Bodensee: Schulung zum Thema „Wirtschaftsliberalismus“ (1)

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Am Mittwoch, 15. Juli, wurde die monatliche Schulungsreihe am Bodensee fortgesetzt. Aufbauend auf der Juni-Schulung, in der die politischen Grundlagen des Liberalismus behandelt worden waren, widmete sich die Veranstaltung diesmal den wirtschaftlichen Aspekten des Liberalismus. Im Mittelpunkt standen die Grundprinzipien des Wirtschaftsliberalismus, seine theoretischen Grundlagen und seine historische Entwicklung. Ergänzt wurde die Schulung durch eine Auseinandersetzung mit den wichtigsten Kritikpunkten und Gegenpositionen, die bis heute die wirtschaftspolitische Debatte prägen.

 

Adam Smith und die Idee der „unsichtbaren Hand“

Auf wirtschaftlicher Ebene fordert der Liberalismus eine weitgehende Zurückhaltung des Staates gegenüber dem Wirtschaftsleben. Im Mittelpunkt stehen die freie Marktwirtschaft und der Freihandel. Der Wirtschaftsliberalismus geht davon aus, dass die besten wirtschaftlichen Ergebnisse erzielt werden, wenn Menschen möglichst frei über ihren Konsum und ihre wirtschaftlichen Entscheidungen bestimmen können.

In einer freien Marktwirtschaft werden Preise und Löhne durch Angebot und Nachfrage bestimmt. Die Preisbildung erfolgt im freien Wettbewerb, während die Wirtschaftsplanung dezentral organisiert ist. Der Anreiz zur Teilnahme am Wirtschaftsleben liegt im Erwerb und der Mehrung von Privateigentum. Arbeit wird dabei nicht in erster Linie als Beitrag zum Wohl der Gemeinschaft verstanden, sondern als Mittel zur Erreichung eines möglichst hohen Wohlstands und Lebensstandards.

Zur Veranschaulichung wird häufig folgendes Beispiel angeführt: Weshalb steht ein Bäcker jeden Morgen auf, um Brot zu backen? Tut er dies aus Gemeinsinn, damit andere frühstücken können, oder vielmehr, um seinen eigenen Lebensunterhalt zu verdienen? Nach wirtschaftsliberaler Auffassung ist eigennütziges Handeln grundsätzlich nichts Negatives. Im Gegenteil: Indem jeder seine eigenen Interessen verfolgt, wird zugleich das Gemeinwohl gefördert. Dieses Prinzip beschrieb Adam Smith mit dem Bild der „unsichtbaren Hand“. Nach seiner Auffassung wird die Gesellschaft nicht durch Konkurrenz gespalten, sondern durch den freiwilligen Austausch von Waren und Leistungen zusammengehalten, da dieser im Interesse aller Beteiligten liegt.

 

 

 

Adam Smith gilt als Begründer der modernen Wirtschaftswissenschaft und als Vordenker der freien Marktwirtschaft. Er untersuchte, wie die Entscheidungen freier Individuen zu einem geordneten Marktgeschehen führen können. Seiner Auffassung nach wird der Mensch in seiner Freiheit, im Wettbewerb mit anderen und im Streben nach persönlichem Gewinn gleichsam von einer „unsichtbaren Hand“ geleitet.

 

 

 

Darüber hinaus führte Smith den wachsenden Wohlstand auf die gesellschaftliche Arbeitsteilung und den damit verbundenen technischen Fortschritt zurück. Während ein einzelner Arbeiter an einem Tag etwa 20 Stecknadeln herstellen konnte, war eine Gruppe von zehn Arbeitern, die jeweils auf einzelne Arbeitsschritte spezialisiert waren, in der Lage, täglich bis zu 48.000 Stecknadeln zu produzieren.

 

 

 

David Ricardo und der Freihandel

David Ricardo setzte sich für den Freihandel ein. Darunter verstand er einen internationalen Handel, der ohne staatliche Regulierung oder Kontrolle stattfindet. Seiner Auffassung nach sollte der grenzüberschreitende Warenverkehr möglichst frei von Eingriffen des Staates sein.

 

 

Wirtschaftsliberalismus ist nicht gleich Kapitalismus

Der Begriff Kapitalismus wird heute häufig als Sammelbezeichnung für marktwirtschaftliche Systeme verwendet. Oft werden Kapitalismus und Marktwirtschaft sogar gleichgesetzt. Diese Gleichsetzung greift jedoch zu kurz.

Von Kapitalismus spricht man, wenn sich Kapital in den Händen weniger Akteure konzentriert. Kennzeichnend für eine kapitalistische Wirtschaftsordnung sind die Eigentumsverhältnisse an den Produktionsmitteln. Im Mittelpunkt der Marktwirtschaft stehen dagegen die Abläufe des Marktmechanismus, insbesondere das Zusammenspiel von Angebot und Nachfrage. Beide Erscheinungsformen treten heute häufig gemeinsam auf, können grundsätzlich jedoch auch unabhängig voneinander bestehen.

 

 

 

Vor diesem Hintergrund stellt sich die Frage, wodurch die Konzentration von Kapital und wirtschaftlicher Macht entsteht und welche Mechanismen ihr zugrunde liegen.

Die Kommunisten, die den Begriff Kapitalismus geprägt und damit dessen politische Deutung wesentlich beeinflusst haben, sehen die Ursache dieser Entwicklung im Privateigentum. Der Unternehmer wird dabei als Eigentümer der Produktionsmittel zum Kapitalisten, der seine Arbeitnehmer ausbeutet. Nach Karl Marx behalten Unternehmer einen erheblichen Teil des erwirtschafteten Gewinns für sich, während die Lohnarbeiter nicht angemessen an diesem Ertrag beteiligt werden. Entsprechend seiner Theorie des Klassenkampfes unterschied Marx zwischen Kapitalisten und Lohnarbeitern.

 

 

 

Aus unserer Sicht greift diese Kapitalismuskritik jedoch zu kurz. Marx kritisierte vor allem die Konzentration von Vermögen in den Händen Weniger und führte diese auf das Privateigentum an den Produktionsmitteln zurück. Als Lösung schlug er vor, die Produktionsmittel zu verstaatlichen und das Privateigentum an ihnen abzuschaffen.

Als grundlegender wird dagegen die Umverteilung angesehen, die über den Geldzins erfolgt, also durch die Vergabe verzinster Kredite. Demnach führt nicht die marktwirtschaftliche Wirtschaftsordnung selbst zur Anhäufung von Kapital und Macht, sondern der Zins- und Zinseszinsmechanismus innerhalb des Geld- und Währungssystems. Nach dieser Auffassung ermöglicht das Monopol der Geldschöpfung einer kleinen Gruppe von Akteuren, von der wirtschaftlichen Leistung der Gesellschaft zu profitieren.

Rainer Bischof und Horst Mahler beschreiben den Kapitalismus daher als eine Zinswirtschaft, während kommunistische Ansätze den Kapitalismus überwiegend mit der Marktwirtschaft gleichsetzen.

 

 

 

Die Marktwirtschaft

Werden Güter und Dienstleistungen über einen Markt verteilt und erfolgt die Abstimmung zwischen Produzenten und Käufern durch Angebot und Nachfrage, spricht man von einer Marktwirtschaft.

Auf einem Markt treten Käufer und Verkäufer miteinander in Austausch. Verkäufer bieten ihre Waren oder Dienstleistungen an, während Käufer diese nachfragen. Der Preis eines Produkts ergibt sich aus dem Zusammenspiel von Angebot und Nachfrage.

 

 

 

Dieses Prinzip lässt sich vereinfacht darstellen:

Das Angebot umfasst alle Verkäufer, die ihre Produkte auf dem Markt anbieten möchten. Die Nachfrage bezeichnet die Käufer, die diese Produkte erwerben möchten. Stehen weniger Waren zur Verfügung, als nachgefragt werden, steigen in der Regel die Preise. Höhere Preise schaffen Anreize, das Angebot auszuweiten. Nimmt das Angebot zu und erreicht der Markt eine Sättigung, sinken die Preise wieder, bis sich ein Marktgleichgewicht einstellt.

In einer Planwirtschaft hingegen können Käufer und Verkäufer nicht frei miteinander handeln. Der Staat legt dort die Preise der Güter fest und steuert die wirtschaftlichen Abläufe zentral. Karl Marx vertrat mit seiner Arbeitswertlehre eine andere Auffassung über die Preisbildung. Der Wert eines Gutes bestimmt sich demnach über die in ihm enthaltene menschliche Arbeit.

 

 

 

In der freien Marktwirtschaft geht man dagegen davon aus, dass Märkte grundsätzlich stabil funktionieren, solange sie nicht durch staatliche Eingriffe beeinträchtigt werden.

Der zweite Teil dieses Artikels folgt am Samstag, dem 25. Juli.

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