
Beobachter sehen in Saluschnyj den erfolgreichen Strategen hinter der Verteidigung Kiews und dem Zurückdrängen der russischen Truppen aus einigen besetzten Gebieten. Saluschnyj ist daher im ukrainischen Volk beliebt und das spiegelt sich auch in einigen Umfragen wider. Die Beliebtheitswerte des jüdischen Ex-Schauspielers liegen dagegen seit langem hinter denen des Armeechefs. Es vertrauten ihm zuletzt nur noch 62 Prozent der Ukrainer. Saluschnyj wusste hingegen ganze 88 Prozent der Befragten hinter sich und nur zwei Prozent hätten die Entlassung Saluschnyjs befürwortet. Dies könnte ein Grund für Selenskyj sein, sich des beliebten Oberbefehlshabers als mögliche Konkurrenz schnellstmöglich zu entledigen. Selenskyj musste also damit rechnen, dass ihm die Bevölkerung die Entlassung übel nehmen könnte.
Umso stärker bemühten sich der Präsident und sein Verteidigungsminister Umerow darum, den Abgang von Saluschnyj so leise zu gestalten, wie es nur ging. Dies ist nun mit Olexandr Syrskyj halbwegs gelungen, welcher die erfolgreiche ukrainische Gegenoffensive im Bezirk Charkiw anführte, aber gleichzeitig auch bei der monatelangen Verteidigung von Bachmut, deren Sinn oft von Militärexperten angezweifelt wurde, in der Kritik stand. Ein weiterer Streitpunkt zwischen Selenskyj und Saluschnyj war die Rekrutierung neuer Streitkräfte. Selenskyj würde diese laut Saluschnyj blockieren. Saluschnyj ließ es sich daher im US-amerikanischen Sender CNN nicht nehmen, der politischen Führung und Selenskyj einen Seitenhieb zu verpassen. Im Hinblick auf die relativ erfolgreichen Rekrutierungsmaßnahmen Russlands schrieb er von der „Unfähigkeit staatlicher Institutionen in der Ukraine, die Personalstärke unserer Streitkräfte ohne den Einsatz unpopulärer Maßnahmen zu erhöhen“. Er warf damit Selenskyj vor, keine Verantwortung zu übernehmen, aus Angst, an Beliebtheit im Volk zu verlieren.
Saluschnyj ist Realist und Patriot, zudem prangert er auch offen mit klaren Worten Missstände bei der Kriegsführung der Regierung an. In einem viel beachteten Interview für ein britisches Magazin sagte er: „Es wird keinen tiefen und schönen Durchbruch geben“ und sollte zumindest bis heute damit Recht behalten. Er wirft der Regierung vor, bei der Kriegsführung ideenlos zu sein, denn mit Durchhalteparolen und Hoffnung allein wird nun mal kein Krieg gewonnen.
Es ist auch für das übrige Europa besorgniserregend, wenn die aktuelle politische Führung in der Ukraine mitten im Krieg kompetente Militärs wie Saluschnyj absägen lässt, im Angesicht des russischen Angriffskrieges. Gleichzeitig zeigen die Umfragen in der Ukraine auch, dass die Bevölkerung selbst nicht mehr allzu gut auf Selenskyj zu sprechen ist und im Krieg bewährte Männer des Volkes wie Saluschnyj als würdiges Staatsoberhaupt wohl größere Popularität genießen würden, als ein koscherer Liebling Hollywoods.













