Feder & Schwert LXXIX: Weltfrieden oder Welt des ewigen Ringens?

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Die allmontaglichen Spaziergänge der „Friedensmarschierer“ im Osten der Republik und bundesweite „patriotische“ Protesttage für „Frieden und Miteinander“ wie am letzten 22. März beweisen es: Nach 80 Jahren Dauerfrieden und mehrerer Generationen ohne Kriegserlebnis begegnet ein Teil des Volkes den heraufziehenden Gewitterwolken am europäischen Himmel mit naiver Blauäugigkeit. Während eine große Masse nach „Diplomatie“ schreit, weil einige Klarsehende in Europa – als „Kriegstreiber“ diffamiert – dazu mahnen, sich auf den Verteidigungsfall des europäischen Bündnisses vorzubereiten, rüstet fern im Osten der alte Gegner Europas in heutiger Gestalt der Russischen Föderation erneut zum Sturm auf den Kulturkontinent.

Die Antwort einfältiger Friedensapostel ist bedeutend simpel: Um „den Frieden“ zu erhalten, soll Deutschland weder für den Ernstfall rüsten, noch seine europäischen Verbündeten mit Waffen beliefern, um nicht den Gegner – sofern jene in Moskau überhaupt einen Gegner sehen – zu provozieren. Was als Konsequenz folgt, ist klar: Lieber möchte man im Frieden die verhasste Fremdherrschaft des Westens durch eine Fremdherrschaft Innerasiens ersetzen, von der man sich die Erfüllung von Wunschträumen erhofft, anstatt als selbstbestimmtes Subjekt der Geschichte für die eigene völkische Freiheit zu streiten. Hatte man vor Jahrzehnten solch eine devote Haltung noch der politischen Linken zugeschrieben, die traditionell schon immer der politische Arm des antieuropäischen Spinnennetzes war, in deren Mitte der Kreml sitzt, so findet man das geopolitische Stockholm-Syndrom heute mehrheitlich im politisch rechten Lager vor, das einem „Iwan come back“ sicherlich alles andere als abgeneigt ist.

 

Das Ur-Gesetz

Dabei liegt es eigentlich am allerwenigstens in der Natur des deutschen, oder speziell des germanischen Wesens, den Ehrverlust durch erzwungenen Frieden und Fremdbestimmung dem Kampf um die eigene Freiheit vorzuziehen. Schon unsere Vorfahren kannten das Dasein, das Leben selbst nur als einen fortwährenden Kriegszustand, als ein Ringen um die eigene Selbstbehauptung. Bei den Menschen des Nordlandes waren es ursprünglich lediglich die Sippengruppen, die innerlich befriedet waren, nach außen hin herrschte fortwährend der „Urlog“ (d. h. der Ur-Zustand, das Ur-Gesetz). Linus Ammer schreibt im Buch „Das alte germanische Recht“, 2024, Lindenbaum Verlag, dass der Kampf bzw. Krieg für unsere Ahnen der Normalzustand war, der Frieden hingegen überhaupt nur eine Ausnahmesituation, ein geschlossener Vertrag.

Der Friede war also kein selbstverständlicher Zustand, sondern lediglich „eine ganz konkrete, situativ beschränkte Abmachung“, die in Verhandlungen stets auch erneuert werden musste. Nur wer einen Friedensvertrag verletzte oder innerhalb einer befriedeten Gruppe (bspw. innerhalb des Gaues) den Frieden zwischen zwei Stämmen brach, wurde selbst „friedlos“, d. h. ein Geächteter. Sippen, die einen Ehrverlust durch Gewalt oder Kränkung gegenüber einen ihrer Angehörigen nicht rächten und damit ihre Ehre nicht wiederherstellten, wurden aus der Gemeinschaft ausgestoßen, denn was wäre, fragte sich die im Daseinskampf schicksalhaft verbundene Stammesgemeinschaft, wenn der Angriff von einem äußeren Gegner erfolgt wäre und man sich dabei wehrlos gezeigt hätte? Da nur der Friedbruch einen Frevel darstellte, der Krieg jedoch als Urgesetz galt, ähnlich wie auch der Wolf keinen legitimen Grund braucht, um ein Lamm zu reißen, so wurde der Kampf für unsere indogermanische Völkerfamilie schon von der Wurzel an zum Vater aller Dinge.

 

Mythos „Weltfrieden“

Wer jedoch glaubt, dass das Urgesetz des ewigen Ringens in der modernen, zivilisierten Welt nicht mehr gilt, begeht einen folgenschweren Irrtum. Die Zivilisation ist nur eine dünne Tünche, die sich mit der Zeit über unsere Urinstinkte gelegt hat, um die Folgen des ewig fortwährenden Kampfes ums Dasein abzumildern. Heute ist es zwar nicht mehr üblich, wie einst in der Antike, ohne Grund einen Eroberungsfeldzug gegen ein anderes Reich zu führen und das Recht des Stärkeren mit dem Schwert durchzusetzen, jedoch existieren Gruppenegoismen unter Völkern weiter und laufen die selben Mechanismen zur Durchsetzung der eigenen Kraft, nur in einer anderen Form, weiterhin ab. Wirtschafts- und Handelskrieg, Spionage, geopolitische Schachzüge und Abschreckungspotenziale durch Waffenrüstung sind heute die Antworten auf konkurrierende menschliche Gemeinschaften; seien es Völker, Kulturen oder ganze Kulturkreise.

Auch hier resultiert der Frieden lediglich aus Abmachungen, Verträgen und Bündnissen und kann nicht als selbstverständlich angenommen werden. Was auch unsere Vorfahren über Jahrhunderte als Urzustand in einer Welt der erzwungenen Selbstbehauptung wahrgenommen haben und schließlich zur Wende des 19. zum 20. Jahrhunderts im Zenit der weltweiten europäischen Dominanz kulminierte, ist nach der europäischen Katastrophe in der Mitte des 20. Jahrhunderts völlig in Vergessenheit geraten. Heute triumphieren die Verkünder des „ewigen Friedens“ in Europa selbst dann, wenn die drohende Kriegsgefahr durch einen äußeren Aggressor erneut deutlich Gestalt annimmt.

 

Si vis pacem para bellum

Noch abstruser muss dieses Szenario jedoch anmuten, wenn die „Schwerter zu Pflugscharen“- Jünger heute mehrheitlich im sich als „patriotisch“ oder gar „nationalistisch“ verortenden politischen Spektrum anzutreffen sind. Hat vor allem noch die Ideologie des Marxismus im Europa der Nachkriegszeit für Abrüstung, Pazifismus, Internationalismus, postkoloniale „Vergangenheitsbewältigung“ und Freundschaft mit Moskau getrommelt, während sie gleichzeitig unter nichteuropäischen, farbigen Völkern als befreiungsnationalistisch, patriotisch und antieuropäisch daherkam, so hat sich heute selbst und vor allem das rechte Lager in Deutschland mit dem marxistischen Narkotikum betäuben lassen.

Landesverräterische Parolen von Linken, gegen die vor 50 Jahren authentische Nationalisten noch Sturm liefen und die erst recht nach der Novemberschmach von 1918 Verachtung und Hass vaterländisch gesinnter Bewegungen ernteten, gelten heute unter vermeintlichen „Patrioten“ und „Nationalisten“ als schick. Längst macht die Friedens-Querfront von links nach rechts sogar gegen die Wehrpflicht und Wiederaufrüstung mobil. Man will um jeden Preis „Freundschaft mit Russland“ und vergisst dabei, dass Freundschaften nur auf Augenhöhe funktionieren können, nicht jedoch mit einer Macht, die nur Verachtung für die europäische Kultur und Zivilisation übrig hat; siehe dazu weiterführend „Feder und Schwert LXIV: Ist der Westen unser Feind?“. Dabei sind es ausgerechnet die „Friedensmarschierer“, von denen die größte Kriegsgefahr ausgeht, denn nicht nur in Germanien, sondern auch im alten Rom wussten schon diejenigen, die am aufrichtigsten für den Frieden einstanden, dass man diesen am besten erhält, indem man dem Gegner Wehrhaftigkeit und Stärke demonstriert. Damals wie heute bewahrheitet sich die berühmte Weisheit aus einer Rede des römisch-antiken Politikers und Konsuls Marcus Tullius Ciceros: „Si vis pacem para bellum“ – „Wenn du den Frieden willst, so rüste zum Krieg.“

1 Kommentar

  • Eine sehr gute Analyse. Ihr zeigt genau auf, wohin sich das sog. „patriotische Lager“ gewendet hat.

    Ostland 31.03.2025
  • Das heißt die friedliche Ordnung der Völker dieser Erde gibt es nur im Wolkenkuckucksheim? Und die Völker Europas haben sich selbst erneut in den Weltkrieg gestürzt, weil das ihrem Naturzustand entspricht? Mag ich nicht so recht glauben.

    Hadubrand 30.03.2025
    • Die „friedliche Ordnung der Völker dieser Erde“ ist diejenige, die die sogenannten Siegermächte des zweiten Weltkrieges diesen Völkern „für ewig“ mit Waffengewalt aufgezwungen haben und grade das weiterhin als Weltfeind geltende deutsche Volk ist dabei nicht allzugut weggekommen.

      RW 31.03.2025