Soldaten und Kommandeure von Asowstal in die Freiheit entlassen

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Eine glückliche Wendung im Geschehen um die Helden von Mariupol, die bis zur bedingungslosen Kapitulation im Stahlwerk Asowstal ausharrten und schließlich erhobenen Hauptes den Gang in russische Kriegsgefangenschaft antraten, erfolgte in der vergangenen Woche, als im Rahmen eines Gefangenenaustauschs zwischen der Ukraine und Russland 215 ukrainische Kriegsgefangene in die Freiheit entlassen werden konnte, darunter 108 Soldaten des Asow-Regiments und fünf ihrer Kommandeure, die an der Verteidigung des Stahlwerks in Mariupol beteiligt waren. Es ist bereits der zweite Gefangenenaustausch, nachdem man beim ersten Mal noch lediglich schwerverletzte Kämpfer des Regiments freiließ.

Unter den Freigelassenen befinden sich unter anderem die Spitzenkommandeure des Asow-Regiments Denis Prokopenko und Swjatoslaw Palamar, die während der Belagerung Mariupols als Sprachrohr des Regiments nach außen fungierten und von der russischen Propaganda zu den Gesichtern des ukrainischen „Neonazismus“ gemacht wurden. Im Gegenzug erhielt Moskau 55 russische Kriegsgefangene und den prorussischen, ukrainischen Oligarchen und Putinfreund Wiktor Medwedtschuk, der wegen Hochverrats unter Arrest gestellt wurde, zurück.

Viele russische Stimmen werten dies als einen schlechten Tausch für Russland, schließlich wurden ausgerechnet die bekanntesten Gesichter mit weiteren 108 Soldaten des bei der russischen Propaganda verhassten Asow-Regiments entlassen, während man im Gegenzug nur 55 reguläre Soldaten und einen gescheiterten Politiker erhielt, der die von Moskau gesteckten Ziele in der ukrainischen Politik nicht erfüllen konnte. Die russische Führung versucht nun die Schuld in die Schuhe des Präsidenten der sogenannten „Volksrepublik Donezk“, Denis Puschilin, zu schieben, der das Dekret über den Austausch unterschrieben haben soll. Wie die russische Öffentlichkeit vor dem Hintergrund der von Putin ausgerufenen Teilmobilmachung auf diese Nachrichten reagieren wird, wird eine spannende Frage sein.

Auf der anderen Seite jedoch hat die ukrainische Öffentlichkeit die wiedergewonnene Freiheit ihrer Kriegshelden frenetisch bejubelt. Schon längst hat das Regiment Asow die nationalen Herzen des ukrainischen Volkes erobert und einen unsterblichen Heldenmythos geschaffen. Jedoch können die fünf Kommandeure im Gegensatz zu den übrigen Soldaten des nationalistischen Regiments noch nicht in ihre Heimat zurückkehren, sondern verbleiben aus Sicherheitsgründen vorerst in der Türkei, wo sie unter den persönlichen Schutz des Präsidenten Erdogan gestellt sind.

Auch die zehn ausländischen Kriegsgefangenen, auf die ursprünglich die Todesstrafe in den besetzten Separatistengebieten warten sollte, wurden mittlerweile freigelassen. Die Mehrheit der fast 1000 Helden von Asowstal wird aber wohl weiterhin noch in Gefangenschaft ausharren müssen. Nichtsdestotrotz war die Freilassung der wichtigsten ukrainischen Kriegsgefangenen ein bedeutendes Signal dafür, dass sich Moskau seinem eigenen moralischen Bankrott nach den jüngsten Niederlagen und einer für Russland immer ungünstiger werdenden Position im Kriegsverlauf wohl nach und nach bewusster geworden ist.

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