Natur geopfert, Rendite gesichert – Teil I

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Mit 209 Hektar Fläche war der Solarpark bei Werneuchen (Brandenburg) zum Zeitpunkt seiner Inbetriebnahme der größte seiner Art in Deutschland; größer als die gesamte Altstadt von Lübeck oder gar der Stadtstaat Monaco. Auf rund 164 Hektar ehemaligen Ackerlands stehen nun in Reih und Glied Solarmodule. Auch wenn er 2025 nicht mehr der größte ist, bleibt er ein Symbol für die Diskussion rund um Flächennutzung und Energiewende. Für viele klingt das nach Fortschritt, nach Klimaschutz und grüner Transformation. Aber ist es das wirklich?

Laut Betreiber EnBW produziert die Anlage rund 180 Millionen Kilowattstunden Strom pro Jahr – rechnerisch für etwa 50.000 Haushalte – und spart dabei jährlich rund 129.000 Tonnen CO₂ im Vergleich zum deutschen Strommix (EnBW, 2020).

Zwar klingt die Jahresproduktion beeindruckend, doch das eigentliche Problem liegt in der Systemintegration: Bis 2025 hat sich daran kaum etwas geändert: der Solarpark verfügt weiterhin über keine Speicherlösung. Der Strom fließt direkt ins Netz – oder eben nicht, wenn dieses überlastet ist. Brandenburg ist längst eine Ökostrom-Überschussregion, aber der notwendige Netzausbau wurde über Jahre vernachlässigt. Eine Studie von Agora Energiewende zeigt, dass insbesondere die Verteilnetze massive Engpässe aufweisen und ein Flaschenhals für die Energiewende darstellen (Agora, 2023).

Im Jahr 2023 wurden laut Bundesnetzagentur über 19 Terawattstunden Ökostrom – vor allem aus Wind und Photovoltaik – nicht eingespeist, weil die Netze überlastet waren. Das entspricht mehr als dem gesamten Jahresstromverbrauch der Hauptstadt Berlin. Damit der Strom das Netz nicht überlastet, werden Kraftwerke – meist Windräder oder Solaranlagen – zeitweise abgeschaltet. Das nennt man Redispatch – eine Art „Notbremse“ für das Stromnetz. Die Betreiber erhalten dafür trotzdem Geld, obwohl kein Strom geliefert wird. Insgesamt kostete dieses Verfahren die Allgemeinheit im Jahr 2023 über 3 Milliarden Euro (Bundesnetzagentur, Monitoringbericht 2023; Spiegel, 2024).

Die erzeugte Energie „verpufft“ – und mit ihr die angeblich eingesparte CO₂-Menge. Denn diese Ersparnis ist nur real, wenn fossile Erzeugung tatsächlich ersetzt wird. Wenn der Strom aber nicht abgenommen werden kann, entstehen zwar betriebswirtschaftliche Gutschriften, aber ökologisch keine Wirkung.

Auch das Artenmonitoring 2025 zeigt ein ambivalentes Bild. Zwar hat sich unter den Modulreihen stellenweise artenreiches Grünland gebildet (K&S Umweltgutachten, 2025), doch ersetzt dies keinesfalls die ökologischen Funktionen von Offenlandbiotopen. Vor dem Bau war die Fläche wertvolles Ackerland, genutzt und durchzogen von zahlreichen Arten. Bodenbrüter wie Feldlerche, Rebhuhn oder Wachtel sind auf solche Räume angewiesen (NABU, 2023; BfN, 2021). Die aktuelle Begrünung unter den Modulen ist bestenfalls eine ökologische Alibi-Maßnahme.

Hinzu kommen bodenphysikalische und klimatische Veränderungen: Bodenverdichtung durch Baumaschinen, Veränderung der Wasserverfügbarkeit durch Modulabschattung, lokale Hitzeinseln, die sich unter den dunklen Modulen bilden (UBA, 2022). Auch Wildtierkorridore werden unterbrochen, da die Anlagen meist eingezäunt sind.

Ein gesunder Laubmischwald auf der gleichen Fläche würde rund 2.000 Tonnen CO₂ pro Jahr binden und so viel Sauerstoffbedarf produzieren, um den Bedarf von rund 6.000 Menschen zu decken (UBA, 2023). Diese Ökosystemdienstleistungen fallen vollständig weg, zugunsten einer Stromerzeugung, die nicht einmal bedarfsgerecht abrufbar ist.

Und das alles, obwohl in Deutschland Millionen Quadratmeter ungenutzter Dachflächen existieren. Industriehallen, Logistikzentren, Supermärkte, Parkplätze – bereits versiegelte Flächen, die sich ideal für PV eignen würden. Eine Analyse der DENA zeigt, dass Dachflächen ein riesiges Potenzial bergen; sie werden jedoch kaum genutzt, weil rechtliche und wirtschaftliche Anreize fehlen (DENA, 2022).