
Jahrhunderte altes kulturelles Erbe – Von alliierten Bombern zerstört
München. 1158 gegründet, hat sich die Stadt an der Isar im Laufe der Jahre zu einer Kunststadt mit Weltruf entwickelt. Insbesondere unter den Herrschern König Ludwig I. und Prinzregent Luitpold entstanden Parks, Palais, Theater, Universitäten und Denkmäler. Studenten, Künstler, Reisende aus aller Welt zog die Metropole an. Der junge Adolf Hitler schwärmt in seinem Hauptwerk „Mein Kampf“: „Man hat nicht nur Deutschland nicht gesehen, wenn man München nicht kennt, nein, man kennt vor allem die deutsche Kunst nicht, wenn man München nicht sah“. Ihn zog „die wunderbare Vermählung von urwüchsiger Kraft und seiner künstlerischer Stimmung, diese einzige Linie vom Hofbräuhaus zum Odeon, Oktoberfest zur Pinakothek usw.“ an. Von 1933 an wurde München zur „Stadt der Bewegung“ und erhielt weitere Repräsentativbauten wie beispielsweise das „Braune Haus“ oder das Haus der deutschen Kunst.
Als der alliierte Bombenterror auf Deutschland begann, wurde München, gerade auch wegen seiner Bedeutung für die Nationalsozialisten, zu einem wichtigen Ziel. Schon am 10. März 1940 werfen englische Bomber zum ersten Mal Leuchtbomben über der Stadt ab. Von Jahr zu Jahr nehmen die Angriffe an Intensität und Häufigkeit zu. Bei einem Angriff im September 1942 werden etwa 5000 Stabbrand-, 314 Phosphor-, 311 Leucht-, 58 Flüssigkeitsbrand-, 55 Minen- und 26 Sprengbomben abgeworfen. Der große Ring von der Sonnenstraße am Sendlinger-Tor-Platz bis zum Karlsplatz wird schwer getroffen. Beim nächsten Angriff im Jahre 1943 werden dann schon etwa 70 000 Stabbrandbomben eingesetzt. Die NSDAP-Zentrale im Braunen Haus, aber auch das Zentralministerium, die Universität und die Staatsbibliothek werden getroffen.
Anfang Oktober 1943 kommt es zum ersten Großangriff auf München. Insgesamt 7582 Spreng- und 780 Brandschäden werden gemeldet, 4691 Wohnungen und 473 Betriebe müssen geräumt werden. Das Nationalmuseum, die Neue Staatsgalerie und der Kaiserhof der Residenz werden schwer beschädigt. Besonders schlimm wird es dann im Jahre 1944: beim Angriff am 25. April werden 550 000 Stabbrand-, 14 160 Phosphorbrand-, 10245 Flammenstrahlbomben, 844 Flüssigkeitsbrand-, 85 Spreng-, und 36 Zielmarkierungsbomben abgeworfen. Tausende Gebäude werden beschädigt oder gar vollständig zerstört. Der Schriftsteller Wilhelm Hauenstein schreibt Anfang Mai: „Donnerstag und Freitag in München gewesen (…) Es ließ sich nicht ermessen, wieviel von dem wohnlich-bürgerlichen und geschäftlichen München zerstört ist, offenbar war, dass von dem monumentalen München zwei Drittel ruiniert sind (…)“ Es folgen Großangriffe am 11.07, am 12.07., am 13.07., am 16.07., durch welche unter anderem das Siegestor, die Glyptothek und die Propyläen zerstört werden. Am 31.07. werden 180 000 Stabbrandbomben von 700 bis 800 amerikanischen Maschinen abgeworfen. Es folgt eine ganze Reihe weiterer Angriffe, die auch 1945 noch anhält. Noch am 21. April 1945 werfen die Alliierten 1400 Sprengbomben über der bereits völlig zerstörten Stadt ab. Am 24. April 1945 erfolgt ein Tieffliegerangriff. Am 29. April, dem Vortag der Eroberung Münchens durch die Amerikaner, erfolgt der letzte Tieffliegerangriff auf den Flughafen Riem.
Herbert List, Vierteljude und Kritiker des Nationalsozialismus, war ein bekannter Schwarz-Weiß-Fotograf. Nachdem er 1935 zunächst nach Paris emigriert war, kehrte er 1941 nach München zurück. Er ließ sich in München nieder und arbeitete später als Verwalter eines Kartenlagers in Bergen im Norwegen Vidkun Quislings. Nach Kriegsende ging er erneut in die nun amerikanisch-besetzte bayerische Landeshauptstadt und fertigte hier seine Fotografien der zerstörten Stadt an. Die Bilder zeigen beispielsweise die beschädigten „Rossbändiger“-Statuen, ein Schild, das auf einen Metzger in den Trümmern eines zerstörten Hauses verweist, die ausgebrannte Frauenkirche oder Männer bei Arbeiten in den Trümmerbergen.
Es waren nicht die Alliierten und noch weniger die „Gastarbeiter“, welche das alte München zu Grabe trugen und dem Neuaufbau den Weg ebneten. Trümmerfrauen und auch Nationalsozialisten leisteten die Hauptarbeit, in einer Zeit, als unzählige Männer noch in alliierter Kriegsgefangenschaft geschunden wurden. Am Marstallplatz ist den Trümmerfrauen heute ein Denkmal gewidmet, dass ihnen Dank und Anerkennung zollen soll. Der noch intakte Gemeinschaftssinn der Münchner zeigte sich auch am Wiederaufbau des Nationaltheaters, das am 21. November 1963 wiedereröffnet wurde. Nicht ausländische Hilfe, sondern Spenden der Münchner Bürger hatten den Bau, der in wirtschaftlich klammen Zeiten schwierig und langwierig war, ermöglicht. Das zeigt: Die Mauern der Münchner brachen, ihre Herzen jedoch nicht. Egal wie groß der Vernichtungswille der Feinde Deutschlands und seiner Kultur war, die Deutschen haben sich doch jedes Mal aufs Neue erhoben, um ein Licht in die Welt zu senden.
Wir können stolz sein, Angehörige dieses Volkes zu sein.













