
Am 21. Juni 1923 versuchten gegen 8:15 Uhr Ludwig Knickmann und Karl Jackstien, die Grenze zum durch französischen und belgischen Truppen besetzten Ruhrgebiet zu überqueren. Im Gepäck hatten beide Nahrungsmittel, welche sie schmuggelten. Die Versorgung der Zivilisten im Ruhrgebiet war sehr schlecht, was das Schmuggeln von Nahrungsmitteln notwendig machte.
An der Grenze gerieten beide in eine Kontrolle. Vier belgische Soldaten durchsuchten die beiden jungen Männer. Deren Risiko war sehr hoch. Oft wurden Deutsche, welche beim Schmuggeln erwischt wurden, gefoltert, misshandelt oder sogar getötet. Als ein belgischer Soldat Knickmann kontrollierte, zog dieser eine Pistole und eröffnete das Feuer auf die Besatzer. Er konnte zwei belgische Soldaten töten und einen verwunden. Ein weiterer Besatzer konnte sich in den Wald retten und erwiderte das Feuer.
Während des Feuergefechts wurde Knickmann in die Schulter getroffen. Jackstien schnappte seinen verletzten Kameraden und trat mit ihm die Flucht Richtung Lippe an. Weiterhin unter Beschuss des belgischen Soldaten, welcher Verstärkung anfordern konnte, schleppte Jackstien, die Verfolger im Nacken, seinen Kameraden Knickmann bis ans Ufer der Lippe. Ganz in der Nähe des Hauses Ostendorf in Lippramsdorf entkleideten sich beide. Da Knickmann durch seine Verletzung nicht alleine schwimmen konnte, band ihn Jackstien mit seinem Hosenträger an sich fest und trat mit ihm den Übertritt der Lippe an. Dies, obwohl die Lippe Hochwasser führte und deshalb zu einem reißenden Strom angeschwollen war. Unter Beschuss der belgischen Truppen schaffte Jackstien es, Knickmann über die hälfte der Lippe zu transportieren. Dort riss allerdings der Hosenträger und die Fluten rissen Knickmann mit sich. Der durch die Strapazen der Flucht geschwächte Jackstien konnte seinem Kameraden nicht mehr zu Hilfe eilen.
Knickmann starb an diesem Tag im Alter von 25 Jahren in der Lippe beim Versuch, seinem hungernden Volk zu helfen. Jackstien konnte sich ans andere Ufer retten, wurde allerdings auf der Flucht wenige Tage später in Ostpreußen inhaftiert.
In der Zeit der Ruhrbesetzung war Ludwig Knickmann Gründer und Führer des „Stoßtrupps Buer“. Wie Albert Leo Schlageter beteiligte er sich an Sabotageakten gegen die ins Ruhrgebiet eingerückten französischen und belgischen Besatzungstruppen. Im Heimatort Knickmanns, Gelsenkirchen-Buer, wurde nach 1933 unter großer Anteilnahme jährlich eine Gedenkfeier zu Ehren Ludwig Knickmanns abgehalten.
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