des Cheruskers versucht haben, alle Germanen oder Deutschen in einem geeinten Reich zusammenzuführen und was erst etwas mehr als 1900 Jahre später, nach langen Jahrhunderten der inneren Zerissenheit, der Wirren und der Bruderkämpfe gelungen ist, das wirft die „Neue Rechte“ achtlos weg und wünscht sich wieder den Rückschritt in das Völkerchaos. „Ureigene Werte zu erhalten sei auch in einem großen Staatengebilde möglich“, meint Menzel. Dem kann man nicht widersprechen, aber welches Volkes würde denn die Diaspora, die Fremdherrschaft und das Gefühl, der Willkür einer fremden Regierungsgewalt ausgesetzt zu sein, dem Leben in einem eigenen, souveränen Nationalstaat vorziehen? Das Schicksal der k.u.k.-Vielvölkermonarchie und des jugoslawischen Frankensteinstaates scheinen den Patrioten des „Jungen Europa“ anscheinend noch nicht Lehrbeispiel genug zu sein, um von ihrem Paneuropa-Wahn Abstand zu nehmen.

 

Die welschen Wurzeln des Patriotismus

Um den Gegensatz zwischen völkischem Nationalismus und Patriotismus zu verstehen, muss man sich auch die Ursprünge beider Anschauungen vor Augen führen, die jeweils in unterschiedlichen Räumen zu unterschiedlichen Zeiten entstanden sind. Während der Patriotismus seine Wurzeln in der französischen Staatsidee hat, ist der blutsbezogene Nationalismus der Deutschen viel älter und existierte bereits, als noch kein deutscher Nationalstaat in Aussicht stand. Schon einer der größten deutschen Führer der Geschichte, Heinrich I., verstand es, durch Blut und Eisen die deutschen Stämme gegen äußere Feinde zu vereinen und damit die deutsche Nation zu begründen, fast 1000 Jahre bevor überhaupt der deutsche Nationalstaat durch Bismarcks Einigungskriege verwirklicht werden konnte.

Der deutsche Nationalismus lebt damit also allein durch das deutsche Volk – und nicht durch den deutschen Staat – , das in ihm ein Naturrecht als das innere Streben des Lebens nach Arterhaltung und territorialer Selbstbehauptung findet. Herder definierte die Nation bereits als die Fortsetzung der Familie und des Stammes, als rassisch und biologisch begründet, als Werk der Natur und für den Menschen schicksalbedeutend. Das sind Erkenntnisse, die durch die Ideen der französischen Revolution, dass die Nation eine Gemeinschaft freier Bürger sei, die den Gesetzen, die sie sich gegeben haben, Gehorsam und Loyalität entgegenbringen, dass sie ein Produkt der Politik und der Vernunft sei und die vollkommenste Organisation des Menschen darstelle, nicht mehr widerlegt werden konnten.

Weder für den politischen Volksbegriff noch für den französischen Staatsaufbau spielt die blutsgebundene völkische Gemeinschaft in Frankreich hingegen eine Rolle. Das Volk ist nach ihm das persönliche Substrat des Staates, der Kreis aller derjenigen, die sich zu dem in Frage stehenden Staat bekennen. Der Staat ist daher nicht die organisatorische Ausdrucksform einer völkischen Gemeinschaft, sondern der Tatbestand individueller Willensentscheidungen.

Der deutsche Vaterlandsbegriff steht dazu im krassen Widerspruch. Doch die Auswirkungen der französischen Volks- und Staatsauffassung werden in ihrer Auslegung bis in die jüngste Gegenwart fühlbar, so zum Beispiel festzumachen am Begriff „Patriotismus“. Während der Begriff in napoleonischer Zeit auch noch in deutschen Landen gebräuchlich war, – immerhin galt der Kampf der Vordenker Jahn, Fichte, Arndt, Friesen und vieler anderer einem gesamtdeutschen Staat im Gegensatz zu Fürstenwillkür und französisch diktierter Kleinstaaterei – wurde er vom treffenderen Begriff „Nationalismus“ abgelöst. Bekanntlich klingt im Nationalismus noch das „gebürtig von“ mit, er betont also die volkliche, engverwandtschaftliche Wirklichkeit von Rasse und Abstammung, während der „Patriotismus“ den Staat in den Mittelpunkt seines Wollens stellt. Folgerichtig wurde und wird der unscharfe Begriff „Patriotismus“ vor allem im angelsächsisch-romanischen Raum gebraucht.

Er ist also ein Begriff, der sich direkt aus der französischen Staatsauffassung ableitet und wird im scharfen Gegensatz zu unserem Volkstumsbegriff gebraucht. (7) Ironischerweise ist es ausgerechnet der Vordenker der Identitären Bewegung, Alain de Benoist, der einmal treffenderweise über den Vergleich zwischen deutscher und französischer Nation schrieb:

„Die Tatsache, daß auf diese deutsche Nation heute zwei oder drei einzelne Staaten (die Bundesrepublik, die DDR und Österreich) kommen, kann deshalb einem Deutschen nicht so verblüffend vorkommen – so verheerend sie auch sein mag – wie einem Franzosen. Bevor eine deutsche Nation bestand, gab es bereits Deutsche. Ohne französische Nation gibt es dagegen keine Franzosen mehr.“ (8)

Dass welsche Patriotismusideen also nicht von Frankreich, dessen in ihrer Art sich untereinander stark unterscheidenden gallo-romanischen, bretonischen, normannischen, korsischen und baskischen Volkssstämme stets nur durch die Klammer eines frühzeitig entstandenen französischen Nationalstaates zusammengehalten werden konnten, nicht auf Deutschland übertragen werden können, leuchtet den neurechten Theoretikern mit ihrem Fetisch für politische Ideen aus unserem westlichen Nachbarland offensichtlich nicht ein. Bereits schon bei der Teilung des alten Frankenreichs zeichnete sich eine scharfe Volkstumsgrenze zwischen den späteren beiden Ländern Frankreich und Deutschland ab.

Im Westen wurde das heterogene Gemisch aus bis ins Mark durchromanisierten Gallokelten und Franken frühzeitig unter das Zepter eines zentralistisch regierten und von der Romkirche beherrschten französischen Nationalstaats gezwungen, während im Osten die untereinander eng blutsverwandten germanischen Stämme gegen Rom stets aufrührerisch blieben und erst in einem langen Prozess der Fehde „Rom gegen Reich“ und in der Selbstbehauptung durch zahlreiche äußere Feinde zur Einheit der völkischen Gemeinschaft geschmiedet werden konnten. Der deutsche Nationalismus ist unabdingbar für den Fortbestand des deutschen Volkes. Er ist als Substanzfrage vor allen anderen politischen Stoßrichtungen an die oberste Stelle unserer Weltanschauung zu stellen. Wenn sich die neue Rechte also explizit als nicht-nationalistisch und patriotisch bezeichnet und die deutsche Nation gar als „grandios gescheitert“ bzw. als „Usurpator“ betrachtet, so sollte es für deutsche Nationalrevolutionäre doch ein leichtes sein, innerhalb des sogenannten „rechten Lagers“ die Grenzen zwischen Freund und Feind abzustecken. Wer gegen den Erhalt unseres Volkes als selbstbestimmte Nation arbeitet, egal ob er sich in die „linke“ oder „rechte“ Schublade einordnet, wird uns zum Feind haben!

 

Nationalismus statt Patriotismus!

Die völkisch-nationalistische Staatsidee hat, wie wir gesehen haben, nicht viel mit dem bloßen bürgerlich-patriotischen Staat gemeinsam. Nationalistische Staatsauffassung bedeutet, dass der Staat die Organisationsform des Volkes ist. Er ist ein Mittel zum Zweck und dieser liegt in der Erhaltung und Förderung einer Gemeinschaft genetisch und geistig gleichartiger Menschen. Ein sich politisch bewusst gewordenes Volk schafft sich den ordnenden Staat und begründet den Nationalstaat mit seinem Staatsgebiet als Lebensraum. Leider konnte in der europäischen Geschichte nur in wenigen Ausnahmefällen und historisch günstigen Momenten das Ideal des völkischen Staates verwirklicht werden.

Die Entwicklung des europäischen Völker- und Staatengebildes folgte weder den Gesetzen des Raumes noch den geraden Bahnen der Logik, vielmehr waltete oft der Zufall der gerade zur Machtausübung gelangten Kräfte. Diese Mächte haben u.a. in den Grenzlinien, die Europa durchfurchen, ihre Spuren hinterlassen. Sie wurden durch geschlossene Siedlungsräume der Völker gezogen, machten Angehörige eines Volkes zu Bürgern verschiedener Staaten oder schlossen verschiedene Völker in einem Staate unter Führung und Vorherrschaft eines Volkes zusammen. In dem Augenblick, in dem die Völker zum Bewusstsein ihres eigenen Wertes und ihrer Persönlichkeit kamen, mussten diese Grenzlinien, oftmals willkürlich gezogen, als Fessel empfunden werden, die abzustreifen ihr ganzes Bemühen galt. (7)

Benoist hat wieder Frankreich im Blick, wenn er schreibt:

„So kommt es, dass heute ‘okzitanische Nationalisten’ in ihrem Wunsch, sich von den ‘Franciens’ zu unterscheiden, aufgrund ihrer ‘antinordischen’ Haltung am Ende nur noch (oder es fehlt jedenfalls wenig daran) ihre mediterrane Vergangenheit zu preisen.“ (9)

Im deutschen Volks- und Siedlungsraum gibt es einen derartigen Gegensatz nicht. Kein Süddeutscher würde ernsthaft die Zusammengehörigkeit und Verwandschaft mit einem Norddeutschen anzweifeln. Diejenigen, die das versuchen oder versucht haben, mussten immer mit leicht durchschaubaren Kunstgriffen arbeiten, wie zum Beispiel des Herbeiredens eines Gegensatzes zwischen einem katholischen Süden und einem protestantischen Norden oder sich auf Oberflächlichkeiten wie Mundarten oder Esskulturen versteifen.

Hier kommt der Nationalismus ins Spiel, der das Vaterland als Lebensraum des Volkes betrachtet und nicht, wie der der bürgerliche Patriot, als Staatsgebiet eines Fürsten oder Souveräns oder als eine Phrase, hinter der sich ein Geldsack- oder Religionspatriotismus verbirgt, bei dem Klasse oder Konfessionszugehörigkeit eine höhere Gewichtung als die Volkszugehörigkeit haben. Dies hat sich im patriotischen Lager bis heute nicht geändert. Die AfD als konservative Kraft macht die „christliche Leitkultur“ und gar das uns artfremde römische Recht zum Dreh- und Angelpunkt ihres patriotischen Verständnisses und würde bei Verwirklichung ihres Programms die verarmten Schichten des Volkes in noch größere materielle Bedrängnis bringen, anstatt diese als vollwertige Glieder der völkischen Gemeinschaft nach bestem Gewissen zu fördern.

Weder die BRD, die als Konstrukt zur Einhegung und Auflösung der deutschen Nation geschaffen wurde und deren abstrakte „Leitkultur“ auch von konservativen Kreisen – nur anders formuliert – geteilt wird, noch das paneuropäische Utopia regionalistischer Kleinstaaterei, das Identitäre und „solidarische Patrioten“ als welsches Konzept auf Deutschland anwenden wollen, können das Vaterland der Deutschen sein. Nur mit der Verwirklichung unserer Sehnsucht nach einer Wiederherstellung Gesamtdeutschlands in seinen völkerrechtlichen Grenzen zur Sicherung deutscher Lebensinteressen kann auch dem Volke seine Freiheit und Selbstbestimmung zurückgegeben werden. Das macht uns eben nicht zu Patrioten, sondern zu bekennenden revolutionären Nationalisten!

 

Quellen:

(1): https://www.baks.bund.de/de/arbeitspapiere/2016/patriotismus-heute-definition-eines-zu-unrecht-diskreditierten-begriffs
(2): https://www.cdu-sachsen.de/Dateien/patriotismus-papier-aufruf-zu-einer-leit-und-rahmenkultur/21763
(3): https://cdn.afd.tools/wp-content/uploads/sites/111/2018/01/Programm_AfD_Online-PDF_150616.pdf
(4): Freilich „Das Magazin für Selbstdenker“, Ausgabe No. 2/2019, S. 24
(5): Benedikt Kaiser: „Querfront“; Verlag Antaios, Schnellroda 2017; S. 54
(6): Felix Menzel / Philip Stein: „Junges Europa“, Verein Journalismus und Jugendkultur Chemnitz e.V., September 2013, S. 21 f.
(7): https://unwiderstehlich.online/nationalstaat-staatenbund-oder-regionalismus/
(8): „Kommentare zum Zeitgeschehen“, Folge 185; Wien, August 1987
(9): Alain de Benoist: „Kulturrevolution von rechts“; Jungeuropa Verlag, Dresden 2017, S. 117.





  • Danke für den ausführlichen und aufschlußreichen Artikel. Es lebe das deutsche Volk und die deutsche Nation! (auch wenn das “völkische” dem Bundesgrundgesetzgericht nicht gefällt)

    gerald 30.05.2021
  • Es ist ja fast schon traurig, daß man diesen offensichtlichen Fakt so oft wiederholen muss…

    willi westland 30.05.2021
    • Die meisten in den Kameradschaften sind gutwillig, jedoch weltanschaulich nicht sonderlich gefestigt. Darum ist es wichtig, daß ein jeder von uns in seinem eigenen Umfeld, das hier Geschriebene ständig wiederholt. Denn die Gefahr, welche sich durch diese selbsternannten “Patrioten” im Rücken unserer Front aufbaut, ist wesentlich gefährlicher, als der Feind, der ganz offen gegen die deutsche Sache agiert.

      Isegrim 03.06.2021

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