Gedichteinsendung: Volkwart´s Kunde – Der Brautbecher

Home/Kultur/Gedichteinsendung: Volkwart´s Kunde – Der Brautbecher

– Der Brautbecher –

In Deutschland gibt es eine Tradition,
manch einer kennt sie vielleicht schon.
Wird der Traum nun endlich wahr,
man schreitet vor den Traualtar,
„auf das Brautpaar“ ruft der Sprecher,
und das Paar trinkt aus einem besond´ren Becher.

Dieser Brauch verheißt viel „Glück“,
für das weit´re Lebensstück.
Doch was ist der „Brautbecher“ für ein Ding,
worin liegt sein tiefer liegender Sinn?

Weshalb ist er das Symbol für Liebe und Treue,
etwas das Unheil und das Pech zerstreue?
Auch hierzu gibt es eine deutsche Sage,
eine Geschichte um der Liebe Klage.

Es war im 13. Jahrhundert,
als die Liebe das Herz ermuntert,
es zu schenken an einen tüchtigen Mann,
sodass die große Liebe erblühen kann.

Für das Fräulein Kunnigund´,
schlug jene viel gepries´ne Stund´.
Er war ein junger Goldschmied,
wie das Leben es beschied.

War sehr fleißig und auch arbeitsam,
auch wenn er dadurch nicht zu Reichtum kam.
Doch diese Liebe musste heimlich bleiben,
denn man konnte es nicht leiden,
das eine Frau von Kunnigundes Stand,
etwas an ihm, den „Einfachen“, fand.

Kunnigunde war von einem edlen Geschlechte,
so sah der Vater es als seine Rechte,
ihr diese Liebschaft zu verweigern,
denn dies würde ja das Geld nicht steigern.

Drum führte er ihr viele Freier vor,
traf dabei nur nie ins Tor.
Niemand konnte der Tochter je genügen,
niemand sonst ihr Herze kriegen.
Wie denn auch? Es war bereits vergeben,
mit ihrem Goldschmied träumte sie ein Leben.

Ihr Vater nun war ziemlich aufgebracht,
suchte für sie Tag und Nacht,
doch immer lehnte Kunnigunde ab,
bis an jenen schicksalshaften Tag!

Im Streite gerieten sie aneinander,
ihr Vater schrie und tobte umeinander,
da offenbarte sie wem denn ihr Herz gehört,
und wem sie einzig ihre Treue schwört.

Der Vater war rasend vor Zorn,
ein Goldschmied ist nicht edel gebor´n!
Seine Tochter mit einem Arbeiterpack,
statt mit edlem Blut und Frack?

Dies vermochte seine Wut zu schärfen,
er ließ den Goldschmied in den Kerker werfen.
Dort im finstren Keller sollt er schmoren,
bis Kunnigunde sich einen reinen Mann erkoren.

Doch es kam anders als er es dachte,
weil ihm etwas einen Strich durchmachte.
Seine Tochter wurd´vor Liebe krank,
war nur mehr blass und rank.

Sie weinte Tag und Nacht,
was das Schicksal ihr gebracht.
Kunnigunde wollt schon nicht mehr leben,
da tat der Vater ihr was geben.

„Hör zu mein liebes Töchterlein,
will nicht länger sehen deine Schmerz und Pein.
Ich schlage dir nun einen Handel vor,
weil ich dich beinahe so verlor.

Wenn es deinem Goldschmied sollt gelingen,
mir einen Becher gar zu bringen,
aus dem Zwei gleichzeitig können trinken,
soll als Lohn die Freiheit winken.

Nur will ich eines gar nicht seh´n,
kein Tropfen darf verloren geh´n.
Dann für dich noch oben drein,
soll er fortan dein Manne sein.“

Insgeheim war er sich sicher,
später erklingt sein Sieggekicher.
Das würde der Lump nicht hinbekommen,
dafür wirke er zu sehr benommen,
und dazu noch außerdem,
hat so was noch keiner je geseh´n!

Doch Kunnigund´war voller Freude,
wusste das er´s nicht vergeude,
ihr Schmied würde eine Lösung finden,
und Freya das Band der Liebe binden.

Die Herausforderung war groß,
er saß mit Skizierbrett auf dem Schoß,
überlegte hin und her,
denn diese Aufgabe war schwer.

Einen Becher für zwei,
und kein Tropfen darf vorbei,
wie kann das gehen,
wie soll man das verstehen?

Das erste große Problem,
tat er schon beim Kippen seh´n.
Da stießen doch zusamm´die Köpfe,
wenn man aus dem Becher schöpfe.

Die Kerze brannte und die Nacht verging,
ohne das ein Licht aufging.
Die rettende Idee sie fehlte,
während sein Herzenswunsch ihn quälte.

So dachte er an seine Kunnigund´,
in jener aussichtslosen Stund´.
Sah im Geiste sie vor sich,
in ihrem Kleid so feentlich.

Da brannte in ihm auf eine Idee,
denn wie er sie so seh´,
und wenn sie über ihren Kopf ein Becher trüge,
so wäre das der Aufgabe genüge.

Je ein Gelenk an Hüft und Arme,
nun verändert sich das Bild der Dame,
den einen über´n Kopf und den Rock mit Fächer,
das ergibt in Summe Zwei schöne Becher.
Gedacht, getan, er stürzte sich ans Werk,
denn der Brautvater prüft mit scharfem Augenmerk.

Schweißtropfen rinnen, der Fleiß soll es bringen,
die Stirn liegt vom Denken in Falten,
wie von Sinnen beginnt er seine Idee zu gestalten.

Die Augen der Liebsten, sie ruhen auf ihm,
und immer näher rückt der Abgabetermin.
Doch seine Fertigkeiten sind brillant,
seht nur welch Meisterwerk entstand!

Augenscheinlich eine zinnerne Dame,
„Brautbecher“ wird später sein ihr Name,
mit ihren Gelenken bringt sie die Lösung,
zwei integrierte Becher als Erlösung.

Staunend hielt der Vater es in Händen,
tat bedächtig es auf und nieder wenden,
prüfte noch die Funktionalität,
und gratulierte dann zur Genialität.

Der Edelmann hielt Wort,
rief nach seiner Tochter dann sofort,
gab seinen Segen zu ihrer Liebe,
das Kunnigund´ihn zum Manne kriege.

So nahm alles doch ein gutes Ende,
und zurück blieb die Legende.
Fortan galt der „Brautbecher“ als ein Zeichen,
das Liebe und Glück nie vom Paare weiche.

Drum Augen auf ! – viel hat Gewicht,
das faszinierende offenbart die Geschicht´.