
Strom folgt den Gesetzen der Physik, nicht politischen Absichtserklärungen. Sind die bestehenden Nord-Süd-Leitungen überlastet, staut sich die Energie oder sucht sich Umwege über Polen, Tschechien oder Frankreich (50 Hertz). Netzbetreiber müssen dann teure Notmaßnahmen ergreifen, Wind- und Solarparks im Norden und Osten abregeln und Gaskraftwerke im Süden hochfahren, um die Netzfrequenz zu stabilisieren. Allein 2023 kostete dieses Redispatch 3,1 Milliarden Euro, darunter 0,6 Milliarden Euro Entschädigungen für Anlagen, die Strom hätten liefern können, es aber nicht durften (Bundesnetzagentur/SMARD). Im zweiten Quartal 2024 kamen weitere 550 Millionen Euro hinzu (SMARD).
Großprojekte wie die 700 Kilometer lange Gleichstromtrasse SuedLink sollten längst Entlastung bringen. Mit vier Gigawatt Übertragungsleistung könnte sie enorme Mengen erneuerbarer Energie aus dem Norden nach Süddeutschland transportieren. Doch Bürgerproteste, langwierige Genehmigungsverfahren und Streit um Erdverkabelung haben den Termin immer weiter verschoben; frühester realistischer Start ist 2028 (Bundesnetzagentur). Ähnliche Verzögerungen gibt es bei anderen Projekten des Netzentwicklungsplans. Laut Monitoringbericht der Bundesnetzagentur wurden in den letzten zehn Jahren durchschnittlich nur rund 500 Kilometer neuer Höchstspannungsleitungen pro Jahr fertiggestellt – viel zu wenig, um den wachsenden Wind- und Solarstrom aufzunehmen (Monitoringbericht 2024, BNetzA).
Damit diese Kabelautobahnen überhaupt gebaut werden können, müssen für jede neue Trasse breite Schneisen durch Wälder geschlagen, Felder zerschnitten und Landschaften auf Jahrzehnte versiegelt werden. Ausgerechnet die Infrastruktur, die angeblich grüne Energie ermöglichen soll, zerstört damit selbst wertvolle Naturflächen – ein ökologisches Paradox. Für jede neue Leitung fallen Bäume, Lebensräume verschwinden und Böden werden für Wartungswege und Masten dauerhaft verdichtet.













