Steigerwald-Panoramaweg: 4,5 Tage, 188 Kilometer – Ein Erlebnisbericht – Teil 2

In unserer Arbeitsgemeinschaft Körper und Geist sammeln sich Sportler und Aktivisten unserer Partei, die unsere Weltanschauung vorleben und als Vorbild nach außen wie nach innen strahlen wollen. Der Kampfsport steht hierbei meist im Fokus von Medien und Gegnern. Aber in der AG Körper und Geist sind nicht nur Kampfsportler aktiv. Neben Fußballern und Radfahrern eben auch sportliche Wanderer. Einer von ihnen ist am 12. Mai 2021 morgens zur Bewältigung des Steigerwald-Panoramawegs[i] gestartet. Nach viereinhalb Tagen und 188 Kilometer später war er am Ziel seiner langen Wanderung. Nachfolgend der zweite Teil des Erlebnisberichts des Wanderers (erster Teil siehe: Steigerwald-Panoramaweg: 4,5 Tage, 188 Kilometer – Ein Erlebnisbericht Teil 1):

Tag 2

Das Aufstehen zum geplanten Zeitpunkt um 6 Uhr klappte nicht so recht. Angesichts der guten Vortagesleistung gönnte ich mir noch eine Stunde Erholung. Dann, um 7 Uhr ging es aber raus aus dem warmen Schlafsack. Der Regen hatte glücklicherweise aufgehört. Nach dem Aufstehen wollte ich möglichst produktiv sein. Während das Wasser für das Frühstück auf dem Gaskocher köchelte, baute ich nebenbei mein Schlaflager ab und packte alles an seinen vorgesehenen Platz im Rucksack. Die Zeitung hatte ich nebenbei aus den Schuhen entnommen. Nass waren sie immer noch, daher stellte ich zwei angezündete Teelichter in die Stiefel. Diese ziehen vielleicht noch etwas Feuchtigkeit heraus, bevor ich weiter muss. Mit dem heißen Wasser goss ich mir einen herrlichen Kaffee auf und mit dem Rest bereitete ich mir zwei Portionen heißen Haferbreis zu.

Den bescheidenem Zustand der Hütte am Großem Knetzberg zum Trotz eine gute Nacht mit leckerem Frühstück verbracht
Den bescheidenem Zustand der Hütte am Großen Knetzberg zum Trotz eine gute Nacht mit leckerem Frühstück verbracht

Nachdem alles eingepackt war, ging es erst einmal bergab nach Eschenau. Meine körperliche Verfassung ist wieder gut. Bis auf die normalen Druckstellen an Hüfte und Schultern vom Rucksack habe ich keine Probleme. Kein Muskelkater und keine Erschöpfung. Beim Anstieg auf den Zabelstein traf ich den Jogger von gestern wieder. „Gerade habe ich an dich gedacht“ rief er mir freudig zu. Nach einem kurzen netten Plausch ging es weiter bergauf. Mit mir lief eine junge Familie, die die Besteigung des Zabelsteins offenbar für den Vatertagsausflug gewählt hat. Eine gute Wahl. An der Spitze des Bergs befindet sich eine sehenswerte Burgruine. Zahlreiche Ausflügler waren bereits dort und auch ich entschied mich, eine kurze Essenspause einzulegen. Der Aussichtsturm war unsinnigerweise aufgrund schwachsinniger Corona-Verordnungen geschlossen. Während ich eine kleine Brotzeit genoss, sah ich mir die Burgruine an und genoss es ein paar Runden, ohne den schweren Rucksack zu gehen.

Schönes Hinweisschild am Wegesrand, Schnecken in trauter Zweisamkeit, Zabelstein und die Grundbachquelle
Schönes Hinweisschild am Wegesrand, Schnecken in trauter Zweisamkeit, Zabelstein und die Grundbachquelle

Als ich wenige Stunden später oberhalb des Eulenbergs über Michelau in die Landschaft blickte, zog wieder Regen auf, der jedoch nur ca. eine Stunde anhielt. Meine Versuche, in Michelau Wasser aufzufüllen, blieben erfolglos. An den Häusern, an denen ich klingelte, war niemand zuhause. Auf dem weiteren Weg kamen mir immer mehr – mehr oder weniger betrunkene – Vatertags-Wandergruppen entgegen. Normalerweise kann ich diesem Brauch, sich in Gruppen auf der Wanderschaft komplett abzuschießen, nicht mehr viel abgewinnen, aber in Zeiten von abwegigen Corona-Kontaktbeschränkungen steckt in jedem Teilnehmer der Wandergruppen, die sich entgegen aller Kontaktbeschränkungen zusammenfinden, auch eine gewisse Verachtung für die schwachsinnigen staatlichen Regularien. Das wiederrum zaubert mir immer ein Lächeln auf die Lippen.

Oberhalb von Michelau auf dem Eulenberg mit Blickrichtung Norden, Statue der Winzerin im Handthal, Enspurt im Handthal vor dem letzten Anstieg, Blick vom Geiersknuck aus in Richtung Süden entlang der Route der nächsten Tage
Oberhalb von Michelau auf dem Eulenberg mit Blickrichtung Norden, Statue der Winzerin im Handthal, Enspurt im Handthal vor dem letzten Anstieg, Blick vom Geiersknuck aus in Richtung Süden entlang der Route der nächsten Tage

Im Handthal bot sich die Möglichkeit, eine Bratwurstsemmel und ein kühles Radler zu genießen. Den Tipp hatten mir zwei entgegenkommende Wanderer vor etwa 5 Kilometern gegeben. Dem kam ich natürlich nach. Auch meine Trinkblase konnte ich mit Wasser auffüllen. Nach der Brotzeit machte sich dann auch ein Gefühl breit, welches die kommenden Tage meine Laufleistung begrenzen sollte: Schmerzen in den Fußsohlen. Nicht Erschöpfung machte mir zu schaffen, auch wenn die Aufstiege mit dem Gepäck anstrengend sind. Nein, die Schmerzen in den Fußsohlen, offenbar durch die dauerhafte Beanspruchung, begrenzen meine Laufleistung. Nachdem ich den Geiersknuck über den Weinhang erklommen hatte, zeigte das GPS-Gerät auch die Laufleistung von 35 Kilometern und damit meine Mindesttagesleistung nach eigener Vorgabe an. Ich suchte mir daher eine passende Schlafstätte für die Nacht. Diese kam alsbald in Form einer gut gepflegten und geräumigen Schutzhütte in Sicht. Die ursprüngliche Idee, die Hängematte zwischen an den Stützpfeilern aufzuhängen, hatte ich nach einem Testaufbau wieder verworfen. Selbst mir als Nicht-Architekten kam die seitliche Belastung der für vertikale Belastung ausgelegten Stützpfeiler nicht geheuer vor. So schlief ich auf dem Boden, aber dank Luftmatratze ist das auch kein Problem. Gegen 20 Uhr liege ich im Schlafsack und meine Fußsohlen genießen die Pause.

Selbstportrait über dem Handthal mit Blick auf Oberscharzach, strapazierte Füße und das Schlafgemach, die Hängematte wurde jedoch wieder abgehängt.
Selbstportrait über dem Handthal mit Blick auf Oberscharzach, strapazierte Füße und das Schlafgemach, die Hängematte wurde jedoch wieder abgehängt.

Tag 3

Pünktlich um 6 Uhr klingelte der Wecker. Voll ausgeruht und erlebnishungrig stand ich umgehend auf. Die Routine der Frühstückszubereitung bei gleichzeitigem Verräumen der Schlafstätte ging gut von der Hand. Mit Blick in die weite Landschaft wurde das Frühstück aus heißem Kaffee und heißem Haferbrei genossen. Dann ging es weiter durch den Wald nach Ebrach. Die etwa sechs Kilometer, die teilweise durch das malerische Handthal führten, waren schnell zurückgelegt. Zum ersten Mal auf dieser Wanderung schien nun auch die Sonne voll. Die Möglichkeit nutzte ich gleich dazu, mein Mobiltelefon mittels eines Solar-Panels zu laden.

Frühstück mit Ausblick, Rucksack als Wäscheständer, Handthal mit Ebracher Weihern und Laden des Telefons über Sonnenenergie
Frühstück mit Ausblick, Rucksack als Wäscheständer, Handthal mit Ebracher Weihern und Laden des Telefons über Sonnenenergie

Die Landschaft war traumhaft und die Fußsohlen machten keine Probleme. Hinter dem Dörfchen Kleingressingen ging es stetig bergauf in den Wald hinein. In Gräfenneuses klärte dann ein Schild darüber auf, dass aufgrund der Baustelle an der Autobahn ein Umweg über Geiselwind genommen werden muss. Das bedeutete etwa 9,5 Kilometer mehr Strecke. Die Nachricht wirkte nicht gerade motivierend auf mich. Nachdem ich in Geiselwind am Ortseingang eine Tankstelle erblickte, packte ich die Gelegenheit gleich beim Schopf. Neben einen kühlen Radler konnte ich noch die fast leere Trinkblase auffüllen und mich auf der Toilette auch kurz frisch machen. Die Autobahn wurde unterquert und es ging auf der anderen Seite die ganze Strecke wieder zurück zu der eigentlichen Route. Nach etwa 23 Kilometern machten sich wieder die Fußsohlen bemerkbar. Nachdem ein äußerst steiler Abstieg bewältigt wurde, was natürlich mit einer hohen Belastung der Sohlen einherging, stieg das Schmerzgefühl in ganz neue Sphären auf. Mit Musik von Makss-Damage über Kopfhöher verschaffte ich mir etwas Abwechslung und trotzig legte ich beim folgenden Aufstieg ein besonders zackiges Tempo vor. Über etwa 8 Kilometer konnte ich den Schmerz ertragen und verdrängen, indem ich versuchte, schnell Strecke zu machen. Als es mal wieder besonders steil bergab ging und eine Waldschneise malerische Aussicht auf die Landschaft freigab, entschloss ich mich jedoch, eine Pause einzulegen.

Im Wald oberhalb von Kleingressingen und in der unteren Reihe Ausblick bei kleiner Pause vor Castell
Im Wald oberhalb von Kleingressingen und in der unteren Reihe Ausblick bei kleiner Pause vor Castell

Etwa 15 Minuten Ruhe, mit etwas Essen und Entspannung. Danach ging es weiter in Richtung Castell. Die Schmerzen waren schnell wieder da und verlangten mir einiges ab. Als der Herrenberg über Castell erreicht war, genoss ich abermals die malerische Aussicht.

Traumhaftes aber bergiges Weinfranken bei Castell
Traumhaftes aber bergiges Weinfranken bei Castell

Da das Tageskilometersoll bereits erfüllt war, plante ich die gegenüberliegende Waldseite zu erreichen und dort einen Schlafplatz zu suchen. Der war auch schon bald gefunden. Ein Steinkreis, der einen wunderbaren Blick bot, aber wenig frequentiert war, wurde als Nachtquartier auserkoren. Normalerweise habe ich Spaß am Lagerbau, aber nach der Tagesetappe von 37 Kilometern mache ich nur langsam und auch deutlich stümperhafter als sonst mein Nachtlager zurecht. Das zubereitete Essen, heiße Gulaschsuppe mit Nudeln, genieße ich aber in vollen Zügen.

Wenig später, im Schlafsack liegend, hatte ich einen wunderbaren Ausblick auf dem Herrenberg von Castell. Die Füße genossen die wohlverdiente Pause und schnell fiel ich in einen geruhsamen Schlaf.

Traumhafter Biwakplatz am vierten Tag. Entschädigung für die bis dahin schlimmsten Schmerzen.
Traumhafter Biwakplatz am vierten Tag. Entschädigung für die bis dahin schlimmsten Schmerzen.

Der dritte Teil des Erlebnisberichts folgt morgen.


[i] https://www.frankentourismus.de/wege/steigerwald-panoramaweg-391/





  • Die Füße sehen echt gruselig aus. Wenn die bei einem solche Manöver lange genug ständig im Feuchten sind, kann es denen ernsthaft schlecht ergehen, Stichwort (Schützen-)Grabenfuß.

    RW 27.05.2021
    • Ja, dass stimmt. Zum Glück war aber kein Manöver und ich konnte die Schuhe nach der Tagesleistung ausziehen.

      Wanderer 27.05.2021
      • Sind trotzdem vom Aussehen her Wasser-/ Feuchtigkeitsschädigungen der Haut (die Schmerzen kommen da evtl auch her) und zwar schon keine ganz leichten mehr. Sowas kommt unbemerkt. Aber es kann auf Dauer sehr schlimm werden ( 1. Stadium: Schadwirkung (englisch injury stage): Zuerst bildet sich eine klassische, kalte bleiche Waschhaut. Die Durchblutung des Gewebes ist reduziert und es fühlt sich taub an. Gliedmaßen sind bleich oder rot, fühlen aber keine Schmerzen. [Wikipedia]).

        RW 27.05.2021
        • Danke für den Hinweis werde ich mir mal näher durchlesen. Kann ja sicherlich auch durch die allgemeine Feuchtigkeit der Füße durch Schweiß etc. kommen. Denn am dritten Tag war es durchgehend trocken und warm.

          Wanderer 27.05.2021
  • Wackere Leistung bei den Strapazen! Die Aussicht entschädigt für so einige Schmerzen ! Hut ab vor dieser Leistung!

    Predator 27.05.2021

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